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Werke ohne religiöse Botschaften

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Pfarrer Hartmut Miethe beschäftigte sich in seinem jüngsten Vortrag im Barfüßerkloster mit dem Maler Rembrandt (das Buchcover zeigt ein Selbstporträt des Künstlers). © Schütte

Pfarrer Hartmut Miethe beschäftigte sich jünst in seinem Vortrag im Rahmen des Jahresprogramms des Barfüßer-Förderkreis Kultur im Barfüßerkloster mit dem niederländischen Maler Rembrandt.

Grünberg (hgt). Pfarrer Hartmut Miethe beschäftigte sich am Sonntag in seinem Vortrag im Rahmen des Jahresprogramms des Barfüßer-Förderkreis Kultur im Barfüßerkloster mit dem niederländischen Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606 in Leiden geboren und 1669 in Amsterdam gestorben).

Miethe zitierte zu Beginn Aussagen bekannter Maler wie von Gustave Courbet: »Rembrandt bezaubert die Intelligenten, aber er betäubt und erschlägt die Dummen.« Oder von Paul Gaugin: »Alle Dinge hat Rembrandt mit einer mächtigen Pranke angepackt, er hat einen Mystizismus hineingelegt, der an die höchsten Grenzen menschlicher Fantasie reicht.«

Zeitgeist in Werken verarbeitet

Wie Miethe im Verlauf seines Vortrags ausführte, musste sich Rembrandt am Stil und Geschmack seiner Zeit orientieren, um seine Bilder auf den Markt zu bringen. Dabei gelang es ihm, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Ganz im Gegensatz zu van Gogh, der sich nicht am Zeitgeschmack orientierte, sondern sich ganz und gar seiner künstlerischen Leidenschaft widmete, und deshalb kaum Bilder verkaufen konnte.

Rembrandt, wie er sich mit seinem Vornamen nennen ließ, war ein Maler des Barocks und sein Schaffen fiel in das Goldene Zeitalter, als die Niederlande eine wirtschaftliche Blütezeit erlebten. Seine Eltern stammten aus einer Handwerksfamilie (Mühlenwesen und Bäckerei) und hatten für ihn eigentlich einen anderen Bildungsplan vorgesehen. Doch bereits auf der Lateinschule calvinistischer Prägung zeigte sich, dass Rembrandt kein leidenschaftlicher Schüler war. Das Studieren lateinischer Texte bereiteten ihm Schwierigkeiten. Dafür übten Malen und Zeichnen eine große Faszination auf ihn aus.

Nach einer Lehre bei dem begabten Maler Swanenburgh (1622-1624), dem die Eltern Kostgeld und Ausbildungsgebühren bezahlten, erfolgte noch eine Fortbildung bei dem Amsterdamer Künstler Pieter Lastman (1624-1625). Sein erstes Atelier eröffnete er 1625 in Leiden und siedelte 1631 nach Amsterdam um, wo er bald als Künstler gefeiert wurde. Sein erstes Gemälde war wohl die »Steinigung des heiligen Stephanus«. Als Maler, Radierer und Zeichner bildete er in seiner Werkstatt ab 1630 Lehrlinge aus und beschäftigte mehrere Mitarbeiter.

Ein intensives Schaffensjahr war 1632, das ihm Anerkennung bis in die höchsten Kreise bescherte. Er heiratete 1634 seine Frau Saskia, die Tochter des Kunsthändles van Uylenburgh (gestorben 1642), trat im selben Jahr in die Amsterdamer Lukasgilde ein und war danach ein anerkannter Bürger und Meister mit allen dazugehörigen Privilegien. 1641 wurde sein Sohn Titus geboren, der ihn im Alter unterstützte. Zeit seines Lebens litt er unter finanziellen Problemen, der Kredit für einen Hauskauf 1639 konnte nicht bedient werden und 1653 bat er um einen ehrenhaften Konkurs. Danach war er in der Kunstgalerie seines Sohnes angestellt und verstarb 1669 als verarmter Mann. Wie bei so vielen Künstlern erfolgte die Gewinnausschüttung auch bei Rembrandt posthum.

Während die religiösen Bilder van Goghs immer einen missionarischen Charakter hatten, weil er Menschen für den Glauben gewinnen wollte, sind die biblischen Bilder Rembrandts reine, wenn auch gute Illustrationen der Texte. Rembrandt hatte dabei keine religiösen oder politischen Botschaften im Herzen.

Kontraste als Markenzeichen

Er schuf unter anderem beeindruckende Porträts, historische Bilder, die bis dahin noch nicht künstlerisch bearbeitet worden waren, Geschichten aus dem Alltag, Landschaften sowie mythologische und biblische Werke. Sein Markenzeichen waren die ausgeprägten Hell-Dunkel-Kontraste, weshalb er als Meister des Chiaroscuro gilt, welches als ein erfolgreiches Mittel für die Tiefenwirkung gilt. Seine Bilder gehörten zur Ausstattung der prachtvollen Bürgerhäuser, zu denen auch die Porträts der jeweiligen Familien gehörten. Kaufleute, Pfarrer, Professoren und Handwerksmeister ließen sich aufwendige Porträts anfertigen, die wohl eine Haupteinnahmequelle für alle Künstler zwischen 1600 und 1700 in Amsterdam waren.

Bei Sammlern sehr beliebt

Der Klassizismus bewertete nach Rembrandts Tod die koloristische Malweise zwar negativ, doch erfreute er sich bei Sammlern einer großen Beliebtheit, die sich auch in den Preisen auswirkte.

Beginnend in den 1970er Jahren wurden Rembrandts Werke auf ihre Authentizität überprüft und von über 700 ihm zugeschriebene Bilder gelten heute etwa 350 als Werke von seiner Hand.

Der berühmte »Berliner Goldhelm« musste 1987 nach einer solchen Untersuchung sein Prädikat »von Rembrandt gemalt« abgeben. Außerdem sind etwa die Hälfte der Bilder von Rembrandt im Laufe der Zeit verloren gegangen und vermutlich ruhen noch viele seiner Werke unentdeckt in den Magazinen von Museen, Schlössern, Burgen und Klöstern.

Pfarrer Hartmut Miethe stellte im Laufe seines Vortrags einige Gemälde des niederländischen Künstlers vor, erläuterte diese und ordnete sie genregerecht ein. Zu den bekanntesten Werken Rembrandts gehören unter anderem »Die Nachtwache«, »Die Blendung Simons«, »Die Anatomie des Dr. Tulp« und »Das Hundertguldenblatt«.

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