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»Ein sehr nachhaltiges Quartier«

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Lukas Wagner von den SWG, Andreas Fuchs, Noell Bopf von Faber & Schnepp, Carsten Sann, Matthias Funk und Lars Burkhard Steinz (von links) haben auch die energetische Entwicklung des Rinn & Cloos-Geländes im Blick. © Scholz

Auf dem Rinn & Cloos-Gelände in Heuchelheim entsteht ein neuer Ortskern. Er soll auch energetisch auf neuestem Stand sein.

Heuchelheim. Einen neuen Ortskern schaffen. Das ist die große Idee für das Rinn & Cloos-Gelände. Auch energetisch und unter Aspekten des Klimaschutzes soll dieser Kern modern werden. »Wir gehen davon aus, dass die Wohnbebauung Photovoltaik haben wird, und dass die, die E-Autos haben, sich ihren Strom selbst produzieren. Es soll ein sehr nachhaltiges Quartier werden«, sagt Bürgermeister Lars Burkhard Steinz. Einen weiteren Schritt in Richtung dieser energetischen Modernisierung gehen »Faber & Schnepp« und die Stadtwerke Gießen (SWG) jetzt schon. »Wir starten mit den ersten acht E-Ladestationen für Mieter unseres Gewerbeparks. Wir hoffen, dass wir sie zeitnah in Betrieb nehmen, und den Mietern zur Verfügung stellen können«, erklärt Carsten Sann. Der Projektentwickler des Bauunternehmens berichtet zudem, dass viele Ideen aus dem »Masterplan Heuchelheim 2040« in die Gestaltung einflössen.

E-Mobilität, Photovoltaik und Carsharing

Stille‹? Nein! Schon jetzt ist richtig was los auf dem Rinn & Cloos-Gelände, das derzeit rund 85 Mieter beherbergt. In den nächsten Jahren werden die rund 3,5 Hektar ihr Gesicht deutlich verändern. »Unser Ansatz ist, so viel wie möglich von den historischen Gebäudestrukturen in das Quartierskonzept mit den Neubauwohnungen einfließen zu lassen. Ein wesentlicher Faktor der Symbiose von Alt und Neu ist, den historischen Industriestil nach vorne zu bringen«, erläutert Sann. Übermäßig stark verplanen wolle man das Gelände allerdings nicht. »Es soll so aufgebaut sein, dass man sich wohlfühlt. Viel Charakter, viel Frei- und Erholungsfläche. Die Autos wollen wir so weit wie möglich raushalten und auch auf Carsharing setzen«, führt der Projektentwickler aus. Mit an Bord auf dem Rinn & Cloos-Gelände sind die Stadtwerke Gießen.

»Der höchste Endenergiebedarf wird hier der Wärmebedarf sein«, meint Matthias Funk. Technischer Vorstand der SWG. Schon jetzt werde er aus einer Biogasanlage gedeckt. Funk: »Diese Anlage ist optimiert für Gülle und Futterreste. Natürlich werden auch ein paar Energiepflanzen verwendet, die aber den deutlich kleinsten Anteil ausmachen.«

Funk lobt das Gesamtkonzept für das Gelände. Er sehe häufig, dass alte Ortskerne durch Sanierungen oder Denkmalschutz-Auflagen leblos würden. .Genau dagegen arbeite der Heuchelheimer Ansatz, der auf dem zentralen Platz des neuen Quartiers Veranstaltungen oder auch Märkte vorsehe. »Was auch für uns gut ist: Wir sind ein experimentierfreudiges Unternehmen. Wir arbeiten natürlich immer gern mit Leuten zusammen, bei denen wir sagen können: Wir haben da eine Idee, kennen aber nicht zwingend den Ausgang. Das kann man nur mit Leuten machen, bei denen der Handschlag noch einen Wert hat. Und wo wir auch sagen können: Okay, war nix, wir bauen wieder zurück«, hebt Funk mit Blick auf die Zusammenarbeit mit »Faber & Schnepp« hervor.

»Strom dezentral produzieren und lokal nutzen«

Es könne durchaus sein, dass die Stadtwerke das eine oder andere Leerrohr legten, weil »wir heute auch noch nicht genau wissen, wie sich die Mobilität in der Zukunft entwickelt. Gibt es vielleicht mehr E-Fahrräder?«, skizziert der Vorstand die auch auf die Zukunft ausgerichtete Arbeit in dem neuen Quartier. Auch E-Speicher seien generell zu bedenken. »Wir müssen mit den Bauherren reden, Plätze vorzuhalten. Die Speicher sind noch relativ kostenintensiv. Aber habe ich den Platz, dann bin ich vorbereitet«, so Funk. Man sehe gerade, wie »die Energiepreise steigen. Batteriespeicher werden tendenziell eher günstiger. Das Delta, das heute die Unwirtschaftlichkeit ist, wird sich schließen. Es ist genau richtig, den Strom dezentral zu produzieren und dann auch lokal zu nutzen. Das zu beachten, wird Teil des Wettbewerbs zum Rinn & Cloos -Gelände sein«, ergänzt Andreas Fuchs, Leiter Vertrieb und Kommunen bei den Stadtwerken. Rund um den neuen Ortskern befänden sich viele Wohnhäuser. »Warum soll man nicht hierhin fahren, um zu laden. Es macht ja keinen Sinn, wenn jeder sich eine Ladesäule vor die Tür baut. Diese Säulen sind zukünftige Treffpunkte - genau das will man ja auf dem Rinn & Cloos-Gelände aufbauen«, betont der Vertriebsleiter. Beim »Masterplan Heuchelheim 2040«, von dem vieles in die Gestaltung des Geländes einfließen soll, hätten zahlreiche Bürger Interesse an Rinn & Cloos geäußert. »Deshalb schaffen wir eine Arbeitsgruppe, die das Ganze als eine Art Bürgerbeirat begleiten wird. Jetzt steht der Architektenprozess an. Aber in der späteren Ausgestaltung nehmen wir gern Interessen der Bürger auf. Sie werden vorbehaltlos geprüft«, zeigt der Bürgermeister die Perspektive. Die Gruppe habe sich aber noch nicht konstituiert. Steinz: »Der Masterplan umfasst 40 Einzelprojekte, in die wir uns in den nächsten 20 Jahren vertiefen wollen. Die Projekte werden aber nur umgesetzt, wenn die Bürgerschaft mitarbeitet. Das ist kein Projekt der Verwaltung. Es ist ganz wichtig, das zu betonen, um keine falschen Erwartungen zu wecken.«

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