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Wetterhahn hält die Stellung

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Die Grünberger Wehr ist mit der großen Drehleiter vor Ort und sichert das Gebälk im Kirchturm vor Schwelbränden. Foto: FFW Grünberg © FFW Grünberg

Wetterhahn auf dem Kirchturm in Queckborn hält die Stellung, Pfarrer: Reparaturkosten »im fünfstelligen Bereich«.

Grünberg (rrs) »Und Moses streckte seinen Stab aus gen Himmel, und Jehova sandte Donner und Hagel, und Feuer fuhr zur Erde…", heißt es in einem Bibel-Zitat. Starke Gewitter, die früher als Waffen der Götter gesehen wurden, haben auch heute mit ihrem Unwetterpotenzial nichts von ihren Schrecken verloren. Ganz so schlimm traf es Queckborn - Gott sei Dank - nicht, als ein Blitz mit ohrenbetäubendem dumpfem Knall in den Kirchturm einschlug.

Der vergangene Freitag war ein schwüler, drückend heißer Tag, das Atmen fiel schwer und schnelle Bewegungen vermieden sowohl Mensch als auch Tier. Gegen Abend zeigten sich am Horizont dunkle schwere Gewitterwolken, der Wind frischte auf und der Himmel öffnete seine Pforten - Starkregen, gemischt mit Hagelkörnern prasselte hernieder, Blitze zuckten durch die schwarze Wolkenwand und dumpf grollte der Donner. Um genau 18.40 Uhr aber fuhr ein Blitz mit ungeheurem Knall - so laut, dass er selbst im 15 Kilometer entfernten Lich noch als alles übertönende Explosion zu hören war und für Angst und Schrecken sorgte - in den Kirchturm ein. Zum Glück brach kein Feuer aus, da hatte wohl Gott ein Einsehen mit den Bürgern Queckborns.

»Von außen ist der Schaden nur an der stehenden Uhr und einigen wenigen abgesprengten Schindeln an der Turmspitze zu erkennen. Ganz anders im Inneren. Hier sauste der Blitz mit seinen Millionen Volt elektrischer Spannung über die elektrische Zuleitungen zur ersten Glocke, zerstörte Motor sowie Platine, passierte die zweite Glocke, machte der Platine in der Turmuhr den Garaus, bevor er im Inneren des Schaltkasten wütete. Die Platte mit den manuellen Schaltern für die Glocken wurde ganz aus dem Kasten herausgedrückt, die Hauptsicherungen ruiniert und die Platinen zeigen sich schwarz und verkohlt«, beschreibt Pfarrer Matthias Bink die Lage und ergänzt:»Die Heizung steht auf Störung, Steckdosen und Dimmer sind verkohlt, aber wir hatten Glück im Unglück. Es gibt keine Personenschäden, das Licht funktioniert noch und auch die Orgel ist vollkommen intakt. Unser stolzer Wetterhahn auf der Turmspitze hat wacker dem Blitz getrotzt und die Stellung unverletzt gehalten.«

Kurz nach dem Einschlag waren die Feuerwehren aus Queckborn, Harbach, Göbenlrod und Grünberg schon vor Ort. Die Grünberger Floriansjünger hatten ihre große Drehleiter mitgebracht, sodass der Kirchturm unter Atemschutz von innen und außen kontrolliert werden konnte - mit dem beruhigenden Ergebnis: Alles ist glimpflich ausgegangen. Abends gegen 22 Uhr wurde an der Kirchturmspitze noch mal die Temperatur überprüft, um Schwelbrände auszuschließen. Pfarrer Bink rechnet mit Reparaturkosten im fünfstelligen Bereich. »Genau können die Kosten noch nicht beziffert werden, ein Sachverständiger der Versicherung soll in nächster Zeit die Schäden begutachten.« Auf Nachfrage bei einer großen Versicherung wird klar, dass es fundamental wichtig ist, den Verlauf des Blitzschlags genau zu untersuchen. Versicherungen unterscheiden nämlich zwischen Schäden durch direkten Blitzeinschlag oder durch das Spannungsfeld des Blitzes. Das hat dann Einfluss auf die Übernahme der Kosten. Es können also noch unangenehme Überraschungen auf die Gemeinde Queckborn zukommen.

»Zu allem Unglück haben wir am Sonntag Konfirmation. Es wird die erste Konfirmation ohne Glockenläuten nach dem zweiten Weltkrieg sein. Dafür blieb aber die Kniebank unbeschädigt und die Orgel wird spielen«, tröstet Pfarrer Bink und freut sich: »In der Zwischenzeit funktionieren im Pfarramt Telefon sowie Internet wieder, die Waschmaschine läuft und die Heizung stellt warmes Wasser bereit. Das normale Leben ist, jedenfalls teilweise, wieder zurück.«

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