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Für die ältere Generation ein Zeichen setzen

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Ingo Kreuder, Jörg Michael Müller und Marcel Schlosser wollen den Bürgerbus an den Start bringen. Foto: Schäfer © Schäfer

Die Grünberger CDU macht sich für einen Bürgerbus stark. Das Projekt steht und fällt ihrer Ansicht nach mit den Ehrenamtlichen.

Grünberg (rrs). Leben auf dem Land ohne Auto - das ist schwierig, wenn Busse und Bahnen entweder gar nicht oder zu selten fahren. Wie sollen Menschen, die entweder keinen Führerschein besitzen oder aus Altersgründen kein Auto mehr fahren, zum Arzt, zur Apotheke, zum Seniorencafé oder zu gesellschaftlichen Veranstaltungen kommen? Der Bürgerbus, wie es ihn schon in Laubach oder Reiskirchen gibt, ist da eine gute Alternative als Ergänzung zum Linienverkehr des ÖPNV. Die Grünberger CDU hat das Thema nun für sich entdeckt und setzt sich tatkräftig für einen Bürgerbus ein. Am Montag fand eine erste Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion im Bistro »Merlin« statt, an der neben Bürgermeister Marcel Schlosser auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Jörg Michael Müller teilnahm.

Zum Einstieg widmete sich Ingo Kreuder, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Grünberg, der aktuellen Situation. Grünberg habe 13 Stadtteile mit insgesamt rund 7000 Einwohnern. Nur zwei Stadtteile, Lehnheim und Göbelnrod, besitzen einen Bahnanschluss an die Linie RB 45, die im Halbstundentakt zwischen Gießen und Alsfeld verkehrt, und Queckborn sei über eine Buslinie mit Lich verbunden. In der Kernstadt selber mit ihren 7000 Einwohnern verkehre erfreulicherweise im Stundentakt ein Citybus, nur das Schwedendorf sei schlecht erreichbar. Dagegen sähe es für die übrigen zehn Stadtteile in Sachen Verkehrsanbindung echt mau aus. Dort könne nur telefonisch ein Sammeltaxi bestellt werden, um in die Kernstadt zu gelangen, wovor gerade ältere Leute zurückschrecken. Ein Bürgerbus könnte hier für Abhilfe sorgen. Mit den Worten »Was Reiskirchen in drei Jahren mit seinem Bürgerbus auf die Beine gestellt hat, muss auch in Grünberg zu schaffen sein«, zeigte sich Kreuder durchaus optimistisch. Landtagskandidat Lukas Schmidt sah im Bürgerbus eine Möglichkeit, den ÖPNV zu verbessern und für die ältere Generation ein Zeichen zu setzen, dass sie nicht vergessen wird.

»Ein Bürgerbus kann bis zu neun Leute transportieren, ist behindertengerecht und fährt nach einem vorher festgelegten Fahrplan die umliegenden Ortschaften an. Es stellt sich die Frage, wer das organisiert, wer sich ums Fahrzeug kümmert und wer fährt«, warf Müller in die Runde und erklärte, »die Verantwortung für alles muss ein Trägerverein übernehmen. Für den Betrieb des Bürgerbusses muss eine ausreichende Anzahl an Ehrenamtlichen als Fahrer zur Verfügung stehen, die aber den »kleinen Beförderungsschein« besitzen müssen. Das Projekt steht und fällt mit den Ehrenamtlern. In manchen Gemeinden klappt die Rekrutierung gut, in anderen gar nicht«. Der Bus wird vom Land Hessen gestellt und die Fahrerausbildung wird ebenfalls bezahlt. Aber die Unterhaltung des Busses verschlingt, wie sich in Eppstein gezeigt hat, locker 30.000 Euro oder mehr jährlich. Nach einhelliger Meinung aller, sollten die Fahrgäste nichts zahlen müssen. Zur Finanzierung wurde über Werbung auf dem Fahrzeug oder eine Beteiligung der Stadt diskutiert. Um ehrenamtliche Fahrer zu gewinnen wurde eine Bürgerversammlung ins Auge gefasst.

Zum Schluss fasst Müller zusammen: »Bevor wir Pläne schmieden, müssen wir die Situation vor Ort genau analysieren, den Bedarf festklopfen. Erst danach geht es um Fördergelder und die Erarbeitung eines stimmigen Konzepts. Für die alten Leutchen ist so ein Bürgerbus mehr als nur eine Transportgelegenheit, er ist ein Kommunikationsmittel. Wenn der Karl von nebenan fährt, man ein Schwätzchen halten kann, mal unter Leute kommt, fühlen sich die Menschen angenommen und blühen auf«.

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