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Und wieder keine »tollen Tage«

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Ulla und Ulli Eskens bei einem Auftritt im katholischen Pfarrsaal im Jahr 2014. © Wagner

Der Verzicht auf das karnevalistische Treiben schmerzt die Vereine. Vertreter der närrischen Vereinigungen in Buseck berichten, wie sie die derzeitige Situation erleben.

Buseck (sil). Normalerweise würden in diesen Tagen im Gießener Anzeiger seitenweise bunte Fotos von Showtanzgruppen und Garden, Stimmungsmusikern und Büttenrednern veröffentlicht werden. Und zwar von Präsenzveranstaltungen. Einige Leser werden sie vielleicht nicht vermissen, andere jedoch sehr. Zum Leidwesen der Karnevalisten dürfen aufgrund der Pandemie nun zum zweiten Mal in Folge keine großen Prunksitzungen und Veranstaltungen etwa von sonstigen Vereinen und Gruppierungen oder Gastronomen stattfinden. Vertreter der Busecker Karnevalvereine erzählen, wie sie die derzeitige Situation erleben.

Besonders schmerzlich ist der Verzicht auf das karnevalistische Treiben für die rheinischen Frohnaturen Dr. Ulrich und Ulla Eskens. 1971 war der Veterinär-Pathologe des Studiums wegen nach Gießen gekommen. Seit 1982 wohnen die gebürtigen Kölner im eigenen Häuschen in Großen-Buseck. Zunächst fanden Ulla Eskens und Tochter Sonja den Weg auf die Bühne des Pfarrsaals der katholischen Kirchengemeinde »Sankt Marien«. Ihre humorigen Vorträge in unverkennbarem Dialekt kamen bei den Sitzungen des Katholischen Fastnachtsclubs (KFC) sehr gut an. Als dann für Sonja studienbedingt ein Wohnortwechsel anstand, überredete Ulla ihren Ehemann, die dadurch entstandene Lücke zu füllen.

Gesang, Tanz und humorige Texte

Als »Ulla und UIli« im Dorf bestens bekannt, erfreuten sie nicht nur mit gesanglichen Beiträgen und eigenen Texten das Publikum. UIla tanzte zudem bei den KFD-Damen und Ulli gab 2006 als bayerische Schönheitskönigin sein Debüt in der Bütt. Außerdem sang er in der Kapelle »Schunkel«, eine Namenskreation aus Schneider (ehemaliger Pfarrer) und Kunkel (Organist). Nun fehlt den beiden der Spaß an den Vorbereitungen auf die Auftritte in der fünften Jahreszeit. »Gerne würden wir uns wieder richtig warmlaufen und setzen alle Hoffnung auf 2023,« sagt Ulli Eskens.

In seiner ehemaligen Gemeinde in Steinheim stand Pfarrer Lukasz Szafera stets mit Freude und vielen Lacherfolgen in der Bütt. Das möchte er auch in Buseck gerne tun. Da er erst im letzten Oktober die Stelle als Pfarradministrator der Pfarrei von »Sankt Marien« angetreten hat, und inzwischen kaum Begegnungen außerhalb der Gottesdienste stattfanden, fehlen ihm schlichtweg geeignete Themen. Es seien ja die Insidergeschichten, die bei den Gästen besonders gut ankommen. Das Kommentieren der Politik übernehme ohnehin der Protokoller. Wer versteht Spaß, wer nicht?

Aufgrund der kurzen Zeit könne er die Menschen hier noch nicht so gut einschätzen. »Schließlich möchte ich niemandem auf die Füße treten«, sagt Pfarrer Szafera. »Sie wissen ja, das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein, aber ein falsches Wort zur falschen Zeit bleibt in Erinnerung.« Als ein kleines Trostpflaster möge seine gereimte Predigt am Fastnachtssonntag dienen.

Sabrina Trommer, bis vor kurzem KFC-Vorsitzende, tut der aktuelle Ausfall der Veranstaltungen nicht gar so weh. Dafür gibt es einen nachvollziehbaren Grund: Der Schritt in die Selbständigkeit Anfang 2021 mit der Übernahme des »Kauflädchen Trend« in Großen-Buseck und die bevorstehende Eröffnung einer Filiale in Grünberg beanspruchen ihre volle Zeit und Kraft. Sie betont: »Die Kampagne 2018/2019, in der ich mit meinem Ehemann Andreas das Prinzenpaar der Gießener Fastnachtsvereinigung stellen durfte, haben wir beide sehr genossen.« Sie hofft darauf, dass im nächsten Jahr das närrische Treiben in gewohnter Form weitergehen kann.

Über die stabilen Mitgliederzahlen und eine ganz normale Fluktuation bei den Garden (nur zwei Midis haben die Gruppe verlassen) freut sich Heiko Hintze. Der Vorsitzende des Karnevalvereins Großen-Buseck (KV) berichtet von einem »verhaltenen Training mit Abstand« in Präsenz und zeitweise über Zoom. »Das Einstudieren der Choreographien benötigt viel Vorlaufzeit. Besonders für die große Garde und die Showtanzgruppen, bei denen man durchaus von Leistungssport sprechen kann, ist regelmäßiges Sporttreiben wichtig«, sagt Hintze. Die auftrittsfreie Zeit wird derzeit genutzt, um für die Garde neue Kostüme nähen zu lassen. Abgesagt wurde ein internes Treffen, das für das Fastnachtswochende geplant war. Das sei derzeit nicht zu verantworten, meint der KV-Vorstand. Bevor die Corona-Fallzahlen erneut anstiegen, konnte 2021 noch eine Herbstwanderung durchgeführt werden. 50 Teilnehmer seien Beleg dafür, dass trotz des »ruhenden Geschäftsbetriebs« der Zusammenhalt nicht gelitten hat.

Die Vorsitzende des Carnevalvereins Alten-Buseck (CVA), Katrin Seuling, freut sich ebenfalls über die Vereinstreue der Mitglieder in dieser schwierigen Zeit. Anfang Januar wurde das Training eingestellt. Zuvor hatten sich die Aktiven noch auf einen Auftritt bei einer angepeilten, zwischenzeitlich abgesagten internen Veranstaltung vorbereitet. Wenn es wieder losgehen kann, sollen diese Tänze ausgebaut und professionalisiert werden. Auf mögliche Planungen angesprochen, sagt Seuling: »Ideen haben wir jede Menge, mal schauen, was sich davon realisieren lässt.« Was heute geplant werde, könne schließlich morgen schon Makulatur sein.

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