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»Ein Ort zum Leben«

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Robert Horn überreicht Blumen an Stefan Bechthold und Kathrin Rosenke (v.l.), rechts Bürgermeister Manuel Rosenke. © Wißner

Mit einem Festakt und 230 geladenen Gästen in der Fernwaldhalle wurden 50 Jahre Fernwald begangen. Die TSG Big Band und die Volkstanzgruppe Annerod sorgten für Unterhaltung.

Fernwald (twi). »Zwei Bühnen, drei Anlässe«, so brachte es Landrätin Anita Schneider (SPD) kurz und knapp auf den Punkt. Mit einem Festakt und 230 geladenen Gästen in der Fernwaldhalle wurden 50 Jahre Fernwald wie auch die Verabschiedung von Bürgermeister Stefan Bechthold (SPD) und der Neuanfang von Bürgermeister Manuel Rosenke (parteilos) begangen. Musikalisch sorgte die von Oliver Völzel geleitete TSG Big Band für den unterhaltsamen Rahmen, während die von Carla Rühl geleitete Volkstanzgruppe Annerod mit zwei flotten Tänzen aufwartete.

Dr. Robert Horn (SPD), der als Vorsitzender der Gemeindevertretung durch das fast dreistündige Programm führte, ließ es sich nicht nehmen, das »erste Kind der Gemeinde Fernwald« ganz besonders zu begrüßen. Wie Horn bei der Überreichung eines Blumenstraußes an Tanja Wehrum verriet, ist die Musikerin am 14. Januar 1972 geboren und gilt als »erste Geburt der Gemeinde«. Ein strahlendes Lächeln bei Entgegennahme des Präsents verleiht nun der Gemeinde auch ein Gesicht. Geschmunzelt wurde, als Horn in seiner Begrüßung die beiden Vorstände der Licher Brauerei, Dr. Ulrich Peters und Holger Pfeiffer begrüßte und diesen »für eine großzügige Sachspende« dankte. Doch nicht nur das goldene Gemeindejubiläum, das, wie Bürgermeister Manuel Rosenke in seiner Begrüßung ausführte, am 2. Juli in der Fernwaldhalle sowie mit einem »Tag der offenen Tür« der Gemeindeeinrichtungen unter Einbindung der Vereine begangen werden soll, sondern der zum Jahresbeginn vollzogene Bürgermeisterwechsel mit Amtseinführung und Verabschiedung gehören laut Horn zu den Höhepunkten in diesem Jahr. An den nunmehr als Bürgermeister a.D. geltenden Stefan Bechthold gerichtet, bescheinigte der Vorsitzende der Gemeindevertretung diesem in seinen zwölf Jahren als Bürgermeister viel erreicht zu haben und verwies dabei auf Großprojekte, Gewerbeansiedlung, Umstellung auf erneuerbare Energien und neue Baugebiete. Aber auch Anfeindungen, die bis ins Persönliche gegangen seien, Kritik und Klagen und zahlreiche Prozesse, die die Gemeinde auf der Passivseite führen musste. »Sicherlich ist nicht alles gelungen was Du dir gewünscht hast, doch so ist das nun mal im politischen Bereich. Das ist normal und damit können wir alle umgehen.« Mit diesen Worten überreichte Horn gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister Manuel Rosenke Bechthold einen Präsentkorb.

An Rosenke gerichtet, bescheinigte Horn diesem, das er sein Amt im ersten Quartal mit Energie und Sachkenntnis ausgefüllt habe. »Die ersten Wochen und Monate zeigen es. Das Wahlergebnis spiegelt das große Vertrauen wieder. Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde auf einem guten Weg mit Dir ist und bleibt.«. Landrätin Anita Schneider blickte auf die Ziele der kommunalen Gebietsreform zurück »die auch heute noch modern sind. Es ging auch darum ein Gefälle zwischen Stadt und Land auszugleichen. Und dies ist auch heute noch ein wichtiges Thema und Ziel. Es ging auch um ein Gleichheits- und Wohlstandsdenken. Es war damals eine mutige und aus heutiger Sicht eine notwendige Entscheidung«.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU) betonte, dass nur dann, wenn verschiedene Ebenen zusammenarbeiten, ein vernünftiges Ergebnis erzielt werde. Er ging auch auf die Gebietsreform ein, die für Hessen ein einschneidendes Ereignis darstellte und »notwendig war, weil die kleinen Gemeinden seinerzeit so nicht leistungsfähig waren«. Auch nach 50 Jahren komme das Ortsteildenken immer wieder durch. Das wird alles noch etwas dauern, bis dies beseitigt ist und in ein vernünftiges Maß kommt. Der Gemeinde, dem Bürgermeister sowie allen Amtsträgern wünschte er alles Gute für die nächsten 50. Als Nachfolger des »Fallbeils aus Lollar« stellte sich Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz als Sprecher der heimischen Bürgermeisterrunde vor und musste sich ein »Danke schön« als Zwischenruf von seinem Vorgänger Bernd Wieczorek (SPD) dafür gefallen lassen. Bechthold lobte er als einen gestandenen Mann, der sein Amt in einem »richtigen Winter mit Schnee« angetreten habe, sich im Kreistag engagierte und nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidierte. »Wir wissen Bürgermeisterjahre zählen doppelt«, dankte er diesem für die gute Zusammenarbeit. Dem »Neuen«, Rosenke, wünschte er viel Erfolg und eine ruhige Hand und »dass Du mit Deinen Ideen die Bürger der Gemeinde begeistern kannst«.

