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Windpark bei Oppenrod?

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Die »Wieseck-Insel« in Großen-Buseck soll zu eineer vollwertigen Parkanlage werden. Foto: Zylla © Zylla

Der Busecker Bauaussschuss hat den Grundsatzbeschluss gefasst, dass zu einem möglichen Windpark bei Oppenrod Gespräche mit Projektierern geführt werden sollen.

Buseck (zye). Im Teilregionalplan Energie ist die Fläche schon seit Jahren enthalten. Nun könnte die »Windvorrangfläche 4114a« bei Oppenrod als interkommunales Projekt von Gießen, Buseck und Fernwald entwickelt werden. Es geht um eine Gesamtgröße von 153 Hektar. Der Bauausschuss billigte die Vorlage am Montagabend bei Nein-Stimmen der CDU.

Der Gemeindevorstand wird beauftragt, Gespräche mit möglichen Projektierern zu führen sowie Beteiligungsmöglichkeiten - zum Beispiel als Projektentwicklungsgesellschaft oder Projektbetreibergesellschaft - zu prüfen. Bei der Entwicklung des Windparks ist die Beteiligung der Anliegerkommunen und deren Bürger eine Voraussetzung.

Der Schritt, erneuerbare Energien auszubauen sei »für die Erreichung der Klimaschutzziele auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene essenziell nötig«, heißt es in der Vorlage. Bürgerbeteiligung soll ein »wesentlicher Bestandteil« sein. Bei Informationsveranstaltungen soll es auch um »die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung« gehen. Termine stehen noch nicht fest.

»Fernwald hat diesen Grundsatzbeschluss schon einstimmig gefasst«, berichtete Klimaschutzmanagerin Larissa Hildebrand. »Es ist ein erster Schritt bevor irgendwas gebaut wird.« Gespräche auf Ebene der Bürgermeister hätten bereits stattgefunden.

Ganz unumstritten sind diese Planspiele aber nicht. Sieben Bürger nahmen an der Ausschusssitzung teil. Aus ihrer Sicht geht es bei dem geplanten Windpark nur um ein Ziel: Profit.

Erster Beigeordneter Alexander Zippel (Freie Wähler) erklärte, dass ihm bewusst sei, dass Bürger aus Oppenrod Bedenken haben, etwa wegen des möglichen Schattenwurfs der Windräder. Alle Nachteile würden geprüft. Zippel wies aber auch darauf hin, dass ohne die Zustimmung der Gemeindevertretung vielleicht »etwas ohne unser Mitwirken auf dem Gebiet unserer Gemeinde entsteht«. Er warb gegenüber Bürgern und Politik dafür, an Gesprächen zu der Thematik mitzuwirken. »Am Ende des Tages geht es hier auch für die Gemeinde Buseck um jährliche sechsstellige Erträge«, betonte der Erste Beigeordnete

Eckhard Neumann (CDU) gab zu bedenken, dass der Gemeindewald »auf der letzten Krücke« gehe. Das sei bei Besichtigungen mit Förstern deutlich geworden. »Wir bekämpfen hier ein Problem, um ein anderes zu vergrößern«, meinte er angesichts der Tatsache, dass die Vorrangfläche einen sehr großen Anteil Wald erhält. »Wald abholzen, um Windräder aufzustellen, halte ich für sehr bedenklich.

Uwe Kühn (FW) entgegnete, dass zwar Bäume gefällt werden müssen, aber das geschehe auch bei anderen Bauprojekten. Er erinnerte etwa an den Edeka-Parkplatz im Industriegebiet. »Da hatten wir auch keine Skrupel, Bäume fällen zu lassen.« Beim Bau eines Windparks müsse es für gerodete Waldflächen einen Ausgleich geben. Aus Kühns Sicht überwiegen die Vorteile für die Gemeinde. Er nannte ein weiteres Argument pro Windkraft: »Preise für Windstrom werden nicht steigen.« Kühn riet »dringend« dazu, der Beschlussvorlage zuzustimmen. Es gehe hier darum, im »Sinne der Bürger« vorzugehen

Moritz Mattern (CDU) sprach sich für eine offensivere Informationspolitik aus. Er hätte sich gewünscht, dass die Gemeinde gleich zu Beginn auf die Oppenröder zugegangen wäre. SPD und Grüne sprachen sich für Windkraft aus. »Wir müssen hier als Gemeinde über den Tellerrand schauen«, forderte Markus Spitzner (Grüne). Er stimmte mit Norbert Weigelt (SPD) überein, dass die Kommune in Sachen Energie unabhängiger werden müsse.

»Was ist denn nun eigentlich mit der Wieseck-Insel?«, lautet die Frage, die sich viele Busecker immer wieder stellen. Das zumindest war am Montagabend in den Sitzung von Sozial- und Bauausschuss zu vernehmen. Über die Neugestaltung des Naherholungsgebiets gibt es in der Gemeinde schon seit Jahren ein politisches Tauziehen.

Worum geht es? Eine vollwertige Parkanlage soll entstehen, die sowohl für Bürger der Gemeinde, als auch für Touristen attraktiv sein soll. Derzeit ist die »Wieseck-Insel« noch ein Areal mit pflegebedürftigen Grünflächen und einem sanierungsbedürftigen Freibad. Gut versteckt ist sie eingebettet zwischen dem Bachlauf der Wieseck sowie der Weiden- und Zeilstraße und erstreckt sich über eine Länge von circa 360 Metern nach Südosten.

Derzeit befindet sich die Neugestaltung des Areals in der Planung des letzten Bauabschnittes. Um die sogenannte »Flussterrasse« geht es dort, also dem nördlichsten Teil der »Wieseck-Insel«. Landschaftsplaner Ule Ruhland (SHK Landschaftsarchitekten) stellte die Pläne hierzu vor. Für diesen Planungsabschnitt sowie für die restlichen Teilstücke gaben die Ausschüsse eine einstimmige Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung. »Das ging heute aber schnell«, wunderte sich Ruhland nach seinem Vortrag im Bauausschuss. Über diesen Kommentar mussten auch die Mitglieder des Gremiums lachen.

Was soll im Planungsgebiet verändert werden und wie hoch sind die Kosten? Das Freibad soll saniert werden. Außerdem sind zum Beispiel ein Kneipp-Parcours, ein Schulgarten mit Wasserspielplatz, ein Sandspielbereich und eine Callanetics-Anlage geplant. Um das Freibad herum sollen terrassierte Liegewiesen entstehen. Im weiteren Verlauf nach Südosten setzt sich diese Wiese als Parkanlage fort und wird mit Bäumen, einem Sandkasten und Beachvolleyballplatz ergänzt. All das soll mit Brücken über die Wieseck und Wegen für Besucher zugänglich gemacht werden. Parkflächen für Fahrräder und Autos sind auch vorgesehen.

Rund 1,8 Millionen Euro wird das Projekt wohl kosten. Nach Abschluss der Planung könnte es 2023 mit dem Bau losgehen. Den Stellungnahmen der Fraktionen ließ sich hier ein Fazit entnehmen: Das Projekt soll schnellstens durchgezogen werden. Die Gemeindevertretung wird nun am morgigen Donnerstag das letzte Wort haben.

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