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Liquidator am ersten Arbeitstag

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Seit 200 Tagen ist Manuel Rosenke Bürgermeister in Fernwald. An Themen und Aufgaben mangelt es ihm nicht. Foto: Wißner © Wißner

Fernwalds Bürgermeister Manuel Rosenke ist seit 200 Tagen im Amt. Im Sommergespräch blickt er auf Erreichtes zurück und stellt Pläne für die Zukunft vor.

Fernwald. (twi). Der Anfang war einfacher und dennoch fordernd. Einfacher, da Manuel Rosenke nur von einem Büro im Fernwalder Rathaus in ein anderes - allerdings größeres - umziehen musste. Der 39-Jährige hat in der Gemeindeverwaltung seine Ausbildung absolviert, war zuletzt Leiter der Finanzabteilung und ist seit 1. Januar Bürgermeister. Fordernd war das neue Amt von Beginn an, denn die Aufgaben stellten sich mit der Corona-Pandemie, den Folgen des Ukraine-Kriegs und diversen lokalen Themen und Problemen schnell. Der Anzeiger traf sich mit dem Rathauschef zum Sommergespräch. Heute ist er exakt 200 Tage im Amt.

Die Pandemie war auch der Grund, dass die Amtsübergabe von Stefan Bechthold (SPD) an den parteilosen Rosenke erst Ende März stattfinden konnte, dann allerdings in Kombination mit dem Festakt »50 Jahre Fernwald«. Die Jubiläumsfeierlichkeiten waren Anfang des Monats mit einem Vereins- und Familientag fortgesetzt worden.

»Bekanntes Terrain«

»Nach 200 Tagen kann man schon eher was sagen, was so passiert ist und entwickelt werden soll«, meint er zum Ansinnen des Sommergesprächs. Grundsätzlich habe er »ein bestelltes Feld« vorgefunden. »Ein großer Vorteil für mich war, dass ich nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Abläufe im Rathaus kannte und so mit dem Umzug ins Bürgermeisterzimmer bekanntes Terrain betreten habe.«

Befragt nach Veränderungen, berichtet der 39-Jährige, dass bei der Kommunikation mit den Mandatsträgern ein neuer Weg eingeschlagen worden sei. Erstmals gab es eine zweitägige Klausurtagung des Gemeindevorstands, um sich intensiv mit dem Jahresplan zu befassen. Künftig sollen die Abteilungsleiter an einem Tag dazu kommen, um noch effektiver planen zu können.

Außerdem wurde eine Teambildungsmaßnahme ins Leben gerufen, die durch die Technische Hochschule Mittelhessen begleitet wird. »Lernen zu führen« soll das Qualitätsmanagement in der Verwaltung verbessern. Zweieinhalb Jahre sind veranschlagt worden. In Schulungen soll erarbeitet werden, wie ein gemeinsames Führen ermöglicht werden kann.

Wieder aktiviert wurde der achtköpfige Energiebeirat, der sich bereits tatkräftig an die Arbeit gemacht hat. Dabei hat dessen Neuaktivierung nichts mit der aktuellen Lage zu tun, sondern war sowieso vorgesehen. Zur intensiveren Beteiligung von Jugendlichen an politischen Entscheidungen hat der Gemeindevorstand beschlossen, dass Fernwald der Initiative »Jugendpolitik für die guten Orte von morgen: Jugendgerechte Städte und Gemeinden - jugendgerechter Landkreis Gießen« beitreten soll. Außerdem ist es gelungen, den neunköpfigen Seniorenbeirat zu erhalten.

Gefasst wurde ein Grundsatzbeschluss zu einem möglichen interkommunalen Windpark zusammen mit Gießen und Buseck auf einer Fläche bei Oppenrod. Fest steht auch, dass das Bau- und Gewerbegebiet Jägersplatt IV erschlossen werden soll. Die Thematik »Entwässerung« beim Gewerbegebiet Annerod sei geklärt und bald könnten die Erschließungsarbeiten beginnen, um den Gewerbetreibenden vor Ort Möglichkeiten zur Erweiterung zu geben, berichtet Rosenke.

Eine der nächsten Baustellen sind die Feuerwehrhäuser in Steinbach und Annerod sowie der Bauhof. Eine Untersuchung hat dringenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Auch die Umgestaltung von Rathaus und Fernwaldhalle sei erforderlich. »Die Gemeindeverwaltung muss barrierefrei und bürgernäher werden«, meint der Albacher, der ein Bürgerbüro als zentrale Anlaufstelle plant. Zudem muss das Gebäude energetisch saniert werden.

Noch nicht entschieden ist über die Zukunft der Straßenbeiträge. Aktuell werde für die Straßen eine Prioritätenliste erarbeitet. Mit den Mitgliedern der drei Ortsbeiräte seien Verkehrs- und Parkkonzepte diskutiert worden, spricht der Bürgermeister ein weiteres Problem an.

Golf als Hobby

Dass er gleich an seinem ersten Arbeitstag zum Liquidator bestellt wurde, ist für einen neuen Bürgermeister ungewöhnlich. Es geht darum, die Erschließungs- und Betreibergesellschaft Fernwald mbH (EBF) abzuwickeln, deren Auflösung das Parlament beschlossen hatte. Konkret soll das Heizkraftwerk verkauft und die technische Betriebsführung an die Stadtwerke Gießen übergeben werden - und dies alles rückwirkend zum 31. Dezember 2021.

Er sei voller Tatendrang, betont Rosenke und hofft darauf, dass er dennoch genügend Freiraum findet, um den Golfschläger in die Hand zu nehmen. Auf dieses Hobby weist das große Bild hinter seinem Schreibtisch hin. Es war ein Abschieds- oder Umzugsgeschenk seiner Arbeitskollegen. Seit zehn Jahren spielt Rosenke in Lich Golf. Und wenn es seine Zeit zulässt, ist er dort sonntags unterwegs - »als Ausgleich und um den Kopf freizubekommen«, wie er verrät.

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