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Erinnerung an Bombardierung

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Gedenken an die Opfer (v.l.): Ernst Pfeffer, Holger Kappes und Bürgermeister Marcel Schlosser mit der Tafel, die am Eisenbahnviadukt angebracht wurde. © Schütte

Ernst Pfeffer, der Vorsitzende des VHC Grünberg und Zeitzeuge der Bombardierung Grünbergs am 13. März 1945, hat am Tag des Festakts zur 800-Jahr-Feier eine Gedenktafel übergeben.

Grünberg (hgt). Am 13. März 1945 wurden bei zwei Angriffen auf Grünberg von den Amerikanern am Vormittag von 35 Flugzeugen in Begleitung zweier sogenannten Pfadfindermaschinen 239 Bomben mit einem Gewicht von über 50 Tonnen abgeworfen. VHC-Vorsitzender Ernst Pfeffer hat die Bombeneinschläge sowie die abfliegenden Bomber mit seiner Mutter und den Geschwistern auf dem Hetzberg bei Lauter miterlebt, wo sie gerade mit ihren Kühen den Acker pflügten.

Am Tag des Festakts zum 800-jährigen Jubiläum Grünbergs hatte der VHC Zweigverein Grünberg am frühen Nachmittag zur Enthüllung einer Gedenktafel am Eisenbahnviadukt im Stangenröder und Lehnheimer Weg eingeladen.

60 Häuser getroffen

Der Grünberger Bahnhof war damals das Ziel des Angriffs, wobei auch rund 60 Häuser getroffen wurden. Viele Einwohner eilten den Opfern zu Hilfe, suchten nach Angehörigen, gruben Verletzte aus und bargen die Toten, wobei manche oft nicht mehr identifiziert werden konnten. Doch damit nicht genug, um 13.40 Uhr kam es zu einem weiteren Angriff, bei dem 43 Maschinen erneut 236 Bomben mit einem Gesamtgewicht von 53 Tonnen abließen. Insgesamt verloren bei den Angriffen etwa 150 Menschen aller Altersgruppen ihr Leben und es gab zahlreiche Verletzte.

Pfeffer übergab die Gedenktafel vor Ort zusammen mit seinem Stellverteter Holger Kappes an Bürgermeister Marcel Schlosser. Eigentlich sollte eine Schiefertafel in Erinnerung an diese Vorkommnisse am Eisenbahntunnel angebracht werden, doch wurde dafür von der Bahn noch keine Genehmigung erteilt. Schlosser will sich aber nach einer geeigneten Alternative umsehen.

Pfeffer betonte zu Beginn, dass der VHC kein »Latschverein« sei, sondern sich auch mit der heimischen Geschichte und Kultur verbunden fühlt. Er habe die Idee für eine Gedenktafel aufgegriffen, als er von einem Besucher auf die Löcher im Viadukt angesprochen worden sei.

Pfarrer im Ruhestand Hartmut Miethe trug dazu aus dem Buch »Beiträge zur Geschichte der Stadt Grünberg und ihrer Stadtteile« (Band 4) den Bericht von der Augenzeugin und Betroffenen Frieda Eisenächer vor, die in einem Haus in der Bahnhofstraße wohnhaft war. Ihre Mutter wurde beim Angriff tödlich verletzt und im Treppenhaus verstarb ein Säugling. Keine Spur mehr fand man von einem polnischen Zwangsarbeiter, der auf den Hof gerannt war.

Dank sprach Bürgermeister Schlosser dem Verein für die Erstellung der Gedenktafel aus und verwies auf den QR-Code auf der Tafel, mit dem man die Kriegsspuren auf der Internetseite der Stadt nachverfolgen kann.

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