1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Heuchelheim

»Arktis wird als Letztes aufgeben«

Erstellt:

»Die vier Elemente - wie ist die Welt zu retten?«, lautete der HENEF-Vortrag in Heuchelheim. Referent war Prof. Dr. med. Gerhard Alzen.

Heuchelheim (red). Das Heuchelheimer Energieeffizienz-Forum HENEF veranstaltete den facettenreichen Vortrag »Die vier Elemente - wie ist die Welt zu retten?« im Forum der Firma Rinn und gleichzeitig für Online-Teilnehmende. Prof. Dr. med. Gerhard Alzen, früherer Leiter der Kinderklinik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, studiert begeistert klimaorientierte Geowissenschaften an den Universitäten in Göttingen und Frankfurt. »Wir werden heute die grundlegenden Zusammenhänge des Klimas verstehen, die die Basis für die Arbeit des HENEF ist«, so Jürgen Engelhardt in der Einführung. Landtagsabgeordnete Katrin Schleenbecker, war eigens für diesen Vortrag aus Wiesbaden angereist.

Ausgehend von den vier Elementen der Antike, Erde, Feuer, Wasser, Luft werde in der Moderne noch die Biodiversität hinzugefügt. Alle Komponenten stünden in langfristigen Kreisläufen im Zusammenhang und bestimmten das Klima seit Jahrmillionen. So verursachten Kontinentaldriften Spannungen, die sich in Vulkanausbrüchen und Aufwerfungen von Gebirgen auswirkten. Kritisch seien Vulkanausbrüche mit Partikel-Eruptionen bis in die Stratosphäre hinein. Dabei komme es zu Rückspiegelungen des Sonnenlichtes was bis zu zehnjährigen Temperaturreduzierungen folgen könne, so Alzen.

Die Erde benötige ein »Treibhausklima« damit menschliches Leben überhaupt erst möglich sei. Dieses werde insbesondere durch die Gase Wasserdampf sowie CO2 gebildet. »Vor hundert Millionen Jahren hatten wir eisfreie Pole bei einer CO2-Konzentration von 1000 ppm. Mehrere Eiszeiten hatten wir bei 180 ppm. Heute sind es 415 ppm«, so der geowissenschaftlich interessierte Alzen. Als Senken oder Speicher für CO2 fungierten im sehr großen Stil Böden, Steine und Gebirge, sowie die Entstehung von Kalksteinen, die über Phytoplankton und Schalentiere unter Einschluss von CO2 gebildet würden. Im großen Maße werde CO2 in den Ozeanen zudem in flüssiger Form, der Kohlensäure, eingelagert.

Korallenriffsterben

Der Preis dafür sei eine Versauerung der Ozeane was zum Absterben von weltweiten Korallenriffen führe. Zudem steige die Carbonat-Kompensationstiefe bei der das vorher in kalkhaltigen Schalen gebundene CO2 wieder freigesetzt würde, führte der Referent aus.

Eindrucksvoll die Darstellung der gewaltigen Kalt-und Warmwasserströmungen rund um den gesamten Erdball. Am bekanntesten und für uns lebensbestimmend ist der Golfstrom. »Die Antarktis verfügt um einen sehr kalten Zirkumpolarstrom, bei dem Eisberge um die Antarktis herumschwimmen können, ohne zu schmelzen. Dadurch wird die Antarktis als Letztes aufgeben.« Bekannt sei, dass die CO2- Konzentration in der Luft seit Jahrzehnten ansteige was über die sogenannte Süss-Methode eindeutig auf den menschlichen Einfluss zurückgeht. Über die globalen Luftbewegungen, bedingt durch die Sonneneinstrahlung und Lichtreflexionen, die sich durch die Verteilung von Landmassen, Wasser- und Eisflächen ergeben, werde ein entscheidender Wetter-Einfluss ausgeübt. Einbezogen ist die Feuchtemenge der Luft, die durch eine höhere Temperatur zunehme. Dieses wiederum führe unweigerlich zu lokal heftigeren Abregnungen aber auch zu Wirbelstürmen und Tornados. Andererseits schreiten die Dürregebiete auch in unseren gemäßigten Breitengraden sowie die Versteppung und Ausbreitung der Wüsten voran. »Sie können knietief im Wasser stehen und haben doch nicht genügend sauberes Wasser zur Verfügung. Gutes Beispiel der fortschreitenden Wasserknappheit sei der Vogelsberg, der über Gebühr das Rhein-Main-Gebiet mit Trinkwasser versorgen muss«, so Alzen.»Sinnvoll sowie einzig und alleine kann unser CO2-Problem nur mit direkter und indirekter Sonnenenergie wie PV, Wind, Wasser und Erdwärme gelöst werden. Dieses muss mit einem geänderten Konsumverhalten einhergehen.«

Auch interessant