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In der neuen Welt des Fahrens

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Heuchelheim (red). Das HENEF in Heuchelheim hatte Dipl. Ing Rainer Kling zu einem Präsenz- und Online-Vortrag über »Die E-Mobilität im Kampf gegen den Klimawandel« eingeladen. Zuvor bedankte sich Jürgen Engelhardt beim Ersten Beigeordneten Dr. Manfred Ehlers für die Investition der Gemeinde in eine leistungsfähige technische Ausstattung für Vortragsveranstaltungen.

Einleitend verwies der Referent auf den destruktiven Charakter der E-Mobilität für die gegenwärtige Automobilindustrie. Deutlich weniger mechanische Teile am Kraftfahrzeug bedeuten weniger Arbeit und eine geringere Wertschöpfung. Das mache einen Transfer von Arbeitskräften in andere Branchen und Bereiche notwendig. »Denken Sie dabei an die Einführung des Webstuhls oder der digitalen Fotografie.« Doch wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner in anderen industriellen Segmenten wie der Batterietechnik, den elektronischen Steuerungen und der Datentechnik, so Rainer Kling. Beispielsweise profitiere das Logistikunternehmen DHL bereits jetzt von den geringen Betriebskosten der elektrischen Zustellerfahrzeuge.

Doch wie lassen sich die CO2-Emissionen auf null reduzieren und ist dieses wirtschaftlich beziehungsweise ökologisch sinnvoll? Dazu wird eine vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Grundsatzstudie herangezogen, welche die Wirkungsgrade diverser Energieformen von der Herstellung bis zur Nutzung untersucht.

Die grundlegende Forderung daraus ist, den Strom regenerativ zu erzeugen. Gegenstand der Betrachtung sind batterieelektrische Antriebe, die Herstellung von Wasserstoff sowie von künstlichen Kraftstoffen - letztere übergangsweise genutzt in »Verbrennern«. Benötige man für das Fahren eines batterie-elektrischen Autos eine bestimmte Menge (regenerativen) Strom, so würde bereits der doppelte Anteil Strom für ein Wasserstoff-Mobil notwendig werden und für ein konventionelles Kfz, betankt mit künstlichem Kraftstoff, sogar das Siebenfache. Dieses Verhältnis gelte ähnlich für die Kosten pro gefahrenen hundert Kilometern. »Die Betriebskosten eines E-Mobils sind heute schon deutlich unter denen eines Verbrenners und das wird im Laufe der Jahre noch günstiger. Außerdem ist das der einzig sinnvolle Weg zur Klimaneutralität«, so der Referent.

»Wasserstoff ist zukünftig interessant, aber man muss aufpassen. Denn, wenn heute über grünen Wasserstoff gesprochen wird, ist es in Wirklichkeit oft grauer oder schwarzer, also mit CO2-Emissionen belasteter Wasserstoff«, weiß Rainer Kling.

Ein nicht unwesentliches Entscheidungskriterium in der Konfiguration eines E-Mobils seien die Batterieverschleißkosten, die sich durch die etwa tausend Ladezyklen in der Lebensdauer einer Batterie ergäben, die selbst bis zu vierzig Prozent der Anschaffungskosten eines E-Autos ausmachen könnten. Mit hohen Fahrleistungen pro Jahr kämen dadurch Kosten von fünf bis zehn Euro pro hundert Kilometer bei einer Batteriekapazität von vierzig Kilowattstunden zustande. Bei geringer Laufleistung könnte dies bis zwanzig Euro ansteigen. »Die Batterieverschleißkosten sind direkt proportional zu den Fahrleistungen. Es ist daher ratsam, die Batteriekapazität nicht zu groß zu wählen, sondern dem individuellen Fahrprofil anzupassen«, so der Experte.

Wichtig für einen langen, unbeschwerten Gebrauch eines E-Autos sei die Behandlung der Batterie gemäß den Garantiebedingungen der Hersteller. So lägen die garantierten Fahrkilometer je nach Modell zwischen 160.000 und 1 Million Kilometer - bei Behandlung gemäß Betriebshandbuch. »Bei Nichteinhalten könnten sehr schnell auch nur 60 000 Kilometer erreicht werden«, führte Rainer Kling aus.

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