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»Hochmotiviert und voller Tatendrang«

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Stolze Familie: Marcel Schlosser mit Frau Vanessa und den gemeinsamen Kindern. Foto; Wißner © Thomas Wißner

Marcel Schlosser ist als neuer Bürgermeister Grünbergs eingeführt worden. Der Christdemokrat tritt seinen Dienst am Dienstag an.

Grünberg . Es war sein Abend: Für Marcel Schlosser (CDU) ging am Donnerstag ein Traum in Erfüllung. »Schon im Abschlussheft meines Jahrgangs an der Theo-Koch-Schule konnte man unter meinem Foto lesen, dass ich einmal Bürgermeister werden will. Doch dass dieser Traum heute in Erfüllung geht, macht mich besonders glücklich«, schilderte Schlosser in seiner kurzen Rede seine Gefühle. Zuvor hatte ihm der noch bis Montag offiziell amtierende Bürgermeister Frank Ide (FW) den Amtseid abgenommen.

Die erste Sitzung des Grünberger Stadtparlaments im neuen Jahr hatte nur zwei Tagesordnungspunkte. Den ersten erfüllte Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Erdmann (CDU) mit der Begrüßung der Abgeordneten und der zahlreichen Gäste in der Gallushalle.

Der zweite betraf die Amtseinführung von Marcel Schlosser, der sich zahlreiche Grußworte anschlossen.

»Damit bewahrheitet sich, was ich schon immer gesagt habe: Als Bürgermeister von Grünberg muss man im Juni geboren sein«, so Ide mit Hinweis darauf, dass Schlosser im gleichen Monat Geburtstag hat, wie er. Dann überreichte er ihm die Ernennungsurkunde mit den besten Wünschen für seine Amtszeit.

Stadtverordnetenvorsteher Erdmann war es schließlich vorbehalten, den offiziellen Teil der Amtseinführung zu vollenden und Schlosser die Amtskette des Bürgermeisters, »das schwere Gebambel« wie ein Zuschauer scherzte, um zu legen.

Am Dienstag beginnt dann offiziell die sechsjährige Amtszeit des bei der Direktwahl am 26. September - für manche überraschend - zum neuen Stadtoberhaupt gewählten 31-jährigen Beltershainers.

Vertreter aller im Stadtparlament vertretenen Parteien gratulierten ihm und brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, zukünftig gemeinsam zum Wohle der Gallusstadt zu wirken. Sie wünschten dafür viel Erfolg und ein glückliches Händchen bei allen Entscheidungen.

Doch es war auch der Abend der Zitate: Von Hermann Hesse bis Kurt Tucholsky - fast jeder der Gratulanten hatte ein passendes Geleitwort eines großen Geistes herausgesucht. So konnte sich auch das Publikum in der Gallushalle literarisch bilden. Und natürlich durfte auch der allseits beliebte »neue Besen« nicht fehlen, der bekanntlich gut fegen soll.

Den Anfang machte der Vorsitzende der SPD-Fraktion. Ulrich Ebenhöh bescheinigte Schlosser, dass sich dieser viel für Grünberg und seine 13 Stadtteile vorgenommen habe. Er wünschte sich, dass er als neuer Rathaus-Chef vieles davon auch umsetzen könne, denn »ich sehe da einige Schnittpunkte mit uns,«

Für die Freidemokraten sprach Jürgen Trüller. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Schlosser als altgedienter Kassenleiter in Reiskirchen, Laubach und Lich sicher und umsichtig mit den Finanzen und Ressourcen der Gallusstadt umgehe. Ihm gab er eine Lebensweisheit mit auf den Weg: »Der Dumme und der Gescheite unterscheiden sich darin, dass der Dumme immer die gleichen Fehler macht. Der Gescheite aber immer neue.« In diesem Sinne freue er sich auf immer neue Fehler, schloss er mit einem Augenzwinkern.

»Kritiker haben wir genug. Was unsere Zeit braucht, sind Menschen, die ermutigen.«, Den berühmten Adenauer-Ausspruch rief Daniel Raschke, Fraktionschef der Freien Wähler, dem neuen Bürgermeister zu. Er ermutigte ihn, die »faire Streitkultur in unserem Parlament« weiter zu fördern.

Endlich wieder CDU

»Die Wahl im September war für uns Christdemokraten ein schwerer Tag, denn wir haben die Bundestagswahl verloren. Aber für Grünberg war es ein guter Tag, denn Marcel Schlosser hat die Wahl gewonnen und wir stellen nach 18 Jahren endlich wieder den Bürgermeister«, so CDU-Fraktionsvorsitzender Julian Sann.

Er wisse, dass in seinem neuen Amt nun mehr Neutralität gefragt sei. Dennoch sicherte er ihm zu: Die CDU steht geschlossen hinter Dir, auch wenn wir in der Sache manchmal streiten müssen.«

Grünen Fraktions-Chef Reinhard Ewert wünschte dem frisch eingeführten Bürgermeister einen kühlen Kopf und kompetente Berater. Der Generationswechsel, der mit seiner Person zum Ausdruck komme, signalisiere auch, dass sich junge Kräfte in die Gestaltung der Stadt und ihrer Aufgaben verstärkt einbringen. »Fördern und unterstützen Sie diesen Prozess«, sagte er zu Schlosser. »Knüpfen Sie inhaltlich positiv dort an, wo Ihr Vorgänger erfolgreich aufgehört hat«, so Ewert. Er fügte hinzu: »Sie müssen ja nicht gleich 18 Jahre im Amt bleiben«, womit er allerdings ein Raunen unter den zahlreichen Zuschauern auslöste.

»Bürgermeister zu sein, ist mehr als ein Beruf, ist eine Berufung«, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Christopher Lipp (CDU), der auch die Glückwünsche von Landrätin Anita Schneider (SPD) überbrachte. Schlosser charakterisierte er als »bodenständig, in Grünberg fest verwurzelt und in Beltershain zu Hause. Du kennst Deine Stadt und die Menschen kennen auch Dich«.

Er wünschte ihm »offene Augen und Ohren für die Dinge, die die Menschen bewegen« und einen sicheren Rückhalt in der Familie für diese fordernde Aufgabe.

Als Vorsitzender des Seniorenbeirats, bot Hartmut Mie-the dem Bürgermeister den Rat und die Unterstützung des Gremiums an.

Auch vom CDU-Stadtverband und seinem Ortsverband in Beltershain bekam der Christdemokrat »alle guten Wünsche« mit auf den Weg.

»Ich bin hochmotiviert und voller Tatendrang«, machte Marcel Schlosser deutlich. Er wandte sich direkt an Frank Ide und bescheinigte ihm einen fairen Wahlkampf und eine »Vorzeigeübergabe« in den letzten Wochen und Monaten. Er wisse, dass man »18 Jahre Wissen und Erfahrung« nicht in wenigen Wochen nachholen könne, doch sei er dankbar für alles, was er in dieser Zeit erfahren habe.

»Wir müssen wieder mehr Vertrauen gewinnen«, so Schlosser. Auch wenn man es als Bürgermeister nicht allen recht machen könne, wolle er stets ein offenes Ohr für alle Bürger haben. Für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit kündigte er die Einführung einer Bürgermeistersprechstunde an. Auch die finalen Planungen zur 800-Jahr-Feier stünden nun an. »Außerdem möchte ich unsere Stadt noch familienfreundlicher machen«, so der junge Vater, der selbst von sich sagt, dass er Rückhalt und Stärke bei seiner Frau Vanessa und seinen drei Kindern findet.

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