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»Bleibende große Verdienste«

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Butzbacher Bürgermeister Michael Merle (r.) verlieh Hanno Müller aus Steinbach (Mitte) im Beisein von Kirchenarchivbetreuer Bodo Heil die Butzbacher Bürgermedaille. Foto: Geschichtsverein Butzbach © Geschichtsverein Butzbach

Fernwald (red/vb). Als dem Lokalhistoriker Hanno Müller 2018 die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen verliehen wurde, hat der Steinbacher geschildert, was er sich für seine Arbeit erträumt. Einmal wie James Bond sein. Natürlich nicht mit der Lizenz zum Töten, sondern vielmehr mit der Erlaubnis »zum Erwecken und vor dem Vergessen bewahren«. Manches Mal stößt Müller bei seinen Recherchen an Grenzen oder wird mit der Willkür einzelner Standesbeamter konfrontiert.

Das hat den früheren Lehrer aber nicht davon abgehalten, über 40 Bücher zur Zeitgeschichte diverser Städte und Dörfer der Region zu veröffentlichen. Diese Arbeit ist mehrfach ausgezeichnet worden, nun auch von der Stadt Butzbach. Bürgermeister Michael Merle verlieh die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat: die Butzbacher Bürgermedaille.

Müller, Jahrgang 1948, war Mittelschullehrer für Chemie, Physik und Geografie. 2002 musste er krankheitsbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden. Schon von Jugend an interessierte er sich für die Geschichte seines Heimatortes, kam durch Otto Stumpf in Garbenteich zur Genealogie und widmet sich seit 2006 vornehmlich der Familienforschung über die bis zur Deportation im September 1942 in den Gemeinden Oberhessens lebenden jüdischen Einwohner. Sein erstes Buch über »Steinbacher Flurnamen« hatte er bereits 1985 veröffentlicht.

400 Jahre in sieben Bänden

Von 2002 bis 2015 hat er sieben Butzbacher Familienbücher mit zusammen über 2600 Druckseiten bearbeitet. In den Bänden geht es um den Zeitraum von 1501 bis zu den 20- und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Butzbacher Geschichtsverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied und erklärte, Müller habe sich »bleibende, große Verdienste für die Aufhellung von Butzbachs Geschichte erworben.«

Der stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Dieter Wolf, hielt bei der Verleihung der Butzbacher Bürgermedaille die Laudatio und würdigte die »außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen zur Erforschung der Geschichte der Stadt Butzbach«.

Die Werke über Butzbach sind nur ein Teil des Werks von Müller in den vergangenen fast 40 Jahren. Jüdische Familienbücher entstanden unter anderem über Gießen, das Busecker Tal, Lich, Bad Nauheim oder Friedberg. Zuletzt erschien im Frühjahr dieses Jahres »Juden in Staufenberg«. Unter dem Titel »Stoabach froijer« widmete Müller seinem Heimatort Steinbach fünf Bände. 2019 löste er mit der Veröffentlichung des 250 Seiten und 250 Abbildungen umfassenden Bandes »Fotos Gießener Juden« ein Versprechen ein, das er bei der Verleihung der Hedwig-Burgheim-Medaille gegeben hatte.

Wie beschrieben, ist der Steinbacher mehrfach ausgezeichnet worden. 2009 verlieh ihm der damalige hessische Innenminister Volker Bouffier den Hessischen Verdienstorden am Bande. 2013 erhielt der Steinbacher im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses den höchsten jüdisch-amerikanischen Geschichtspreis, den »Obermayer-German Jewish History -Award.«

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