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Sanierung soll im März starten

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Von: Klaus Kächler

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Die Gartenstraße in Grünberg. Auf dieser Seite soll der Bürgersteig zu einem »Schrammbord« mit nur 75 Zentimetern Breite verkleinert werden. Foto; Kächler © Klaus Kächler

Plan für Ausbau der Gartenstraße vorgestellt. Anwohner bemängeln »handwerkliche Fehler«.

Grünberg . »Ausgerechnet auf der Straßenseite, auf der drei Rollstuhlfahrer wohnen, soll der Bürgersteig auf eine Breite von nur 75 Zentimetern verkürzt werden«, bemängeln Markus Kräter und Stefan Michler, die selbsternannten Sprecher von 16 der 24 Hauseigentümer in der Gartenstraße in Grünberg. Im November sammelten die beiden Unterschriften gegen den vorgelegten Plan des Ingenieurbüros Ohlsen (Grünberg), der unter anderem die Verkleinerung des bestehenden derzeit 1,20 Meter breiten Gehwegs zu einem »Schrammbord« sowie die Pflanzung von vier Bäumen vorsieht. Dafür soll der gegenüberliegende Bürgersteig auf 1,75 Meter verbreitert werden und so insgesamt mehr Sicherheit bringen.

Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die Würfel schon gefallen und nach zwei Anliegerversammlungen und einem einstimmigen Votum des Magistrats die Baufirmen mit einer bereits modifizierten Variante des Sanierungsplans beauftragt worden.

Dennoch hatten die beiden Anlieger, die mit der Baubranche vertraut sind, nach eigenem Bekunden noch auf ein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister gehofft, um diesen auf »handwerkliche Fehler« hinzuweisen. Als sich das nicht abzeichnete, gründete Markus Kräter zum 1, Januar eine Facebook-Gruppe mit dem provokanten Titel »Schloss(er)allee«.

Dort schreibt Michler: »Wir wollen niemandem an den Karren fahren, wir wollen nur, dass sich die Situation nicht verschlechtert«. Allerdings wird in einem anderen Beitrag unterstellt, dass sich »der Planer zusammen mit den Verantwortlichen der Stadt Grünberg ein Denkmal setzen« wolle. Gleich am ersten Tag postete Markus Kräter zudem das Bild eines Verkehrsschildes, auf dem zu lesen steht: »Achtung, hier wird Scheiße gebaut«.

Bürgermeister Schlosser will sich an Diskussionen in sogenannten sozialen Netzwerken nicht beteiligen. Er reagierte am Dienstag mit einer Pressekonferenz, in deren Verlauf er auf den Ablauf der Maßnahme zurückblickte, und die Planer ihren Entwurf begründeten.

Erster Plan verworfen

Bei der ersten Anliegerversammlung am 13. Juli vergangenen Jahres stieß die vom Magistrat zunächst favorisierte Variante für den Ausbau auf Widerstand. Diese sah eine »Mischverkehrsfläche« ohne abgegrenzte Gehwege und eine Mittelrinne vor, wie man sie von Tempo-30-Zonen kennt. Außerdem sollten insgesamt fünf Bäume gepflanzt werden.

»Vor allem an den Bäumen störten sich viele««, erinnert sich Schlosser. Und weil auch unbedingt ein abgegrenzter Bürgersteig und die Möglichkeit, auf der Straße parken zu können, gewünscht worden seien, habe man das Büro Ohlsen um eine Überarbeitung des Plans gebeten.

Die neue Variante wurde in einer zweiten Anliegerversammlung am 27. Oktober vorgestellt, stieß aber ebenfalls nicht auf Begeisterung. Allerdings gab es keine konkreten Vorschläge. Bürgermeister Schlosser nahm an der Versammlung nicht teil, weil er im Urlaub war. Gleichwohl befand der Magistrat den neuen Plan für gut und gab grünes Licht für den Ausbau.

Nur vier Bäume

Wie Fank Lanfermann vom Ingenieurbüro Ohlsen ausführte, sei die Straße aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu schmal, um aktuellen Vorgaben für den Ausbau gerecht zu werden. Deshalb habe man sich entschieden, wenigstens auf einer Seite einen breiten Gehsteig zu schaffen, der ein sicheres und barrierefreies fortkommen ermögliche. Auf der gegenüberliegenden Seite halte das 75 Zentimeter breite »Schrammbord« den Verkehr auf Abstand zu den Grundstücken. Die Anwohner könnten weiterhin auf der Straße parken und die Anzahl der Bäume sei auf vier gekürzt worden.

Auf die Frage, ob mit den Rollstuhlfahrern gesprochen worden sei, antwortete Schlosser: »Es gab keine Beschwerden von Betroffenen.« Und eine komplett barrierefreie Lösung, wie sie ursprünglich geplant gewesen war, sei von der Mehrzahl der Anlieger abgelehnt worden. Schon im März sollen die Bauarbeiten beginnen. Das sei auch dringend nötig, so der Bürgermeister, denn der Kanal sei absolut sanierungsbedürftig.

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