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Ohne Strom geht nichts

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Von: Heinz-Gerhard Schütte

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Historische Isolatoren, die von Wolfgang Hofheinz 2020 demontiert wurden. Foto: Schütte © Schütte

Eine Ausstellung zur Geschichte der Elektrizität ist im Museum im Spital in Grünberg zu sehen

Grünberg (hgt). Ergänzend zu seinem Buch »Die frühe Elektrotechnik in Grünberg« hat der Vorsitzende des Freundeskreises Museum, Wolfgang Hofheinz, eine Ausstellung im Museum im Spital unter dem Titel »Spannung in Grünberg« konzipiert, die in Anwesenheit zahlreicher Besucher eröffnet wurde. Stadtrat Volker Schlosser (FDP) betonte zu Beginn in Vertretung des Bürgermeisters, dass dieses Thema spannend sei, denn mit der Geburt der Elektrizität seien Wirtschaftskraft und Wohlstand in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einhergegangen. Ohne Strom gehe nichts. Der Amerikaner Thomas Alva Edison hat 1879 mit der Erfindung der Glühbirne Licht und eine umfassende Elektrifizierung in die Welt gebracht. Während Edison zur elektrischen Energieübertragung die Gleichstromspannung favorisierte, verhalf George Westinghouse durch den Einsatz von Wechselstromspannung der Industrialisierung zum wirtschaftlichen Durchbruch.

Für die Übertragung großer Strommengen über weite Strecken eignet sich Gleichstrom bei hoher Spannung besonders gut, weil die Übertragungsverluste geringer sind als bei Wechselstrom. Museumsleiterin Karin Bautz machte darauf aufmerksam, dass diese Ausstellung auch im Rahmen der 800-Jahrfeier Grünbergs stattfinde. Eine solche Ausstellung benötige eine gewisse Vorlaufzeit und erfordere viele helfende Hände bis zur Vollendung. Sie wies auf das Begleitprogramm zur Ausstellung hin, die noch bis zum 26. Februar 2023 zu den Öffnungszeiten des Museums besucht werden kann: Diese sind Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr sowie am Mittwoch von 18 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen durch die Ausstellung finden mit Wolfgang Hofheinz am Sonntag, 18. Dezember und Sonntag, 8. Januar 2023, jeweils um 14 Uhr statt. Außerdem wird vom Ausstellenden ein spannender Stadtrundgang am Samstag, 17. Dezember und am Freitag, 20. Januar 2023 um 15 Uhr durchgeführt.

Hofheinz selber sprach in seiner Begrüßung den Unterstützern seinen Dank aus, besonders den Personen, die eine Vielzahl historischer Gerätschaften aus dem Bereich der Elektrotechnik zur Verfügung gestellt haben. Die Ausstellung ist in vier Gruppen mit 22 Tafeln und elektrischen Geräten gegliedert. Er merkte an, dass mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Gießen nach Grünberg und deren Einweihung am 29. Dezember 1869 und der Inbetriebnahme der Stadtfernsprecheinrichtung im Kaiserlichen Postamt im Jahr 1902 von den Verantwortlichen in Handwerk und Handel sehr schnell die Vorteile der neuen Technik erkannt wurden, was wohl auch von den städtischen Gremien unter Bürgermeister Heinrich Zimmer II. unterstützt wurde. Im Jahr 1911 trieben Elektromotoren die mechanischen Webstühle der Firma Heinrich Schmidt I. an und als erste Anwender erhielten die Webereien Schmidt und Repp einen Telefonanschluss. Die Stadtbeleuchtung mit elektrischem Licht wurde 1913 auf den Weg gebracht.

Die Ausstellung zur Geschichte der Stromanwendung in Grünberg informiert über den Zeitraum von 1868 bis 1970. Prof. Dr. Joachim Breckow von der THM war es vorbehalten, den Lebenslauf von Hofheinz nachzuzeichnen, der mit vielen Buchveröffentlichungen, Auszeichnungen und einer langjährigen Tätigkeit in unterschiedlichen Positionen bei der Grünberger Firma Bender, die Geräte für die elektrische Sicherheit entwickelt und herstellt, gekennzeichnet ist. Wie wichtig die Elektrizität auch für das gesamte Staatswesen ist, machte Breckow an einem Ausspruch von Lenin im Jahr 1920 deutlich: »Kommunismus ist die Sowjetrepublik plus Elektrifizierung!« Hingewiesen wurde vom Referent noch darauf, dass in Deutschland ein homogeneres Stromnetz besteht, als in den USA und Japan, wo man in den Straßen ein Wirrwarr von Stromkabeln und Generatoren vorfinde.

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