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Schilderdienst Kroschke gibt in Grünberg auf

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Enttäuscht, aber noch hoffnungsvoll standen Hans-Walter Hofmeister (l.) und Rolf Nicolai im April hinter der gestutzten Hecke vor dem Container der Firma Kroschke. Inzwischen ist der Verkaufsraum abgebaut worden. Archivfoto: Kächler. © Klaus Kächler

Der Container ist schon abgeräumt und für die Stadt Grünberg ist der Fall erledigt. Der Schilderdienst Kroschke ist nach Gießen zur Zentrale der Zulassungsstelle des Landkreises umgezogen.

Grünberg . Der Schilderdienst Kroschke in Grünberg gibt auf. Der Container in der Nähe der Zulassungsstelle hinter der Gallushalle, in dem Nummernschilder und Autozubehör angeboten wurden, ist bereits abgeräumt. Zurück bleiben eine gestutzte Hecke und ein »erheblicher wirtschaftlicher Schaden«, wie Filialleiter Rolf Nicolai im Gespräch mit dem Anzeiger erläutert.

Vergeblich habe man versucht, nach einem »schlechten Start« Kontakt zur Stadt Grünberg aufzunehmen, um doch noch eine einvernehmliche Lösung zu finden. Diese hatte den einzig sinnvollen Zugangsweg zum Container des Schilderdienstes aus baurechtlichen Gründen sperren lassen und der Firma Kroschke - so sehen es jedenfalls Nicolai und sein Gebietsleiter Hans-Walter Hofmeister - »direkte Konkurrenz vor die Nase« gestellt (der Anzeiger berichtete).

Immer noch sei man maßlos enttäuscht vom Verhalten der Stadt, die sich »einfach nicht mehr gemeldet hat«. Dabei gebe es »erheblichen Redebedarf«, denn die Firma Kroschke fühlt sich ungerecht behandelt. »Wir sind davon überzeugt, dass bei der Ausschreibung für den Alternativstandort etwas nicht korrekt abgelaufen ist«, so Nicolai.

Auf Nachfrage beim zuständigen Hauptamtsleiter der Stadt Grünberg wird die Situation ganz anders dargestellt. Wie Edgar Arnold erklärt, könne von einer »nicht ordentlichen Ausschreibung« keine Rede sein. »Wir hatten ein Mindestgebot von 1500 Euro Monatspacht für die Fläche auf dem städtischen Gelände plus eine Beteiligung am Nettogewinn von 50 Prozent ausgeschrieben.« Die Firma Kroschke habe diese Vorgaben allerdings deutlich unterboten und sich damit quasi selber aus dem Verfahren genommen.

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. »Eine Monatspacht von 1500 Euro plus eine Beteiligung am Gewinn in Höhe von 50 Prozent, wie sie die Stadt gefordert habe, sei ›kaufmännischer Selbstmord‹«, so Nicolai. »Da kann doch etwas nicht stimmen.« Deshalb habe man ein »realistisches Angebot« abgegeben und sich immer wieder gesprächsbereit gezeigt, aber nie wieder etwas gehört.

Demgegenüber berichtet Arnold, dass sich zwischenzeitlich auch die Landeskartellbehörde mit dem Fall beschäftigt und an dem Verfahren der Stadt Grünberg nichts zu beanstanden habe. Für die Stadt sei der Fall damit erledigt.

»Klar handelt es sich um eine extreme Konkurrenzsituation«, räumt der Hauptamtsleiter ein. Aber genau deshalb sei man als Kommune sehr vorsichtig. Die Firma Kroschke habe jedoch gleich über einen Anwalt agiert. »Unser Rechtsbeistand hat uns daraufhin davon abgeraten, außerhalb des anwaltlichen Schriftverkehrs Kontakt aufzunehmen«, sagt Arnold zu dem Vorwurf, die Stadt habe sich nicht gemeldet.

Inzwischen ist der Schilderdienst Kroschke von Grünberg nach Gießen zur Zentrale der Zulassungsstelle des Landkreises im Bachweg umgezogen. Immerhin: Die beiden Mitarbeiterinnen aus der Filiale in Grünberg können dort weiter beschäftigt werden.

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