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Eine Größe auf ihrem Gebiet

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Das Poetry-Duo Philipp Herold (links) und Stefan Dörsing unterhält das Publikum. Foto: Zylla © Zylla

Das Poetry-Duo Stefan Dörsing und Phillip Herold kommt bei seinem Auftritt anlässlich der Veranstaltungsreihe »Sommer am Turm« beim Publikum gut an.

Grünberg (zye). Der »Sommer am Turm«, anlässlich der 800-Jahr-Feierlichkeiten von Grünberg, setzte sich mit dem Poetry-Duo Stefan Dörsing und Phillip Herold fort. Zuschauer und Poeten bewiesen, dass ein Poetry Slam nicht nur in eine Studentenstadt wie Gießen passt.

Eine gewisse Romantik wohnte dem Abend am Fuße des Diebsturms inne. Die Sonne des lauen Sommerabends verschwand immer weiter hinter dem Turm der ehemaligen Stadtmauer.

Die ohnehin schon beeindruckende Mittelalterkulisse war der Schauplatz von geselligen Gesprächen im Feierabend der Erwachsenen, während Kinder im Sand oder am Brunnen spielten. Die ehrenamtlichen Helfer des Orga-Teams von 800 Jahre Grünberg verwandelten den Platz vor dem Diebsturm in eine Strandparty, sommerliche Getränke und Speisen inklusive.

Hauptattraktion an diesem Abend waren aber sicherlich die deutschlandweit bekannten Wortakrobaten und Poetry Slammer Stefan Dörsing und Phillip Herold. Dörsing wurde 2011 und 2012 deutscher Vizemeister im Poetry Slam. Der gelernte Mechatroniker machte sich einen Namen als Dichter, Beatboxer und Moderator. Auch Herold wurde zwei Mal deutscher Vizemeister. Er ist Rapper, Kulturwissenschaftler, Autor, Performer und auch er ist Moderator.

Neugierde

Da lag es auf der Hand, dass sie im Duo gekonnt das Geschehen auf der Grünberger Bühne lenkten. Vor allem aber in Gießen sind die beiden eine Größe auf ihrem Gebiet und sind dort immer wieder, etwa auf den Bühnen des Stadttheaters, zu finden.

Was ein Poetry Slam eigentlich ist, das wussten so einige hier in Grünberg nicht so genau. »Ich weiß, dass es um Poesie geht«, wusste etwa eine Dame, die da vielleicht eher an Lyriker wie Brecht oder Goethe dachte. Ein Junge glaubte, dass sich die beiden »ein Wortgefecht liefern« wollen. Vor allem die Neugier hat daher viele Menschen vor der Diebsturm-Bühne Platz nehmen lassen. Plätze waren da kaum noch frei, als das Dichter-Gespann loslegte.

Der befragte Junge hat aber genau genommen Recht: Eigentlich geht es bei einem Poetry Slam darum, dass sich mehrere Künstler einem Poesie-Wettkampf stellen. Sie treten nacheinander auf und werden anschließend von einer ausgewählten Publikumsjury bewertet.

Die Worte der Dichter können dabei gesellschaftskritisch, witzig, aber auch traurig daher kommen. Egal wie, nur dem Publikum muss es gefallen. Dörsing und Herold traten an diesem Abend aber als Duo auf.

Mal traten sie einzeln und mal kooperativ auf. Ihre Zuschauer waren dabei ein fester Bestandteil ihres Konzepts.

Sie stellten immer wieder Fragen im Sinne von »Wer hat schon mal...?«, holten Menschen sogar auf die Bühne oder ließen die Menge atmosphärische Töne für ihre Wortbeiträge erzeugen. Flachwitze sind auch nicht unüblich bei den Slammern.

Davon hatte Herold so einige parat, das Publikum ergänzte von jedem Satz das letzte Wort: »Es war einmal ein Schwein, das war nicht gern allein. Drum nahm es sich zur Frau, eine richtig geile Sau.« Diese Art Humor muss man sicherlich mögen, aber er kam gut an in Grünberg.

Ein bisschen Goethe

Ein bisschen Goethe war dann aber doch dabei, wenn auch im Poetry Slam-Style. Aus den Balladen »Erlkönig« und »Der Zauberlehrling« kreierte Dörsing seine ganz eigenen Versionen vom sogenannten »Assi-Goethe«. »Kinder sollten an manchen Stellen vielleicht eher weghören«, warnte er mit einem schelmischen Lächeln. »Beischlaf, Beischlaf ja das bringt’s. Saftige Schenkel und Arschgeweih am Steiß, würde drin überwintern, wüsste ich Euren Preis«, reimte Dörsing etwa.

Die Grünberger staunten, aber nahmen es mit Humor und feierten den Assi-Goethe.

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Die Besucher nahmen die Mischung aus Poesie und Kabarett mit viel Humor. Foto: Zylla © Zylla

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