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Warten auf Abrissgenehmigung

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Von: Emanuel Zylla

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Hier soll Platz für etwas Neues geschaffen werden. Foto: Zylla © Zylla

Eine Mehrheit aus CDU und FW entschied sich dafür, alle Gebäude abreißen zu wollen. Ein Denkmalschutz bestehe hier eh nicht, es gebe erhebliche bauliche Mängel im Mühlengebäude.

Buseck (zye). Was tun mit der Kleinmühle in Großen-Buseck? Im Zuge der Umgestaltung der Wieseckinsel zum vollwertigen Naherholungsgebiet ging es in der vergangenen Gemeindevertretung um die Zukunft der Mühle des historischen Mühlentals. Den Gemeindevertretern lag das Thema spürbar am Herzen: Sie widmeten sich ihm eine Stunde lang, bevor eine Mehrheit für Gesamtabriss stimmte.

Geht es nach der ersten Beschlussvorlage zur Casa »Kleinmühle«, bestehend aus vier Punkten, dann sollten zunächst nur alle Nebengebäude des Areals abgerissen werden (Punkt eins). »Das eigentliche Mühlgebäude, mit ehemaligem Wohnbereich und vor allem die darin enthaltene, historische, optisch komplett erhaltene Mühlenanlage, sollen erhalten bleiben«, hieß es im Antrag der Gemeinde dazu.

Kein Denkmalschutz

Der Bau-, Landwirtschafts- und Umweltausschuss (BLUA) und Kultur- und Sozialausschuss, setzte nach einer gemeinsamen Debatte der den Rotstift an. Eine Mehrheit aus CDU und FW entschied sich dafür, alle Gebäude abreißen zu wollen. Ein Denkmalschutz bestehe hier eh nicht, es gebe erhebliche bauliche Mängel im Mühlengebäude und die Scheune - zwar noch recht gut in Schuss - würde im Falle einer Sanierung hohe Kosten verursachen. Also lieber Platz schaffen für etwas Neues - oder eben nur Platz schaffen.

Der Ortsbeirat Großen-Buseck war eher für einen großteiligen Erhalt des Mühlenareals. Eine Chance zur Besichtigung hatten sie jedoch vor der Gemeindevertretung nicht. Die Kommune erwarb das Grundstück und die Gebäude der Mühle. Auch die Wasserrechte des dortigen Mühlgrabens (Bachlauf) gingen an die Gemeinde. Vor den eigentlichen Bauarbeiten soll nun der Zugang zum Freibad und des künftigen Naherholungsgebietes »Wieseckinsel« geöffnet und damit attraktiver werden. Parkmöglichkeiten sollen geschaffen werden, schließlich verspricht sich Buseck auch einen Boost für den eigenen Tourismus. Die weitere Freifläche biete zudem weitere Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Doch vor all dem könnte zunächst Platz geschaffen, um die Baustelle »Wieseckinsel« besser erreichen zu können. Das sieht Punkt drei des Antrages vor. Die Hämmer könnten auf der Wieseckinsel von 2023 bis 2024 geschwungen werden. Eine Skizze des Planungsbüros Sommerlad-Haase-Kuhli über die Abrisspläne lag dem Gemeindeparlament vor. Diese galt es bei Punkt drei der Beschlussvorlage nur zur Kenntnis zu nehmen. Der letzte Punkt des Antrages setzte noch eine finale Planung der Außenanlage der Kleinmühle fest. Die müsse dann von der Gemeindevertretung zunächst beschlossen werden.

André Blaufelder (FW) sprach sich für die Variante »Komplettabriss« aus. Nicht nur würde der Abriss der Scheune einen Schulweg sicherer gestalten, auch die insgesamt entstandene Freifläche würde entsiegelt werden. Insgesamt würde sich die Attraktivität des Areals verbessern. Uwe Kühn (Freie Wähler) findet, dass der Ankauf der Kleinmühle von der Gemeinde eine richtige Entscheidung war.

»Hätten sie Privatleute gekauft, hätten sie die Mühle vermutlich auch abgerissen«, immerhin bestehe kein Denkmalschutz. »An das Mühlenwerk habe ich ein bisschen mein Herz verschenkt«, so Kühn, schließlich gebe es im Mühlental kaum noch Mühlen. »Später könnten wir uns über den Verlust eines historischen Erbes ärgern.« Er schlug vor, das Mühlwerk und gegebenenfalls die dafür benötigten Gebäudeteile zu erhalten. Die Scheune solle aber abgerissen werden. Parteikollege Erhard Reinl würde hierzu eine Prüfung durch einen Statiker begrüßen, wenn nur Teile des Mühlengebäudes abgetragen werden sollen. Nur Parkplätze für Autos, mit Ausnahme für behinderte Menschen, möchte Kühn nicht. Sie brauchen viel Platz und nicht jeder Mensch könne sich auch ein Auto leisten. Es wäre »unsozial« und nicht mehr zeitgemäß, wenn dafür die »öffentliche Hand« zahlen müsste. Luana Sommer (FW) ergänzte mit der Sicht des Kinder- und Jugendbeirats: Hier sieht man künftig vor allem Kinder und Jugendliche mit dem Fahrrad zum Freibad anreisen. Der Bedarf an Abstellflächen für Autos sei für die Wieseckinsel gering. Über die Kritik an Parkplätzen wunderte sich Moritz Mattern (CDU). Schließe bräuchten touristische Anziehungspunkte auch Parkplätze.

Im BLUA enthielt sich die SPD noch bei der Abstimmung. Es bestehe Beratungsbedarf. In der Gemeindevertretung kommentierte Roland Kauer (SPD) dann die Debatte: »Wir reden hier am Thema vorbei.« Es müssten zunächst Genehmigungen in Gießen eingeholt werden. »Wir wären hier mitgegangen, wenn der Gemeindevorstand zu einer Prüfung eines Abrisses beauftragt werden würde. Oder wenn es darum gehen würde, zunächst eine Genehmigung beim Landkreis für den Abriss einzuholen.« Kauer glaubt, dass die Gemeindevertretung hier gegen eine Satzungs- und Beschlusslage entscheiden würde, wenn der Antrag, wie beschrieben, umgesetzt wird. »Wir wären ansonsten dabei, nur möchte ich nicht, dass wir hier rechtswidrig handeln und dabei zuschauen.« Bürgermeister Michael Ranft (CDU) war anderer Ansicht, Moritz Mattern (CDU) schloss sich an: »Wir können das heute beschließen«, glaubt Mattern, denn »wenn die Rechtslage es nicht hergibt, bekommen wir von der Bauaufsicht einfach keine Abrissgenehmigung.« Wenn etwa eine Erhaltungssatzung bestehe, dann bedeute »Erhalt« aber nicht gleich ein Verbot für einen Abriss, bemühte sich Frank Müller (CDU) um Aufklärung. »Mit einem Beschluss wären wir auf dem richtigen Weg«, so Müller.

Gesamtabriss zugestimmt

Die SPD blieb bei ihrem Widerstand. Ein Änderungsantrag von Willy Jost (SPD), die Scheune zu erhalten, scheiterte an der Mehrheit aus CDU und FW bei zwei Enthaltungen. Zu den drei abzustimmenden Punkten des Hauptantrages, gab es drei Voten. Dem Gesamtabriss, laut Punkt eins, stimmten 17 Gemeindevertreter zu. Zwölf waren dagegen und eine Stimme enthielt sich. Auch den restlichen Punkten wurde mehrheitlich zugestimmt. Nun heißt es auf die Abrissgenehmigung warten.

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