1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Grünberg

Koffer ständiger Begleiter

Erstellt:

Von: Heinz-Gerhard Schütte

gikrei1911YYTheaterLadie_4c
Die TheaterLadies ziehen das Publikum mit ihrem Auftritt in ihren Bann. Foto: privat © privat

Die TheaterLadies zeigen im Barfüßerkloster Lebensstationen der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko.

Grünberg (hgt). Eine szenische Lesung über die jüdische Dichterin Mascha Kaléko (1907-1975) präsentierten die TheaterLadies im Rahmen des Jahresprogramms des Barfüßer-Förderkreises Kultur im Barfüßerkloster.

Die Frauengruppe setzt sich aus Silke Lindemann, Heike Hausmann, Christiane Schnieder, Drosia Tanriverdi, Kristine Volkmann und Sabine Wagner zusammen. Unter der Leitung von Chris Sima befassten sie sich mit dem Leben der Dichterin.

Mit leisen Tönen orientierte sich die Lesung an ihren Lebensstationen. Gemeinsam wurde sie auf ihrem Weg als Kind und Jugendliche in Chrzanów (Galizien) über Frankfurt, Marburg und Berlin und schließlich in die Emigration nach New York begleitet. Bis zu ihrem Wiedersehen mit dem geliebten Berlin nach dem Krieg war der Koffer ständiger Begleiter und Sinnbild für Flucht in eine immer neu einzurichtende Heimat. Hier einige Lebensstationen: Golda Malka Aufen, genannt Mascha, wird am 7. Juni 1907 in Chrzanów (West-Galizien) geboren. Im Jahr 1914 wandert die Familie nach Deutschland aus, der Vater wird aufgrund seiner russischen Staatsangehörigkeit in Gewahrsam genommen. 1928 heiratet sie den Journalisten Saul Aron Kaléko. Erste Gedichte werden 1929 im »Querschnitt« veröffentlicht und ihr erstes Buch »Das lyrische Stenogrammheft« erscheint im Jahr 1933. Zwei Jahre später wird ihr von den Nationalsozialisten ein Schreibverbot auferlegt, sie verliert damit ihren Beruf als Schriftstellerin.

Im Januar 1938 erfolgt die Scheidung von ihrem Mann und sie heiratet kurz darauf Chemjo Vinaver. Ihren Nachnamen Kaléko behält sie bei. Mit ihrer Familie wandert sie im September 1938 über Hamburg und Paris nach New York aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Amerika wird nie ein richtiges Zuhause für sie, da sie auf Deutsch schreibt, hat sie kaum Geld zur Verfügung und die amerikanische Staatsbürgerschaft, die ihr im November 1944 verliehen wird, nützt ihr auch nicht. Der Gedichtband »Verse für Zeitgenossen« erscheint 1945 im Schoenhof Verlag und am 31. Dezember 1955 ist sie erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Deutschland. Der Fontane-Preis wird von ihr abgelehnt, weil das Jurymitglied Hans Egon Holthusen der SS angehörte. Auch in Jerusalem wird sie nach ihrem Umzug im Jahr 1959 nicht glücklich. In den USA versterben im Juli 1968 unerwartet ihr Sohn mit 31 Jahren und ihr Mann im Dezember 1973 nach langer Krankheit. Eine letzte Lesung hält die Dichterin am 16. September 1974 in der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin. Bei einer Zwischenlandung in Zürich verstirbt dort Mascha Kaléko in den Morgenstunden des 21. Januars 1975 an Magenkrebs in einer Klinik. Aufmerksam verfolgten die Besucher die Lebensstationen der jüdischen Dichterin und zollten den Ausführenden den verdienten Applaus.

Auch interessant