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Rechtsextremismus im Fokus

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Manuel Glittenberg an der TKS in Grünberg. Foto; privat © Red

Vortrag an der Theo-Koch-Schule in Grünberg macht deutlich, worin sich rechtsextremistische Ideologie vom Prinzip der Menschenwürde unterscheidet.

Grünberg (red). Wie kommt es zu rechtsextremistischen Einstellungen? Warum ist Rechtsextremismus schon so lange ein Problem? Warum wird er nicht härter bestraft? Was kann ich tun, wenn jemand rassistisch beleidigt wird? Diese und viele weitere interessante Fragen stellten die etwa 400 Schüler und Schülerinnen der Jahrgänge 9 bis 11, die sich in der Aula der Theo-Koch-Schule (TKS) in Grünberg versammelt hatten. Die Fragerunde bildete den Einstieg zum Vortrag »Rechtsextremismus - Aktuelle Erscheinungsformen, kritische Perspektiven und demokratische Handlungsoptionen« von Manuel Glittenberg. Der studierte Soziologe ist Bildungsreferent bei der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, arbeitet in dem prodemokratischen und antirassistischen Projekt »Zusammenleben neu gestalten« und ist freiberuflich für die Friedrich-Ebert-Stiftung tätig. Vorbereitet wurde die Thematik durch eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel »Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen«, die bereits von mehreren Klassen, Kursen und Tutorien besucht wurde und noch bis Mitte Mai an der Theo-Koch-Schule zu besichtigen ist. Die TKS-Lehrerinnen Rebecca von Meyerinck und Svenja Göppert, engagierte Unterstützerinnen des deutschlandweiten Netzwerks »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« und der dazugehörigen TKS-Gruppe, hatten den Ausstellungsbesuch organisiert und den Referenten eingeladen.

Im ersten Schritt seines durch interaktive Elemente aufgelockerten Vortrags erläuterte Manuel Glittenberg das Konzept von Demokratie und universellen, unteilbaren Menschenrechten als Orientierungs- und Bezugsrahmen. Die seit 2017 gesetzlich verankerte »Ehe für alle« nannte er als eines von mehreren Beispielen für die Unabgeschlossenheit des Demokratie- und Menschenrechtsprozesses. »Demokratische Gesellschaften sind lernende Gesellschaften und entwickeln sich daher ständig weiter«, so Glittenberg. »Das bringt Konflikte mit sich. Entscheidend ist aber das Prinzip, das diesen Aushandlungsprozessen zugrunde liegt: die Achtung der Menschenrechte aller.«

Im zweiten Teil seines Vortrags stellte der Referent die Funktionsweise der rechtsextremistischen Ideologie dar. Am Beispiel eines Plakates mit der Aufschrift »Wir sind das Volk«, fotografiert auf einer der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen im Jahr 2014, machte er deutlich, worin sich die rechtsextremistische Ideologie vom grundgesetzlich verankerten Prinzip der Menschenwürde unterscheidet: »Nicht einzelne Individuen sind hier der Bezugsrahmen, sondern die Vorstellung eines völkisch-homogenen Kollektivs.« Allerdings spreche man im modernen Rechtsextremismus eher nicht mehr von überlegenen »Rassen« oder »Völkern«, sondern von verschiedenen »Kulturen« - »die in ihrer Unterschiedlichkeit zwar anerkannt werden«, so Glittenberg weiter, »die sich nach der rechtsextremen Ideologie aber nicht miteinander vermischen dürfen.« Damit werde das Gleichheitsprinzip untergraben; Menschen nichtdeutscher Herkunft werde das Recht aberkannt, in der deutschen Gesellschaft gleichberechtigt zu leben.

Mit den Handlungsmöglichkeiten bei diskriminierenden oder rassistischen Übergriffen beschäftigte sich der Referent im dritten Teil. Grundlegend sei es, so Glittenberg, diskriminierendes oder rassistisches Verhalten überhaupt wahrzunehmen, als solches zu benennen und möglichst zu stoppen. Hier befänden sich die Lehrkräfte als Vertreter einer demokratischen Institution in einer Vorbildfunktion und deshalb besonders gefordert. Außerdem solle man sich mit der betroffenen Person solidarisieren und diesie unterstützen. Dies könne Unbeteiligte animieren, ihre »neutrale« Haltung aufzugeben (Glittenberg: »Man kann nicht nicht handeln«).

»Wir sind als Gesellschaft zwar besser geworden, aber es gibt noch viel Nachholbedarf«, schloss Glittenberg.

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