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Richtigen Weg finden

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Von: Heinz-Gerhard Schütte

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Feste Bushaltestellen könnten künftig der Vergangenheit angehören. Foto: Kächler © Kächler

Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Mobilität-Aufbruch ländlicher Raum« hatte der Ortsverband der Grünberger Freien Demokraten in das Dorfgemeinschaftshaus Weickartshain eingeladen.

Grünberg (hgt). Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Mobilität-Aufbruch ländlicher Raum« hatte der Ortsverband der Grünberger Freien Demokraten in das Dorfgemeinschaftshaus Weickartshain eingeladen. Unter der Moderation des Ortsvorsitzenden Volker Schlosser waren dazu Carsten Seelmeyer (Vorsitzender des FDP-Landesfachausschusses Verkehr), Dr. Wolfgang Balzer (Geschäftsführer der Focus Infocom GmbH in Darmstadt, Spezialist für Qualitätsmetriken, Teststrategien und Datennanalysen) sowie Michael Kosmider (Geschäftsführer von KoGaSol in Grünberg, Fachmann für Elektromobilität und Solarenergie) gekommen.

Schlosser stellte vor rund 25 Interessierten zu Beginn fest, dass es viele Wege gibt, aber die richtigen gefunden werden müssen. Seelmeyer stellte fest, dass er selber in Haiger aus einem ländlichen Raum komme, täglich und wöchentlich mit diesem Thema lebt. Mobilität bedeute Freiheit, man könne nicht mobilitätsfrei sein. Da gebe es unter anderem Kinder, die oft zu Terminen gefahren werden müssten, aber auch ältere Menschen seien hin und wieder auf Fahrten angewiesen. Im Vogelsberg und auch auf der Strecke von Grünberg zu den Ortschaften wie Weickartshain gebe es einen zerklüfteten ÖPNV mit ungünstigen Fahrplänen, die geändert werden müssten. Der ländliche Raum höre nicht an der Stadtgrenze auf, die Politik müsse Lösungen finden. Dabei gehe es auch um die heimische Wirtschaft. Auch Radschnellwege seien gefordert, doch brauchten hierzu die Genehmigungsverfahren zu lange.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde vorgeschlagen, dass feste Haltestellen entfallen und Fahrgäste unterwegs nach Bedarf mitgenommen werden sollten. Hierbei soll autonomes Fahren in Zukunft Realität werden, um auch die ländlichen Flächen besser nutzen zu können. Darüber referierte Dr. Balzer, der feststellte, dass fahrerlose Autos in Deutschland eigentlich heute schon am Straßenverkehr teilnehmen könnten. Doch der angepeilte Zeitplan wurde immer wieder verschoben. Die zu entwickelnde Technik aufseiten der Autohersteller wie auch die Rechtslage aufseiten der Gesetzgebung, wie die Cybersicherheit, gestaltete sich komplizierter als gedacht. Schon seit Jahren sind die Ingenieure fast aller Autohersteller mit Systemen zum automatisierten und hochautomatisierten Fahren unterwegs. Level 1 beeinhaltet das assistierte Fahren, Level 2 teilautomatisiertes Fahren, Level 3 hochautomatisiertes Fahren, Level 4 vollautomatisiertes Fahren und Level 5 autonomes Fahren. Neu ist der Umstand, dass diese Technik nun auch bei vielen Autoherstellern in Kundenhand kommt und der Gesetzgeber Level 3 seit Juni 2021 erlaubt. Die Betriebsgenehmigung wird vom Kraftfahrt-Bundesamt erteilt.

Das Fahren auf Level 4 ist in der Vorbereitung beim Gesetzgeber. Die im Mai vom Bundesrat verabschiedete Verordnung zum autonomen Fahren regelt, in welchen Betriebsbereichen Level 4-Kraftfahrzeuge zugelassen werden dürfen, und welche technischen Anforderungen an Bau, Beschaffenheit und Ausrüstung zu stellen sind. Bis Level-4-Fahrzeuge auf der Straße zu sehen sind, wird es noch dauern. Erwartet wird, dass je nach Grad der Automatisierung sich auch die Unfallzahlen reduzieren, denn für immerhin 90 Prozent aller Crashs ist menschliches Versagen die Ursache.

Allerdings wird dieser Prozess langwierig sein, weil konventionelle und automatisierte Fahrzeuge noch sehr viele Jahre im Mischverkehr fahren werden. Beim autonomen Fahren ist man Passagier, kann nicht eingreifen und haftet auch nicht mehr. Bei einem Unfall zahlt die eigene Versicherung trotzdem. Sollte ein technischer Fehler vorliegen, nimmt sie den Hersteller in Regress. Dieser Level ist das hohe Ziel, bei dem ein Mensch in der Funktion als Fahrer nicht mehr vorgesehen ist.

Die ersten Level 5-Fahrzeuge sind bereits auf den Straßen unterwegs, sie befördern jedoch noch keine Menschen, sondern Lebensmittel. Beachten muss man auch im Hinblick auf die Verkehrsdichte, dass autonomes Fahren in der Stadt keinen Sinn macht. Kosmider wies darauf hin, dass E-Mobilität einem ständigen Wandel und Veränderungen unterliegt.

Noch müsse die Dichte von Ladestationen in Deutschland verbessert werden. Im Grünberger Stadtgebiet sei die Anzahl ebenfalls gering. Schlosser wies darauf hin, dass es heute schon technisch die Möglichkeit gebe, dass bei einer Ladestation eine automatische Umschaltung erfolgt, wenn das erste Fahrzeug voll aufgeladen ist. Unternehmen müssten hier die Entwicklung vorantreiben. Ladevorgänge sollten über den ganzen Tag verteilt werden.

Hier sei die Gesetzgebung in Baden-Württemberg fortgeschritten, denn bei der Genehmigung zum Bau eines Supermarktes werde eine Überdachung mit Kollektoren gefordert, die mit dem gewonnenen Solarstrom die Aufladung von Fahrzeugen während des Einkaufs kostensparend und umweltschonend möglich macht. Hier will die FDP-Fraktion im Stadtparlament einen entsprechenden Antrag auch für Grünberg stellen.

Zum Abschluss wurde die Frage gestellt, wie die Technologie der Zukunft aussehen wird. Dazu Seelmeyer, es könne keine genaue Vorhersage gemacht werden, doch werde es in weiterer Zukunft noch einen Energiemix geben, um alle Ansprüche erfüllen zu können!

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