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Silbersee prägt die Debatte in Fernwald

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Die Diskussion um das Baugebiet Jägersplatt IV wird von der Situation des Silbersees dominiert. Foto: Schwaeppe © Schwaeppe

Auch wenn es »nur« um die höheren Baulandpreise im Gebiet »Jägersplatt IV« in Annerod ging, prägte die Situation am Silbersee die Diskussion in der Gemeindevertretung.

Fernwald. Mit der knappen Mehrheit von 13 Ja-Stimmen bei zehn Nein-Stimmen und einer Enthaltung hat die Fernwälder Gemeindevertretung die Änderung des städtebaulichen Vertrags zum Baugebiet »Jägersplatt IV« in Annerod beschlossen. Wesentlicher Punkt ist, dass der Quadratmeterpreis von 289 auf 319 Euro angehoben wird. Dies hängt mit der Wärmeversorgung der Häuser mittels Erdwärmekörben zusammen.

Doch die künftige Entwicklung des Gebiets durch einen möglichen Bauabschnitt 4 b und damit zusammenhängend die Renaturierung des Silbersees bestimmen seit Wochen die öffentliche Diskussion. Diese Themen müssen in einer weiteren Änderung des städtebaulichen Vertrags von Gemeindevorstand und Gemeindevertretung beschlossen werden.

Ausbauhäuser vorgesehen

Wenn es dazu kommen sollte, verpflichtet sich Projektentwickler Imaxx, 50 Prozent der geplanten Reihenhäuser als Ausbauhäuser anzubieten. Dabei kann der Häuslebauer verschiedene handwerkliche Gewerke selber ausführen, ausgenommen baustatisch und brandschutzrechtlich relevante Punkte. Dieser Passus wurde auf Antrag der Freien Wähler in den Vertrag aufgenommen.

Keine Mehrheit erhielten hingegen die Grünen für ihre Forderung, das Thema »Silbersee« nicht mit einem möglichen Abschnitt 4 b zu verquicken und alle entsprechenden Bezüge aus dem Vertrag zu streichen. Dies wurde bei vier Ja-, 19 Nein-Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt.

Bürgermeister Manuel Rosenke (parteilos) machte klar, dass mit dem Streichen der Bezüge zu einem Abschnitt 4 b auch die Renaturierung des Silbersees rausgestrichen würde, da dies zusammenhänge. Das dürfte nicht passieren, antwortete der Grünen-Fraktionsvorsitzende Rainer Müller. Matthias Klose (CDU) wies darauf hin, dass die Betriebserlaubnis für den See als Staubauwerk schon vor zehn Jahren abgelaufen war. »Seitdem ist nix passiert«,klagte er. Der Bürgermeister betonte, dass 50 Prozent des Wassers abgelassen wurden, weil der Damm nicht mehr standsicher sei. Um diesen zu sanieren, müsse der See ohnehin komplett abgelassen werden. »Wir sind aktuell tätig. Es gibt eine klare Vorgabe des Regierungspräsidiums Gießen, dass für die Baugebiete Jägersplatt III und IV ein Regenrückhaltebecken gebaut werden muss.«

Zum Grünen-Antrag erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Espanion, dass heute nicht über einen möglichen Abschnitt 4 b oder den Silbersee abgestimmt werden solle, sondern über die Veränderungen, die den Abschnitt 4 a betreffen. »Die Zinsen steigen ständig. Wer da bauen will, muss jetzt anfangen können«, betonte er.

»Das ist Käufern nicht zuzumuten«

»In Annerod ist es jetzt mal gut«, meinte CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Sascha Höres. Bauland sei nicht beliebig vermehrbar und es dürfe nicht alles sofort zugebaut werden. Auch beim Gewerbegebiet »Haaracker/Im Himberg« seien CDU und FDP nur für einen ersten Bauabschnitt. Zum Quadratmeterpreis erinnerte Höres daran, dass die Gemeindevertretung schon mehrere Erhöhungen mitgetragen habe. »Aber das hier ist den Käufern nicht zuzumuten.«

FW-Fraktionsvorsitzender Stefan Becker verwies darauf, dass es »weiterhin eine sehr starke Nachfrage von Fernwäldern« nach Bauland gebe. »Wir sehen Bedarf in allen Ortsteilen. Ein Abschnitt 4 b hat für uns nicht die höchste Priorität, aber wenn es die einzige Möglichkeit ist, dann werden wir zustimmen.« Über den Quadratmeterpreis seien auch die Freien Wähler »nicht begeistert«.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Heike Habermann wies darauf hin, dass die Fläche 4 b laut derzeitigem Regionalplan Grünzug sei. Behzad Borhani (Grüne) erinnerte daran, dass laut Vertrag die Renaturierung des Silbersees vom Projektierer Imaxx erledigt werde, wenn dieser den Zuschlag für 4 b erhält.

Mit der Abstimmung war das Thema »Silbersee« an dem Abend nicht beendet. Zum Schluss der Sitzung forderte Manfred Riedl (SPD), dass das Regierungspräsidium für Aufklärung sorgen müsse, warum das Gewässer verändert werden müsse. Durch das Ablassen des Wassers seien im See befindliche Muscheln abgestorben. »Wer trägt dafür die Verantwortung?«

Der Bürgermeister zeigte sich verärgert über die Pressemitteilung der SPD, die nicht erwähnt habe, dass der Damm nicht mehr standsicher sei. Mit einem Biologen sei für diese Woche ein Termin vorgesehen und alles weitere solle bei der geplanten Informationsveranstaltung besprochen werden.

Unabhängig von diesen Fragen steht schon mal fest, dass die Straße im Bauabschnitt 4 a »Anne-Frank-Ring« heißen soll. So hat es der Gemeindevorstand laut Mitteilung des Bürgermeisters beschlossen.

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