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Temperatur runter, Lampen aus

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Von: Rose-Rita Schäfer

Fernwald (rrs). Auch Fernwald muss sich in diesem Winter der Energiekrise stellen. In der Bürgermeisterversammlung Mitte Oktober waren detaillierte Empfehlungen zum Energiesparen erarbeitet worden, die nun von den Kommunalpolitikern diskutiert, eventuell angepasst und dann verabschiedet werden müssen. Bürgermeister Manuel Rosenke (parteilos) stellte die vorgeschlagenen Maßnahmen im Haupt- und Finanzausschuss vor.

Zwischen den Jahren sollen die Verwaltungsgebäude geschlossen bleiben. Die Heizperiode in der Verwaltung soll schon am 15. März enden. Zwischen 0 und 6 Uhr wird die Straßenbeleuchtung mit Ausnahme von kritischen Punkten abgeschaltet. Es soll keine Weihnachtsbeleuchtung geben mit Ausnahme der von Kommune oder Vereinen aufgestellten Weihnachtsbäume. In Turn- und Sporthallen wird die Temperatur um zwei Grad auf 15 Grad gesenkt, in Hallenbädern wird die Wassertemperatur auf 26 Grad reduziert und die Außenbeleuchtung an Gebäuden soll zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet werden. Wenn Vereine alte Kühlschränke gegen neue, sparsamere Modelle austauschen, gibt es einen Bonus von 50 bis 100 Euro. Smarte Thermostate an Heizungen werden ebenso empfohlen wie vermehrtes Homeoffice.

»Keine Frage des Wollens«

Nach einigen verworfenen Änderungsvorschlägen wurden die Empfehlungen aus der Bürgermeisterversammlung einstimmig angenommen und Heike Habermann (Grüne) brachte es auf den Punkt: »Das ist keine Frage des Wollens. Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird.«

Sollte die Energieversorgung zusammenbrechen, ist die Gemeinde Fernwald mit Notstromaggregaten für die Wasserversorgung, Kläranlage, Heizwerk, Fernwaldhalle und Rathaus gut gerüstet. Angesichts eines leer gefegten Marktes lobte Stefan Becker (Freie Wähler) die Gemeinde, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht und frühzeitig vorgesorgte habe. Mit Kosten von 238 735,45 Euro war der Kauf der Notstromaggregate zwar kein Schnäppchen, konnte aber mit nicht verwendeten, freien Haushaltmitteln unkompliziert finanziert werden. Der Punkt wurde einstimmig befürwortet.

Mehrheitlich wurde der Bebauungsplan für den dritten Abschnitt »Sondergebiet am Busecker Weg« in Annerod gebilligt. Sascha Höres (CDU) sprach von einem »Fehler« und fand den Plan »grausam«. »Das ist einfach der falsche Platz. Die Werte des Schallgutachtens sind nur ganz knapp unterschritten.«

Vollkommen anders sah es Stefan Becker (Freie Wähler). »Wir brauchen Bauplätze und da bieten sich freie Flächen in einem schon erschlossenen Bereich an. Das nennt man Nachverdichtung und das ist eine gute Sache.« Auch Gerd Espanion (SPD) zeigte sich nicht abgeneigt: »Die Verkehrsfläche ist eingebunden, Zuwege zur Kita oder Norma sind gegeben.«

Für heftige Diskussionen sorgte der Antrag der Grünen, die Hauptstraße in Steinbach ab dem Abzweig »An der Kirche« bis zum Ende an der Licher Straße als Fahrradstraße auszuweisen. Zwar sei die Straße derzeit offiziell mit einem Tempolimit 30 als Radweg ausgewiesen und diene als Lückenschluss auf der Radverbindung Gießen-Lich, aber von Verkehrssicherheit für Radler, Fußgänger, Jogger oder auch Spaziergänger, Wanderer und »Gassiführer« könne hier nicht die Rede sein, begründete Heike Habermann (Grüne) und schob nach, dass nicht wenige der etwa 50 Kinder, die Licher Schulen besuchen, die Strecke per Rad befahren würden.

Die Straße sei zudem durch Wurzeln beschädigt und holprig, an anderer Stelle vielfach aufgewölbt. Wegen parkender Autos müsse man Schlangenlinien fahren oder sich seinen Weg durch einen schmalen Tunnel zwischen den Autos bahnen. Sicherheit sähe anders aus, meinte Habermann.

Gerd Espanion (SPD), ein begeisterter Radfahrer, konnte das nicht nachvollziehen. »Ich freue mich zwar über jeden zusätzlichen Fahrradweg, aber ich habe auf der genannten Strecke noch nie Probleme oder Unfälle gesehen, obwohl ich mehrmals die Woche dort entlangfahre. Die Breite ist vollkommen ausreichend.« Ein Ausweichen auf die Hauptstraße aber sei problematisch, da die lange Kurve im unteren Bereich schlecht einsehbar sei. Wenn da zwei Radfahrer nebeneinander aus Richtung Steinbach kämen, würde es »knallen«. Ungeachtet dessen, ziehe das Schülerargument nicht, da laut Auskunft der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich höchstens zwei bis acht Schüler mit dem Rad kommen.

Manfred Riedl (SPD) warf in die Waagschale, dass der an der Straße beheimatete landwirtschaftliche Betrieb vielfach mit großen Maschinen unterwegs sei, was weiteres Gefahrenpotenzial berge. Bei der Abstimmung fiel der Antrag der Grünen klar durch.

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