Mit Johannes Heger betonte der Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, dass ein Wechsel an der Spitze der Verwaltung immer auch mit Veränderung verbunden ist. »Dies gehört zu einem demokratischen System einfach dazu. Wichtig ist, dass die Politik in einer Gemeinde direkt und unmittelbar wahrgenommen wird, zumal die Gemeinde auch für vieles zuständig ist.« Der ehemalige kommissarische SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel und SPD-Mitglied in Fernwald, den bereits gemeinsame Zeiten in der Gießener Stadtverwaltung mit Bechthold verbanden, ging auf die lange Zusammenarbeit ein und versicherte, dass er diesen nicht als Problemsucher, sondern als Problemlöser mit einem sozialdemokratischen Kompass erlebt habe.

Rosenke nannte als Ziel seiner Amtszeit ausgeglichene Haushalte zu schaffen, wie auch das Gemeinwesen. »Weitblick zählt und das wird unsere Zukunft sichern.

Stefan Bechthold sprach von einem eigenartigen Gefühl, nach zwölf erfolgreichen Jahren für Fernwald nun Abschied zu nehmen. »Es geht ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende. Seit dem 1. Januar bin ich nicht mehr Bürgermeister. Ich nehme nicht leichten Herzens Abschied. Sicherlich hätte ich gerne in anderer Form Abschied genommen, doch da machte auch mir Corona einen Strich durch die Rechnung, deshalb bin ich froh, dass wir heute hier so zusammenkommen können.«

Seinem Nachfolger wünschte er eine glückliche Hand und viel Kraft und Durchhaltevermögen. »Ich bin mir sicher, Du wirst ein guter Bürgermeister für Fernwald sein.« Zu seiner Person verriet der Pensionär, dass er sich auch weiter engagieren werde. »Sicher wird man mich nie in der Gemeindevertretung Fernwald wiederfinden«. Sein besonderer Dank galt den Mitarbeitern der Gemeinde »für gute und loyale Mit- und Zusammenarbeit. Ihr seid ein tolles Team«, rief er diesen zu und dankte ganz besonders seiner Vorzimmerdame Ellen Starke, die alles bestens organisiert habe in all den Jahren. Mit einem Blick auf 50 Jahre Fernwald aus einer etwas erheiternden Perspektive beschloss Horn den Festakt. Besonders stolz darauf sei er, dass die Gemeinde mit ihren 21,57 Quadratkilometern größer als der Frankfurter Flughafen sei, denn dieser erstrecke sich nur über 20 Quadratkilometer. Die Entstehung 1972 sei ein herausragendes Ereignis gewesen in einem Jahr da Brandt Kanzler, Heinemann Bundespräsident, Deutschland Fußball-Europameister und damals wie heute der FC Bayern Deutscher Meister ist. »Aufmüpfig war das Wort des Jahres und der Benzinpreis lag bei 57 Pfennig, das waren 28,5 Cent.« Geschmunzelt wurde als Horn die drei meistgesehenen Kinofilme aufzählte mit »Vier Fäuste für ein Halleluja«, »Der Pate« und auf Platz 3 der »Schulmädchenreport«. In den letzten 50 Jahren sei eine liebens- und lebenswerte Gemeinde entstanden. »In der Verantwortung stehen Menschen aus Annerod, Albach und Steinbach. Entschlossenheit und Weitsicht können wir heute erkennen. Das Zusammenwachsen der drei Ortsteile und Zusammengehörigkeitsgefühl seit Entstehung hat spürbar zugenommen«, war sich Horn mit dem Hinweis auf ortsteilübergreifende Eheschließungen sicher. »Es ist ein Ort zum Leben, was wir auch an den Grundstückspreisen ablesen können. Die Bürger haben alles zu einer starken und engagierten Gemeinschaft mit einem starken Vereinsleben gemacht.«

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Die TSG Big Band unter der Leitung von Oliver Völzel sorgte für den richtigen Swing. © Wißner
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Tanja Wehrum © Wißner

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