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Aus Hochschulen rekrutieren

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Frank Kreiling Foto: Ewert © Ewert

Heuchelheim (wf). Die 100 Jahre alte Raumausstatter- und Sattlerinnung Gießen/Lahn-Dill gehört mit ihren 20 ordentlichen und weiteren vier Ehren-, Senioren- und Gastmitgliedern zu den kleineren der 21 Handwerksinnungen, die in der Kreishandwerkerschaft Gießen organisatorisch zusammengefasst sind.

Die »relative Größe« der heimischen Raumausstatter-Innung spiegelt sich auch in den Ausbildungszahlen. Und daraus, so Obermeister Frank Kreiling in seinem Bericht vor der Innungsversammlung in Heuchelheim, erwächst dem Gewerk ein Problem. Zur letzten Gesellenprüfung vor wenigen Monaten traten zum Abschluss ihrer dreijährigen Lehrzeit lediglich fünf Prüflinge in den Räumen der Willy-Brandt-Kreisberufsschule an, so wenige wie nie zuvor. Allerdings, so Fachlehrerin Gudula Knübel, entspanne sich die Situation offensichtlich bei derzeit 15 Auszubildenden/Berufsschülern im ersten, neun im zweiten und elf im dritten Lehrjahr.

Dennoch zieht laut Knübel und Kreiling die insgesamt hessenweit zurückgehende Zahl der Auszubildenden die Frage nach den Schulstandorten bezüglich deren Erhalt oder Zusammenlegung nach sich. Eine Antwort auf diese wichtige Frage ist derzeit noch nicht gefunden, das Thema bleibe aber auf der Tagesordnung. Die »Patentlösung« sehen Schule und Betriebe in einer Steigerung der Lehrlingszahlen. Klingt einfach, ist jedoch alles andere als leicht umsetzbar.

Mehr Anerkennung gefordert

Obermeister Kreiling schöpft im Blick aufs gesamte Handwerk »ein wenig Hoffnung« aus der Tatsache, dass sich der Anteil der Studienabbrecher an Universitäten und Hochschulen auf 30 Prozent zubewege. Diese Entwicklung sei aus Sicht der Hochschulen sicher eine ungute, das Handwerk allerdings könne davon profitieren. In diesem Zusammenhang sei es wichtig und immer dringlicher, dass Politik und Gesellschaft endlich die Gleichwertigkeit akademischer und gewerblicher/handwerklicher Ausbildung anerkennen und fördern.

Eine kleine positive Nachricht hatte Gudula Knübel für das heimische Raumausstatter-Handwerk parat. Danach beabsichtigt der hessische Berufsbildungsausschuss, den Praktischen Leistungswettbewerb, an dem jährlich die besten hessischen Junggesellinnen und Junggesellen des Raumausstatter-Handwerks teilnehmen, nach Gießen zu verlegen.

Obermeister Frank Kreiling und seine Stellvertreterin Dörte Gast (beide aus Heuchelheim) vertraten die Innung Gießen bei der Obermeister- und Delegiertentagung in Darmstadt. Ein Vortrag der Berufsgenossenschaft befasste sich dort mit dem Thema »Unfälle und Renten im Raumausstatter-Handwerk«. Kreiling nutzt die Innungsversammlung in der »Turnhalle« zu dem Hinweis an die Betriebsinhaber, zur eigenen wie auch zur Sicherheit ihrer Beschäftigten genau auf die Arbeitsschutzvorschriften zu achten.

Leiterunfälle besonders häufig

»Größter Posten« für Unfallrenten seien nämlich Unfälle mit Leitern und Tritten. Und lediglich neun Prozent der meldepflichtigen Arbeitsunfälle verursachten und führten zu 36 Prozent der Unfallrenten.

Kreiling appellierte, nur intakte und geprüfte Leitern zu verwenden sowie Leitern und Gerüste nochmals umzubauen, um ihre Standsicherheit zu gewährleisten.

Mit 40 Prozent entfällt der größte Anteil an den gemeldeten Arbeitsunfällen auf Schnittverletzungen. Ein handfestes Zeichen und Argument dafür, bei der Arbeit Handschuhe mit Schnittschutz zu verwenden. Ein kleiner Trost: Arbeitsunfälle wegen Schnittverletzungen verursachten allerdings »null Prozent« der Unfallrenten im Raumausstatter-Handwerk.

Der Obermeister kam nicht umhin, die Pandemie und vor allem den Krieg in der Ukraine - »dieser wirkt sich auf das Handwerk schlimmer aus als Corona« - zu erwähnen. »Als Folge dieser Entwicklung ist die Kaufzurückhaltung der Menschen deutlich spürbar«, was sich auch in den Auftragsbüchern des Raumausstatter-Handwerks negativ bemerkbar mache.

Meik Sänger, Fachkraft für Arbeitssicherheit in Diensten der Kreishandwerkerschaft Gießen, stellte in der Innungsversammlung die »Sicherheitstechnische Beratung und Betreuung« als eine noch junge Abteilung der KH vor. Wegen der großen Nachfrage ist sie auf drei Mitarbeiter angewachsen. So wurden im noch laufenden Jahr 78 Betriebe unterschiedlicher Gewerke, die an 163 Standorten in Stadt und Kreis Gießen 2237 Mitarbeiter beschäftigen, betreut. Sänger erinnerte daran, dass der Gesetzgeber für jeden Betrieb die Umsetzung einer sicherheitstechnischen Beratung, die mehr umfasst als eine Ausstattung mit Schutzausrüstung, fordert.

Mit der neuen Abteilung bietet die Kreishandwerkerschaft Gießen ihren Innungen mit mehr als 1100 Betrieben diese Beratung als besondere Dienstleistung an.

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