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»Die Technologie der Zukunft«

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Thorsten Horn. Foto: Smat © Smat

Unter dem Aspekt »Ist die Wärmepumpe eine sinnvolle Alternative?« referierte Diplomingenieur Thorsten Horn auf Einladung des Energieeffizienz-Forums Heuchelheim (Henef).

Heuchelheim (eas). Unter dem Aspekt »Ist die Wärmepumpe eine sinnvolle Alternative?« referierte Diplomingenieur Thorsten Horn auf Einladung des Energieeffizienz-Forums Heuchelheim (Henef).

Laut Jürgen Engelhardt, Organisator des Henef, haben rund 230 Menschen dem Vortrag gelauscht: Etwa 120 in Präsenz und 110 online. Vor Ort waren auch Dr. Manfred Ehlers, Erster Beigeordneter des Gemeindevorstands Heuchelheims und Kinzenbachs sowie Christian Rinn, Geschäftsführer des Unternehmens Rinn und Gastgeber für den Vortrag.

»Ich persönlich bin Fan der Wärmepumpen«, verrät Engelhardt. »Es ist die Technologie der Zukunft, aber bei Bestandsbau muss man genau hingucken.« Genau das war der Fokus des Vortrags: Bestandsbau. Pauschal ließe sich nicht sagen, ob und welche Art von Wärmepumpe für ein schon stehendes Gebäude zu empfehlen sei. »Das muss individuell geprüft werden«, sagt der Sachverständige für Wärmepumpen, der Teil des Bundesverbands Freier Sachverständiger ist. Das Haus müsse unter Umständen zunächst »energetisch und heizungstechnisch umgebaut werden«. Daher soll sich jeder Interessent einer Wärmepumpe die Frage stellen: »Lohnt sich dieser Aufwand?« Da rund 53 Prozent der CO2-Emissionen im Haushalt durch die Heizung aufkämen, sei laut Horn eine Wärmepumpe »ökologisch sinnvoll«, denn diese seien vor Ort emissionsfrei.

Hoher Strombedarf

Jedoch sei der Stromaufwand einer Wärmepumpe und diese Kosten auch zu beachten. Die von den initialen Kosten günstigere Luft-Wasser-Wärmepumpe ist im Kreis Gießen möglicherweise nicht effizient genug und verbraucht so oft sehr viel Strom. In einem Beispiel rechnet der Experte mit Stromkosten bei 0,45 Euro pro Kilowattstunde von circa 6899 Euro bis 10 894 Euro im Jahr bei einer Luft-Wasser-Pumpe. Diese Kosten hängen von der benötigten Vorlauftemperatur ab.

Im Vergleich rechnet Horn mit Stromkosten von rund 4928 Euro pro Jahr bei einer Sole-Wasser-Pumpe. Diese benötigt jedoch Bohrungen und das Einlassen einer Erdwärmesondenanlage, was zusätzliche Anschaffungskosten bedeutet. Ebenso muss damit gerechnet werden, dass große Gerätschaften für das Bohren in den Garten gestellt werden und Gräben für die Leitungen gegraben werden müssen. Jedoch lohnt sich eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Vergleich zu einer Luft-Wasser-Wärmepumpe bereits nach rund 6,8 Jahren, erklärt Horn.

Ebenso nachteilig bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist einerseits die Geräuschlast der Außenteile, die bei Volllast bei 36 bis 54 Dezibel liegt, andererseits die schnelle Vereisung bei zu hoher Luftfeuchtigkeit. Im Kreis Gießen sei diese im Winter leider oft zu hoch, wie auch am häufigen Nebel zu erkennen ist. In Kombination mit einer Fotovoltaikanlage und einem Stromspeicher können Kosten weiter gesenkt werden. Eine neue Fotovoltaikanlage ist jedoch oft nicht in Förderungen mit einbegriffen. Je nach Förderungsplan kann bei der Anschaffung einer Wärmepumpe ein Zuschuss von bis zu 40 Prozent erreicht werden. Dafür muss die Wärmepumpe aber eine Prüfung überstehen, dass sie effektiv genug ist.

Es sei im Moment schwierig, Genaueres über die Entwicklungen der Förderungen zu sagen. »Die Lage ist aktuell äußerst dynamisch. Zuverlässige Planung ist da nicht möglich«, sagt der Sachverständige. Wer auf eine Hybridanlage von Wärmepumpe und Öl- oder Gasheizung setzen möchte, ist von Förderungen ausgeschlossen. Ein weiterer Vorteil der Wärmepumpen: Mit richtiger Ausstattung ist auch eine Kühlung der Räume möglich. Das Kühlen in den warmen Monaten erhöht bei Erdsonden sogar deren Heizeffektivität, wenn die Heizperiode beginnt.

Der nächste Vortrag des Henef findet am 25. Januar 2023 um 19 Uhr zum Thema »Versorgung mit Strom und Erdgas« mit den Themen »Wie ist die aktuelle Versorgung/Fakten« »Mangellagen und Versorgungssicherheit« und »Energiesicherungsgesetz/Aktuelle Verordnungen« im Mehrzweckgebäude statt. (eas)

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