1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Fernwald

»Gefahr im Verzug« in Annerod

Erstellt:

Von: Sonja Schwaeppe

Gemeinde Fernwald plant Bürgerversammlung zum Thema »Silbersee«.

Fernwald (son). Löste das Thema Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Albach bei der Bürgerversammlung im Bürgerhaus nur wenig Diskussionsbedarf aus, erhitzte ein anderer Sachverhalt des Abends umso mehr die Gemüter. Es ging dabei um den Silbersee in Annerod. Der Weiher, der in den 1970er Jahren durch einen künstlichen Rückstau im Krebsbach für die Naherholung und die Fischerei angelegt wurde, soll im Zeitraum zwischen November und März um 50 Prozent abgelassen werden. Grund, so Bürgermeister Manuel Rosenke, sei die mangelhafte Standsicherheit des Dammes. Die zuständige Untere Wasserbehörde sehe sogar »Gefahr im Verzug«.

Der Silbersee, der in Behördensprache als »technisches Bauwerk« behandelt wird, befindet sich aufgrund der Damm- und Seegröße unter der Aufsicht der Unteren Wasserbehörde, die beim Landkreis Gießen angesiedelt ist. Diese habe eine geotechnische Untersuchung veranlasst, die zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen sei. »Wir haben hier auch aus haftungstechnischen Gründen dringenden Handlungsbedarf«, sagte Rosenke. Das Vorgehen sei zudem mit weiteren Behörden wie der Oberen Wasserbehörde sowie der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) abgestimmt. Ein gefordertes artenschutzrechtliches Kurzgutachten durch die UNB liege bereits vor. Der Silbersee, der recht nahe der Neubaugebiete «Auf der Jägersplatt« liegt, darf zudem nicht mehr als Regenrückhaltebecken genutzt werden. Für die Bauleitplanung »Auf der Jägersplatt Abschnitt III« aus dem Jahre 2016, waren der Krebsbach und der Silbersee noch als Aufnahmeort für die anfallenden Niederschlagsmengen der versiegelten Siedlungsflächen genannt worden. Dort lag, laut Bauleitplanung, auch ein Erlaubnisbescheid des Regierungspräsidiums vor. Dies ist wohl nun obsolet. »Die Gemeinde wird durch Auflage des RP verpflichtet, für die Neubaugebiete Jägersplatt III und IV ein neues Regenrückhaltebecken zu bauen«, sagte Rosenke.

Einige Anneröder zeigten sich enttäuscht darüber, hier nicht früher informiert worden zu sein. »Der Silbersee wird hier behandelt wie eine ›Verwaltungssache‹, dabei ist es für uns ein wichtiges Naherholungsgebiet und Lebensraum vieler Tiere«, sagte ein Anneröder. Der ehemalige Pächter des Gewässers, der ebenfalls im Plenum saß, zeigte sich irritiert darüber, dass »auf einmal« Gefahr im Verzug sei. »Das war doch abzusehen.« Seit 2015 mache die Gemeinde nichts mehr an dem Damm, keine Gehölze würden zurückgeschnitten, obwohl das notwendig sei, um dessen Standsicherheit zu gewährleisten. Schon von Rosenkes Vorgänger habe er dazu keine befriedigende Antwort erhalten, obwohl er mehrmals den Zustand des Damms angesprochen habe. »Der Ablass des Wassers zeigt schon jetzt negative Auswirkungen auf die Fische, ich beobachte Stress-Springen bei einigen Arten, weil sich die Hechte, die auf viele kleinere Fischarten Jagd machten, nicht mehr verstecken könnten.« Auch andere Versammlungsteilnehmer fragten offen, warum man den Damm nicht instand setzen könne. »Ich habe mir die Auflagen nicht ausgedacht, aber ich muss sie umsetzen«, sagte Rosenke. Die Gemeinde habe durchaus die Ertüchtigung des Damms im Blick gehabt. »Aber dies ist auch eine Kostenfrage und die zuständigen Naturschutzbehörden von Kreis und Regierungspräsidium vertreten da auch eine andere Meinung.« Er versprach den Annerödern aber eine eigene Bürgerversammlung zum Thema, bei der man sich anhand von Kartenmaterial und Informationen noch einmal ausführlich über den Silbersee austauschen könne.

Ein Termin soll noch bekannt gegeben werden.

Auch interessant