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Erinnerung wach halten

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Das Porträt von Theo Koch malte Carl Geist nach dessen Tod. © Schütte

Mit dem 150. Geburtstag des Ethnologen Theo Koch sowie des Malers Carl Geist werden im Museum im Spital zwei berühmte Söhne Grünbergs in einer Ausstellung geehrt.

Grünberg (hgt). Mit dem 150. Geburtstag des Ethnologen Theo Koch (1872-1924) sowie des Malers Carl Geist (1870-1931) werden im Museum im Spital zwei berühmte Söhne Grünbergs in einer Ausstellung geehrt.

In der Hospitalkirche hatten sich zur Vernissage zahlreiche Bürger eingefunden, die von 1. Stadtrat Tobias Lux willkommen geheißen wurden. Mit dieser Ausstellung, gezeigt werden größtenteils unbekannte Bilder und Zeichnungen der beiden Jubilare, halte man die Erinnerung an einen Südamerikaforscher und einen Maler wach.

Das gemeinsame Aufwachsen in Grünberg begründete eine lebenslange Freundschaft. Die Rede ist von Carl Friedrich Wilhelm Geist, dem Sohn des Kreisveterinärarztes und von Theodor Christian Koch, dem Sohn des zweiten Pfarrers der evangelischen Gemeinde in Grünberg.

Museumsleiterin Karin Bautz war es vorbehalten einige Anwesende namentlich zu begrüßen, darunter zwei Enkelinnen von Theo Koch, und sich bei den Mitwirkenden am Aufbau der Ausstellung zu bedanken. Dem Freundeskreis Museum Grünberg (FMG) sprach sie ihren Dank für die finanzielle Unterstützung sowie den Leihgebern für die Überlassung einiger Exponate aus. Bereits 2007 nahm Prof. Dr. Holger Gräf, Historiker am Hesssichen Landesamt für geschichtliche Landeskunde und Mitherausgeber des Stadtlexikons Grünberg, Kontakt zu Ursula Koch auf und erbat die Möglichkeit, das ›Skizzenbuch von Theo Koch in einem schriftlichen Beitrag der Öffentlichkeit vorzustellen. Dieser Beitrag erschien in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen im Band 92 im selben Jahr. Dank der finanziellen Unterstützung des FMG liegt der Beitrag als Sonderdruck mit einer CD, auf der sämtliche Zeichnungen digital gespeichert sind, zum Preis von 6,50 Euro vor.

Für andere sichtbar machen

Bautz wies auf Führungen durch Pfr. i.R. Hartmut Miethe am Ostersamstag, 16. April, und am Freitag, 22. April. hin. Auch Werke in der Grünberger Stadtkirche werden dabei aufgesucht. Die Führungen beginnen jeweils um 15 Uhr im Museum im Spital. Dieser wird auch zu einer Zeitzeugen-Lesung »13. März 1945 -Grünberg im Bombenhagel und danach« am Karfreitag den 15. April um 15 Uhr anwesend sein.

Miethe betonte in seiner Einführung zur Ausstellung, dass diese Ausstellung wohl auch ohne die 800-Jahrfeier Grünbergs präsentiert worden wäre, weil beide Persönlichkeiten es verdient hätten, dass man an sie erinnere. Beide Männer verbinde die Fähigkeit, das Gesehene aufzunehmen und wiederzugeben, für andere sichtbar und erfahrbar zu machen. Er blickte zurück in die Zeit des Kaiserreiches, als die kleine Stadt Grünberg mit ihren Handwerkern, einer kleinen Schicht besser gestellter Menschen und Ackerbürgern, die durch eine Bahn Anschluss an die Welt suchte.

In seinen Skizzenbüchern habe Koch nicht nur Zeichnungen von seinen Forschungsreisen mitgebracht, sondern auch die heimische Umgebung erfasst. Dazu zählten unter anderem die längst verschwundene Krebsburg in Ruppertenrod und das im 2. Weltkrieg zertrümmerte alte herrliche Gießener Rathaus, und schon seine damals bestehende Reiselust führte ihn in die Sächsische Schweiz und ließ schon erste Blicke nach Südamerika lenken. Dies alles war Training für eine notwendige Technik, sehen, wahrnehmen, aneignen, zeichnen, verstehen und weitergeben.

Ein Erhalten für alle Zeit, was der Kamera nicht immer und scheinbar immer weniger gelingt. Zeichnungen verlocken und regen auch eher zum genaueren Hinsehen an. Das Skizzenbuch Kochs, ein wohlgehüteter Schatz der Familie, zeigt, welch bedeutende Persönlichkeit Koch in der Wissenschaftswelt geworden ist, dessen Ansehen bis heute nicht verblasst ist, am wenigsten in seiner Heimatstadt.

An seinen Freund, Carl Friedrich Wilhelm Geist wird mit einer Plakette am Haus im Brückelchen 6 erinnert, hat der doch in den vergangenen Jahren in Grünberg ein wenig an Boden gewonnen. Als Einjähriger kam er nach Grünberg und hat in Laubach das Gymnasium besucht. Er lernte, studierte und stellte an Orten aus, die für den Grünberger zu dieser Zeit ferne Welten waren. Von 1905 bis 1915 war er wieder in Grünberg Zuhause, um dann bis zu seinem Tod 1931 in Bad Wimpfen zu leben. Gerade die Porträts von Theo Koch und dessen Töchtern präsentieren weniger einen ernsthaften, sondern eher einen genau beobachtenden Künstler, der mit großer Könnerschaft die Gesichter nicht nur abmalte, sondern ihre Aura einfängt. Museumsbesuchern vertraut ist ein Abbild Theo Kochs, das Geist nach dessen Tod schuf und einen konzentrierten und reifen Mann zeigt.

Lange war kaum jemand bekannt, dass er auch zwei christliche Bilder, Garten Gethsemane und Auferstehung, geschaffen hat, die heute in der Stadtkirche im Raum hinter dem Altar hängen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 19. Juni während den Öffnungszeiten des Museums im Spital besucht werden. Diese sind Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, am Mittwoch von 18 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung.

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Groß war das Interesse bei der Vernissage in der Hospitalkirche. © Schütte

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