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Unabhängig von Gas, Öl oder Strom

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Bürgermeister Manuel Rosenke informiert zusammen mit Vertretern von Imaxx und der Baufirma über die Erdwärmekörbe, mit denen die künftigen Häuser im nächsten Abschnitt des Anneröder Baugebiets »Jägersplatt« beheizt werden sollen. Foto: Schäfer © Schäfer

In Annerod gehen die im August angelaufenen Erschließungsarbeiten für den rund vier Hektar großen vierten Abschnitt des Baugebietes Jägersplatt zügig voran.

Fernwald (rrs). Gleich ortsauswärts linker Hand hinter dem Kreisverkehr im Neubaugebiet »Auf der Jägersplatt« in Annerod gehen die im August angelaufenen Erschließungsarbeiten für den rund vier Hektar großen vierten Abschnitt des Baugebietes Jägersplatt zügig voran.

Ein planierter Erdweg führt zwischen hohen aufgeschütteten Erdbergen quer durchs Gebiet, wo einige Bagger gerade vier bis fünf Meter tiefe Löcher für die jetzt noch in Reih und Glied am Rande liegenden riesigen Erdwärmekörbe ausheben. 130 Erdwärmekörbe mit einer gesamten Leitungslänge von 130 000 Metern werden hier in nächster Zeit verlegt, um ein nachhaltiges, fast kostenfreies Heizen oder Kühlen zu ermöglichen.

60 Bewerber für 18 Plätze

»Bis im Frühsommer 2023 sollen die Erschließungsarbeiten beendet sein. Dann werden 30 Bauplätze mit 500 bis 650 Quadratmeter und eine große Fläche für sieben Mehrfamilienhäuser zur Verfügung stehen. Der Quadratmeterpreis liegt aktuell bei 289 Euro, wird sich aber aufgrund der Inflation und gestiegener Baukosten erhöhen. Die Verhandlungen mit der IMAXX stehen noch an«, erklärte Bürgermeister Manuel Rosenke und schob nach: »Das Interesse an dem Bauland ist mit 600 Anfragen immens. Da wir aber nur Bürger oder ehemalige Bürger von Fernwald bei der Vergabe mit einbeziehen, blieben nur 60 Bewerber für die derzeit zu vergebenden 18 Plätze im Rennen.«

IMAXX-Geschäftsführer Jochen Ahl berichtete stolz, dass mit den geplanten Eigentumswohnungen in den Mehrfamilienhäusern ein hoher Verdichtungsgrad erreicht werde, umgerechnet kämen äußerst flächenschonend drei Wohnungen auf einen Bauplatz. Das ganze Gebiet werde absolut CO2-neutral sein, denn geheizt werde nachhaltig, vollkommen unabhängig von Gas, Öl oder Strom.

»Die Bauherren erhalten mit den Erdwärmekörben eine fertige Geothermie-Anlage fürs Heizen und Kühlen, müssen dann nur noch eine Wärmepumpe kaufen, um eine fertige Lösung für ihr Grundstück zu erhalten. Die vorgeschriebenen Solaranlagen auf den Dächern reichen aus, um den Strombedarf der Pumpen zu decken. Damit ist das Heizen und Kühlen nahezu kostenlos«, freute sich Bauleiter Bernd Becker und bekräftigte: »Geothermie ist die Zukunft für nachhaltiges Wohnen. Schon seit Jahren sind Wärmepumpen die meistgenutzte Lösung in der Haustechnik und Erdwärmekörbe sind die ideale Energiequelle dafür. Das Gute, Geothermie funktioniert immer, egal ob Sommer oder Winter.«

Die Erdwärmekörbe bestehen aus einer zylindrisch aufgewickelten Rohrschlange, ähneln einer kegelförmigen Feder und sind um die 2,50 Meter hoch. Sie werden in einer Tiefe von bis zu fünf Metern unter der Erdoberfläche installiert und haben die Aufgabe, dem Boden Wärme zu entziehen, die dann durch lange wassergefüllte Leitungen als thermische Energie zur Wärmepumpe fließt.

Da die Temperatur im tiefen Boden das ganze Jahr über nahezu konstant ist, selbst im kalten Februar herrschen in zwei bis sechs Metern Tiefe circa fünf Grad, ist eine hohe Effizienz garantiert.

Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel

Das Loch für die Körbe wird wieder mit dem Aushub aufgefüllt und kann zwar bepflanzt oder mit wasserdurchlässigen Steinen gepflastert, aber nicht versiegelt werden. Im Betrieb werden die Kollektoren mit einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel durchströmt. Abhängig von Bodenqualität und Korbgröße benötigt man für 200 Quadratmeter Wohnfläche vier Erdwärmekörbe sowie etwa 800 Meter Soleleitungen auf dem Grundstück.

Der Häuslebauer muss dann nur noch für eine Zuleitung zum Strom-Verteilerkasten sorgen. Übrigens nimmt mit der Bodenfeuchte die Ausbeute zu, da Wasser ein guter Wärmespeicher ist, auch die Sonneneinstrahlung spielt eine Rolle, weshalb der Bereich nicht beschattet sein sollte. Noch anzumerken ist, dass das Material der Erdwärmekörbe ressourcenschonend ist, während die Wiederverwendung des Aushubs die Deponien entlastet.

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