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Abschied nach 40 Jahren

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Stadtrat Tobias Lux (Mitte) gratulierte Anja Münscher zur Übernahme der Grünberger Bücherstube, links Friedrich-Wilhelm Reinhard. Foto: Schütte © Schütte

Friedrich-Wilhelm Reinhard übergibt »seine« Buchhandlung in der Grünberger Altstadt an Anja Münscher.

Grünberg (hgt). Zwischen »Lutherhaus« und dem Antoniterkloster, mitten in der schönen Grünberger Altstadt liegt die Buchhandlung Reinhard. Die »Grünberger« ist inzwischen zu einer echten Institution in der Gallusstadt geworden. Jetzt hat Buchhändler Reinhard sich dazu entschlossen, die Buchhandlung nach fast 40 Jahren an Anja Münscher zu übergeben, die schon seit 22 Jahren zu seinem Team gehört und mit dem Metier bestens vertraut ist.

Im Jahr 1974 als Filiale der Ferber’schen Universitätsbuchhandlung gegründet, ging sie schon 1977 in den Besitz der Familie über. Friedrich-Wilhelm Reinhard, der Onkel des mit dem selben Namen ausgestatteten bisherigen Inhabers, der die Buchhandlung bereits als Filialleiter führte, kaufte die Buchhandlung und betrieb sie bis zu seinem Tod im Jahr 1987. Reinhard, der nunmehr scheidende Inhaber, hatte bereits 1985 mit der Ausbildung zum Sortimentsbuchhändler in Braunschweig begonnen. Er schloss diese im Sommer 1988 ab, pendelte an seinen freien Wochenenden nach Grünberg, um zusammen mit den Mitarbeitern die Buchhandlung für Grünberg zu erhalten. Nach bestandener Prüfung kündigte Reinhard seine Arbeitsstelle in Braunschweig und zog ganz nach Grünberg. Das Sortiment wurde in den folgenden Jahren von ihm stetig erweitert und ausgebaut, so dass es nur folgerichtig war, den zu kleinen Raum in der Marktgasse 12 zu verlassen und in das benachbarte Gebäude der ehemaligen Druckerei der »Heimat-Zeitung« in die Marktgasse 10 zu ziehen. Zusammen mit dem Barfüßer-Förderkreis Kultur e. V., dessen Mitbegründer Onkel Reinhard war, wurde der Grünberger Bücherfrühling ins Leben gerufen. Daneben ist auch das Grünberger Krimifestival aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken.

Eines ist über die ganzen Jahre gleich geblieben: Die Liebe zu den Büchern und der Literatur, die mit den Kunden geteilt wird. Darüber hinaus ist der Buchhandlung die Leseförderung im ländlichen Gebiet ein großes Anliegen, dafür wurde man vom Hessischen Kultusministerium bereits fünfmal ausgezeichnet. So kommen jährlich fünf- bis sechshundert Kinder im Rahmen des »Welttages des Buches« in die Buchhandlung. Neben den individuellen Empfehlungslisten für die zum Kundenkreis gehörenden rund 40 Schulen und 30 Kindergärten zu Themenschwerpunkten und Projektwochen, werden kurze schriftliche Kritiken von den jugendlichen »Testlesern« zu einzelnen Büchern abseits der Bestsellerlisten genutzt, was gesondert dekoriert wird.

Der Rückzug aus dem Geschäft ist Friedrich-Wilhelm Reinhard nicht leicht gefallen, doch mit Münscher weiß er, dass die Buchhandlung und die Kunden mit zwei weiteren Angestellten bei ihr gut aufgehoben sind. Stolz ist er darauf, ein gut aufgestelltes Geschäft in geordneten Verhältnissen weitergeben zu können. Wie Reinhard betont, werde er die Kunden vermissen. Doch bleibe seine Leidenschaft für Bücher, deshalb werde man ihn noch ab und zu in der Buchhandlung sehen, allerdings als Kunde. Jetzt bleibe mehr Zeit für Hobby und Familie, der er die Zeit der Unterstützung zurückgeben möchte. Münscher ist bestrebt, mit Zuversicht und Tatendrang an ihre neue Aufgabe heranzugehen, bei der ihr zwei Angestellte zur Seite stehen. Die Buchhandlung soll weiterhin ein Ort der Begegnung sowie sozialer und kultureller Treffpunkt zum Austausch mit Gleichgesinnten in Grünberg bleiben. Grünbergs Erster Stadtrat, Tobias Lux, überreichte Münscher eine Uhr als Geschenk zur Betriebsübernahme. Die Buchhandlung ist neu als Station zum Lutherweg hinzugekommen, bei der die Pilger ihren Stempel für den Eintrag ins Wanderbuch erhalten können. Eingeladen waren alle Freunde und Kunden der Buchhandlung am vergangenen Samstag, um auf Abschied und Neubeginn anzustoßen. Auch für den kleinen Hunger war mit Snacks sowie Kaffee und Kuchen gesorgt worden.

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