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»Pflegenest« als Problemlöser

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Von: Frank-Oliver Docter

Die Heuchelheimer Gemeindevertretung befasste sich auf ihrer Sitzung mit dem Nachtragshaushalt, durch den zusätzliche Kinderbetreuungsplätze und eine Umweltstation finanziert werden sollen.

Heuchelheim . Die Kinderbetreuung - egal, ob nun in einem Lebensalter von unter (U3) oder über drei Jahren (Ü3) - gehört heutzutage zu den kostenintensivsten Aufgaben, die Kommunen zu finanzieren haben. Allein in Heuchelheim würde es rund eine halbe Million Euro kosten, nur zehn Kinder fünf Jahre lang in Gemeinde-Kitas betreuen zu lassen, berichtete Bürgermeister Lars Burkhard Steinz (CDU) bei der Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend. Hier kommen schnell Millionenbeträge zusammen. Noch dazu sind freie Plätze wie ebenso der Raum für solche Einrichtungen schwer zu finden. Im Rathaus möchte man daher 149 Quadratmeter Innen- und 62 Quadratmeter Terrassenfläche des benachbarten »Seniorenzentrums Heuchelheim« der Firma ABID erwerben. Hier soll ein »Pflegenest« eingerichtet und zusammen mit dem Verein »Eltern helfen Eltern« betrieben werden. Betreut werden die Kleinen künftig von Tageseltern.

Der Kaufpreis zuzüglich weiterer Kosten liegt bei voraussichtlich 480 000 Euro. Bezüglich der Einrichtungskosten geht Steinz von allenfalls 5000 Euro aus, da sich Mitarbeiter des ortseigenen Bauhofs darum kümmern sollen. Hierbei geht es unter anderem um die Schaffung eines Ruheraums, was durch »eine einfache Unterteilung der beiden großen Räume herzustellen ist«, zeigte er sich überzeugt. Das insbesondere vom Bürgermeister vorangetriebene Projekt wird jedoch bei SPD und Grünen eher kritisch gesehen, wenngleich man auch dort um die Dringlichkeit zusätzlicher Betreuungsplätze weiß. In einem gemeinsamen Antrag wollten beide Fraktionen vom Rathauschef Auskünfte erhalten.

Zwei Tageseltern

Da ist zum einen die Frage, wie viele der Kleinen im »Pflegenest« überhaupt täglich auf einmal betreut werden können. Laut dem Verein »Eltern helfen Eltern«, der Miete für die Räumlichkeiten an die Gemeinde zahlen wird, seien das »zehn Kinder, verteilt auf zwei Tageseltern«, ließ Steinz wissen. Zugleich machte er deutlich, dass ein »Pflegenest« kein Kindergarten oder -tagesstätte sei und somit »nicht der Fachaufsicht des Landkreises unterliegt«. Daher würden hier »andere Anforderungen« gelten.

Ob letztere nun geringer oder höher sind, führte er zwar nicht aus. Dafür betonte der Christdemokrat die Vorteile dieses Arrangements. So werde »unter dem Strich das reguläre Kindergartensystem entlastet«. Und die Gemeinde spare gleichzeitig »bedeutende finanzielle Mittel ein, da die betreuten Kinder bei Tageseltern in der Regel unter zwei Jahre alt sind«. Müsste das in einer »regulären« Gemeinde-Kita geschehen, würde dies inklusive Personalkosten und Volltageszeitbetreuung jährlichen Kosten in Höhe von mindestens 100 000 Euro entsprechen, rechnete er vor. Außerdem sei die Gemeinde vor Folgekosten durch etwaige Klagen von Eltern «geschützt«, die auf diesem Wege versuchten, einen Platz zu bekommen. Und auch auf der Personalseite erwartet sich Steinz »eine sehr deutliche Entlastung«.

Neben den Kosten für das »Pflegenest« wurde am Dienstag auch die Finanzierung des zweiten im Nachtragshaushalt enthaltenen Projekts auf den Weg gebracht: Die Umweltstation, die am Kahnplätzchen am Rande der Lahnaue zwischen der Eislauffläche und dem Sportplatz der TSF Heuchelheim entstehen soll. Bislang steht diese noch auf der Wettenberger Hardt, nun erwirbt sie Heuchelheim für einen Euro vom Deutschen Wetterdienst. Für Umzug und Aufstellung der Einrichtung, die unter anderem zur Umwelterziehung von Schülern genutzt werden soll, sind 480 000 Euro einkalkuliert. Es könnten hierfür allerdings noch 200 000 Euro Förderung aus dem Leader-Programm der EU fließen.

»Teuer ankaufen?«

Bei den Abstimmungen über die einzelnen Unterpunkte des Nachtragshaushalts wie etwa Satzung oder Investitionsprogramm gab es zwar keine Gegenstimmen aus Reihen der Parlamentarier, doch zeigen die zahlreichen Enthaltungen von Politikern der SPD und Grünen die dort herrschende Skepsis bezüglich mancher Inhalte. »«Wollen wir in Zukunft alle Probleme lösen, indem wir teuer etwas ankaufen?«, fragte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stephan Henrich. Zumindest an diesem Tag erhielt er keine Antwort darauf.

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