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Zum Abschluss der Ausstellung »Leben am Amazonas« im Weltladen Grünberg referierte Kulturanthropologin Dr. Karin Marita Naase im Barfüßerkloster über den tropischen Regenwald in Flammen.

Grünberg (hgt). Zum Abschluss der Ausstellung »Leben am Amazonas« im Weltladen Grünberg, in der großformatige Aufnahmen dreier brasilianischer Fotografinnen einen Einblick in die Lebenswelten im Amazonasgebiet gaben, referierte die daran beteiligte Kulturanthropologin Dr. Karin Marita Naase im Barfüßerkloster über den tropischen Regenwald in Flammen.

Naase hat 14 Jahre in Brasilien gelebt, war in der Entwicklungszusammenarbeit und Forschung am Museu Paraense Emilio Goeldi in Belém im Bundesstaat Amazonien tätig und hat dabei hautnah die Bedrohung des Regenwaldes in seiner Existenz erfahren. Sie hat von 2012 bis 2014 Forschungen am unteren Amazonas durchgeführt und stellte zu Beginn ein Foto mit den Kronen der Urwaldbäume dem Foto von weidenden Rindern auf einer gerodeten Urwaldfläche gegenüber. Dezidiert und mit viel Sachverstand beleuchtete sie die dafür verantwortlichen Aspekte und betonte, dass es derzeit viele Opfer rund um den Regenwald gibt. Praktisch werde um ihn auch ein Krieg geführt.

Bäume seien für das Gebiet der Regenwälder wichtig, weil damit 250 Milliarden Tonnen CO2 gebunden würden. Es gebe auf der Erde noch drei große Regenwaldgebiete in Indonesien, in der Demokratischen Republik Kongo und in Brasilien, wobei dort bereits 15 Prozent der Fläche zugunsten der Rinderzucht, des Holzeinschlags, des Anbaus von Soja und des Schürfens nach Gold vernichtet worden ist.

In den letzten 40 Jahren sind 457 Tausend Quadratkilometer Regenwald zerstört worden und diese Zerstörung schreitet weiter voran. Der Kipppunkt, an dem das biologische Gleichgewicht aus den Fugen gerät, liegt bei 25 Prozent. Jair Bolsonaro, der seit dem 1. Januar 2019 Präsident Brasiliens ist, betreibt eine rigide Politik und sieht im Regenwald nur einen Gegner, der seinen persönlichen und wirtschaftlichen Interessen entgegensteht. Ganz allgemein werden viele gesetzliche Bestimmungen umgangen und die indigenen Völker in ihren Territorien (insgesamt 14 Prozent der Gesamtfläche Brasiliens) an den Rand gedrängt.

Mehrere Faktoren

Hinzu kommt die Entwaldung durch Straßenbau, der dazu dient, die geernteten Sojabohnen zu den Silos und der weiteren Verschiffung zu bringen. Landraub und Morde sind dabei an der Tagesordnung, dabei gibt es viele Fälschungen von Eigentumstiteln. Die Arbeit der Umweltschutzbehörde, vorhanden sind Schutzflächen, die rund 37 Prozent der Gesamtfläche Brasiliens ausmachen, wird durch die Größe des Landes erschwert. Es gibt zwei Organisationen, die zusammen rund 8000 Mitarbeiter aufweisen. Dr. Naase fasste die Faktoren zusammen, die für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich sind: Der Bau von Wasserkraftwerken, der Bergbau und die Goldschürfung, die Brandrodung für Rinderzucht sowie der Sojabohnen- und Palmenanbau für Palmöl. Eine weitere Zerstörung des Regenwaldes im Amazonasgebiet wird unweigerlich zu einer weltweiten Klimakatastrophe führen, die heute schon mit den steigenden Temperaturen und dem Schmelzen der Gletscher und dem Polareis bedrohliche Formen angenommen hat.

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