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»Die Götter verlassen den Olymp«

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Diese Jahrgangsbesten erhielten einen Ehrenpreis: Leon Angermann, Sinja Marie Jochim und Eliana Tondar mit Marcel Schlosser (v.l.). Foto: Schütte © Schütte

Die Abiturienten der Theo-Koch-Schule in Grünberg wurden jetzt feierlich verabschiedet . Drei von ihnen schlossen mit der Note 1,0 ab.

Grünberg (hgt). In drei Blöcken wurden die Abiturientinnen und Abiturienten des Schuljahrganges 2021/2022 in der Aula der Theo-Koch-Schule verabschiedet und erhielten ihre Abiturzeugnisse. Begonnen wurde mit dem Leistungsfach Biologie unter Elisabeth Langwasser, es folgten die Leistungsfächer Englisch (Christine Leuschner), Chemie (Marc Almon), Wirtschaftswissenschaften (Peter Molzberger), Mathematik (Lothar Schulze) und Sport (Birte Schaake). Die Tutoren gingen noch einmal auf die Schulzeit ein und es wurden von den Vertretern der Klassen persönliche Geschenke überreicht. Allen gemein war in den Ansprachen des Schuldezernenten des Landkreises Gießen Christopher Lipp (per Video), Michael Chadim vom Schulelternbeirat, Oberstufensprecherin Ariane Janes, Schulsprecherin Rosa Marina Peter und Schulpfarrer Norbert Heide der Hinweis, dass dies ein besonderer Tag ist. Jetzt beginne ein neuer Lebensabschnitt nach einer turbulenten Schulzeit, die mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen hatte. Deshalb war es wichtig, dass man sich selbst treu geblieben ist und bestrebt war, den Zusammenhalt zu wahren. Das Leben sei wie eine Achterbahn, betonte Norbert Heide, und das sei noch lange nicht vorbei. Im Hinblick auf das von den Schülern gewählte Abiturmotto »Abikropolis 2022 - die Götter verlassen den Olymp«, und dass Zeus in der griechischen Götterwelt der mächtigste Gott ist, merkte Oberstufenleiter Marcel Jochim an, dass man vielleicht für einen Moment das Ziel aus den Augen verloren habe und kein Jahrgang zuvor so viele Tests über sich ergehen lassen musste, stehe man nunmehr oben auf dem Olymp und genieße den Erfolg. Jetzt warte das Leben mit neuen Herausforderungen. Neugierde und Hoffnung sollten die Abiturienten nie verlieren und mit einem kleinen Quäntchen Glück ihre gesteckten Ziele erreichen. Ausgezeichnet wurden vom Förderverein durch Sabine Lippert und von Katja Rischmann (Leitung AF I) mit Paul Becker, Alena Schmidt, Antonia Merle, Klara Römer, Leon Angermann, Sinja Marie Jochim, Erik Boes, Christopher Körbächer und Eliana Tondar einige Schüler, die sich durch besonderes Engagement und Leistungen unterschiedlichster Art hervorgetan haben.

Jahrgangsbeste

Grünbergs Bürgermeister Marcel Schlosser war es vorbehalten, wieder die Besten des Jahrgangs mit Geldbeträgen aus der Direktor-Hüthwohl-Stiftung auszuzeichnen. Leon Angermann, Sinja Marie Jochim und Eliana Tondar - mit der Gesamtnote 1,0 - konnten jeweils einen Spendenscheck in Höhe von 1700 Euro in Empfang nehmen. Schulleiter Jörg Keller zitierte einen Satz von Außenministerin Annalena Baerbock: »Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht«! Nicht weniger prägnant habe Bundeskanzler Olaf Scholz formuliert: »Der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents«! Obwohl sich solche Politik-Rhetorik einer klaren Definition entziehe oder sich erst nachträglich mit Sinn fülle, so seien sie doch als Ausrufezeichen zu verstehen. Was die Zeitenwende oder das Andere sein wird, werde man aber vermutlich erst in ein paar Jahren wissen beziehungsweise verstehen. Mit Karl Valentin lasse sich aber festhalten: »Die Zukunft war früher auch besser«. Der von Russland herbeigeführte völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf die Ukraine stelle zweifellos eine tiefgreifende Zäsur in der Europäischen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg dar und werde weitreichende Auswirkungen auf unser aller Leben haben. Damit sei es allein nicht genug, denn nach gut zwei Jahren Corona stehe man angesichts neuer Virus-Varianten vor neuen Herausforderungen.

Gerade im Hinblick auf die Lebensperspektive der jüngeren Generation mit dem Vorschlag eines Pflichtjahres für die Jugend, habe der Spiegelkolumnist Sascha Lobo diesen als Sahnehäubchen der Unverschämtheit an Jugendiskriminierung durch die ältere Generation bezeichnet. Die Jugend, so habe er bilanziert, stehe vor einer Vielzahl gigantischer Aufgaben, die zum großen Teil aus den Versäumnissen, Fehlern und der Generationenegozentrik der Alten entstanden sind. Ein Leben im Krisenmodus zeige sich bei der jungen Generation vorrangig in Belastungssymptomen wie Stress, Erschöpfungszuständen, Langeweile und Niedergeschlagenheit. Hinzu gesellten sich große Sorgen um die eigene berufliche, finanzielle und wirtschaftliche Zukunft. Doch sei die Grundstimmung der jungen Generation erstaunlich positiv und nicht fatalistisch. Keller forderte den Abiturientenjahrgang dazu auf, trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, sein Leben im Griff zu behalten und nicht zu resignieren, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Er dankte den Eltern für die Unterstützung ihrer Kinder beim Projekt »Abitur« und Marcel Jochim für seine Verdienste im Vorfeld.

Musikalisch begleitet wurde die Verabschiedung von Sinja Marie Jochim am Piano und der Schulband. Zum Abiball traf man sich in der Lumdatalhalle in Londorf.

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