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Wärme aus der Erde

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Beispiel: Für ein Einfamilienhaus mit rund 160 Quadratmetern Wohnfläche sollen drei Körbe für ein angenehmes Raumklima sorgen. Repro: Graf © Karl-Josef Graf

Ein nachhaltiges, geothermisches System, soll effizientes Heizen und Kühlen in den Wohnungen des Baugebiets »Jägersplatt IV« in Annerod ermöglichen.

Fernwald (kag). Die Nachfrage sei super, super hoch, sagte Jochen Ahl und schob nach, »es gibt bereits 650 Nachfragen«. Die Rede ist von Geothermie. In der Sitzung des Bauausschusses und des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) präsentierte der Investor und Geschäftsführer der IMAXX AG das nachhaltige, geothermische System, das effizientes Heizen und Kühlen in den Wohnungen des Baugebiets »Jägersplatt IV« in Annerod ermöglichen soll. Es sei das Ziel hier ein CO2-neutrales Quartier zu schaffen, so Ahl.

Das war auch der Plan gegen Ende vergangenen Jahres. Doch schon damals zeichnete sich ab, dass das vom damaligen Bürgermeister Stefan Bechthold präferierte »Kalte-Nahwärme-Netz«, das ebenfalls CO2-neutrale Wärme liefert, aus zeit- und rechtlichen Gründen möglicherweise nicht würde realisiert werden können. So war es dann auch.

Ahl erklärte nun, die Förderung der Geothermie sei eine Kann- und keinesfalls eine Muss-Leistung, so dass es passieren könne, dass man nach eineinhalb Jahren die Förderung nicht bekomme. Auch sei das Genehmigungsverfahren nach Bergrecht für das »Kalte-Nahwärme-Netz« sehr aufwendig und brauche seine Zeit. Die Alternative sei Geothermie mit Erdwärmekörben als dezentrale Wärme- und Klimaanlage.

Energiegewinnung

Bei der Geothermie mit Erdwärmekörben wird die Wärme aus der Erde geholt und effektiv zur Energiegewinnung genutzt. Für ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern braucht man drei Maxi-Erdwärmekörbe, die etwa vier Meter tief in die Erde eingebaut und über PE-Leitungen mit der Wärmepumpe im Haus verbunden werden. Von dort geht die Energie in das Heiz- und Warmwassersystem. Die Erdwärmekörbe werden mit etwa 1,20 Meter Erde abgedeckt. Darüber können Rasen, Blumen oder Gemüse wachsen. Entscheidend sei: »Der Hausherr braucht sich nie wieder Gedanken über Gas-, Öl- oder Pelletbestellungen zu machen, weil die Erde die Energie kostenlos liefert«, erklärte Ahl.

Die Erdwärmekörbe mit dem entsprechenden Zubehör liefere das Unternehmen BetaTherm Erdwärmesysteme aus Wangen im Allgäu. Die Bodenverhältnisse im Gebiet »Jägersplatt IV« seien bereits untersucht und geeignet, erläuterte Ahl. Je Grundstück werde die entsprechende Anzahl der Erdwärmekörbe eingebaut und mit einer Übergabestation versehen, so dass der Hauseigentümer über seine nachgeordnete Technik, die jedes heimische Unternehmen einbauen könne, selbst entscheide. Inzwischen gebe es über 20 000 BetaTherm-Anlagen in Betrieb und dies seit 2008 ohne Reklamationen, so Ahl. Nachteil des Systems sei, dass über den Erd-wärmekörben keine tief wurzelnden Bäume angepflanzt sowie kein Swimmingpool und keine Bodenplatte für ein Gartenhäuschen errichtet werden können.

Nachfrage

Auf Nachfrage von Peter Steil (FDP) erklärte Ahl, dass die Erdwärmekörbe nur für die Einfamilienhäuser vorgesehen seien. Das funktioniere aber auch bei den Reihenhäusern. Die Mehrfamilienhäuser werden an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Gießen angeschlossen. Die Erdwärmekörbe seien nachrüstbar, falls man das Haus erweitern wolle und eine stärkere Heizung benötige. Er gehe von 100 Jahren Haltbarkeit und Nutzung der Körbe aus, machte Ahl mit Bezug auf die Qualität der Einrichtung deutlich. Die Vergabe könne im März/April, die Erschließung im Mai/Juni erfolgen und die Bauanträge ab Mai gestellt werden, so dass der Baubeginn im Frühjahr 2023 realistisch sei, erläuterte Ahl auf Nachfrage von Stefan Becker (FW), der sich vom Konzept überzeugt sah. Das sei ein konkreter Schritt zur Klimaneutralität, innovativ und zukunftssicher, so Becker. Fernwald könne vielleicht Vorreiter in Hessen werden. Jörg Haas (SPD) hob hervor, dass ein Bauherr mit der Photovoltaik auf dem Dach autark sei und seine eigene Klimatisierung (Kühlung, Heizung) sowie seinen eigenen Strom erzeuge. Ahl betonte, er hoffe auf eine Förderung nach dem KW 40 - Standard, was jedoch derzeit wegen der starken Nachfrage problematisch sei. Das Regenrückhaltebecken in der Nähe des Silbersees werde zu einer Begegnungsfläche mit Seniorenplatz ausgebaut und komplett bepflanzt. Durch die Bepflanzung sei das Becken, das nur bei starkem Regen gefüllt sei, kaum sichtbar, erläuterte der Investor dieses Detail.

Zustimmung

Entsprechend dem Beschlussvorschlag stimmten die Mitglieder von Bauausschuss sowie HFA dem Entwurf des Städtebaulichen Vertrages mit den Änderungen, dass die Mehrfamilienhäuser an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Gießen angeschlossen werden und die Kriterien für die Vergabe der Bauplätze durch die Gemeinde Fernwald vorgegeben werden, zu.

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