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Nacht- und Nebelaktion in Stockhausen?

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Von: Burkhard Bräuning

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Kam der Kran drei Wochen zu früh? Ortsvorsteher Jochim sagt: »Ein Informationsabend für die Bürger ist nun nicht mehr möglich.« © Burkhard Braeuning

Im Eiltempo wird in Stockhausen eine Unterkunft für Geflüchtete hochgezogen. Geschockt ist man vor Ort nicht. Allerdings wäre man gerne im Vorfeld informiert worden.

Grünberg (bb). Am Montagabend kam das Vorauskommando nach Stockhausen, gestern rückte dann das Hauptkontingent des Gießener/Wettenberger Unternehmers Kai Laumann an - mit Kran, schwer beladenen Sattelschleppern und kleinerem Gerät. Die neue Unterkunft für Geflüchtete auf dem ehemaligen Sportplatz des Dorfes wird im Eiltempo hochgezogen: Am Montag wurde in der Dunkelheit die Bodendämmung auf dem Kiesbett aufgebracht, gestern wurde die Bodenplatte verlegt, es folgen die Wände, das Dach und der Innenausbau. Es muss wohl schnell gehen. Dirk Wingender, der Pressesprecher des Landkreises, sagte auf Anfrage des Anzeigers: »Eine Belegung in Stockhausen mit maximal 30 Personen ist vorgesehen für voraussichtlich die KW 52.« Das ist die Woche nach Weihnachten.

Darüber ist man in Stockhausen nicht geschockt, denn man hat mehrjährige Erfahrung mit einer Notunterkunft für Geflüchtete. 2015 und in den Folgejahren kamen viele Menschen neu ins Dorf. Sie wurden herzlich aufgenommen.

Einige Geflüchtete sind geblieben, wohnen weiter in Stockhausen oder in der Kernstadt. Dennoch gab es gestern Kritik, insbesondere, weil man sich im Dorf schlecht informiert fühlt. Gerügt wurden der Kreis, die Stadt und auch der Ortsbeirat. Man hätte einen Info-Abend veranstalten müssen, hieß es. So wie damals. In einer »Nacht- und Nebelaktion« würden nun Tatsachen geschaffen, obwohl die Gemeinde noch nicht mal offiziell informiert worden sei. Manche Bürger hatten nur eher zufällig etwas davon erfahren, andere wussten bis gestern gar nichts von einer neuen Unterkunft.

Ortsvorsteher Kai Jochim meldet sich am Abend in der Redaktion: »Dass nun schon im November gebaut wird, wusste ich nicht. Mein Kenntnisstand ist: Die Unterkunft soll in KW 51 aufgebaut und in der KW 52 bezogen werden. Wir hatten vom Ortsbeirat für Anfang Dezember eine Informationsveranstaltung für die Bürger geplant. Warum man mich nicht in Kenntnis gesetzt hat, konnte ich noch nicht klären. Aber der Schaden ist nun angerichtet.«

Kritisiert wurde im Dorf auch, dass das alte, leerstehende Flüchtlingsheim erst vor einigen Monaten abgebaut wurde. Man habe doch sehen können, dass weiter viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, auch wenn die Zahlen zeitweise etwas zurückgegangen seien.

Kurzfristig reagiert

Eine junge Frau, die zufällig vorbeikommt, schimpft: »Dass man jetzt wieder was Neues baut, ist ziemliche Geldverschwendung«. So sehen es viele Menschen im Dorf. Wingender schreibt: »Aufgrund der deutlich steigenden Zahl von Geflüchteten, die den Landkreisen zugewiesen werden und untergebracht werden müssen, hat der Landkreis Gießen kurzfristig Kapazitäten schaffen müssen«. Aber wirklich so kurzfristig, dass keine Zeit mehr blieb, um den Ortsvorsteher zu informieren, damit der die Bürger unterrichten kann? Wohl kaum ...

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Die ukrainische Fahne weht nicht am Kran, sondern auf einem Gebäude davor. Fotos: bb © bb

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