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Schmuckstück nach dem Großbrand

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Von: Frank-Oliver Docter

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Die neue Kindertagesstätte steht an derselben Stelle wie das 2019 abgebrannte Vorgängergebäude. Foto: Docter © Docter

Die Kita »Kunterbunt« in Heuchelheim wurde offiziell eingeweiht. Bei der Eröffnungsfeier blickten die Beteiligten auf die Ereignisse nach dem verheerenden Brand der »Rappelkiste« vor drei Jahren zurück.

Heuchelheim . Der Pfingstsonntag 2019 wird sicherlich vielen Heuchelheimern für immer in unguter Erinnerung bleiben. An diesem Tag wurde das Gebäude der Kita »Rappelkiste« in der Kindergartenstraße durch ein Feuer, das zwei junge Brandstifter verursacht hatten, nahezu komplett zerstört. Die »schwarze Wolke« über dem Ort habe schon aus mehreren Kilometern Entfernung das Schlimmste befürchten lassen, blickte jetzt Michaele Bellof auf jenen Tag zurück. Für die scheidende Gesamtleiterin der Heuchelheimer Kindertagesstätten wie auch ihre Nachfolgerin Melanie Hofmann und alle Zeugen der damaligen Ereignisse war es ein ganz besonderer Moment, als am Dienstagabend der an selber Stelle entstandene, rund 3,4 Millionen Euro teure Neubau mit der Eröffnungsfeier offiziell eingeweiht wurde. Die 120 Kinder, die hier in sechs altersübergreifenden Gruppen und einer Nestgruppe betreut werden, hatten ihn dagegen bereits vor wenigen Wochen in Besitz genommen.

Kinder wählen

Neu ist auch der Name: »Kunterbunt« heißt die Kita nun. Diesem Namensvorschlag hätten die Kinder bei ihrer Abstimmung mit deutlicher Mehrheit den Vorzug vor der Alternative »Zauberstern« gegeben, wusste Hofmann zu berichten. Mit einer Gesamtnutzfläche von etwa 1500 Quadratmetern, inklusive großer Küche, Speisesälen und Sanitärbereichen, steht den Kindern sowie den 25 Erziehungskräften und Pädagogen jetzt deutlich mehr Platz als im vorherigen Gebäude zur Verfügung.

»Es war für alle ein Riesenschock«, begann Bürgermeister Lars Burkhard Steinz seine Eröffnungsrede mit einem Rückblick auf den Tag des Brandes. Nachdem die Feuerwehr »sehr schnell zur Stelle war«, sei es die eigentliche Aufgabe gewesen, die Kinder möglichst schnell andernorts unterzubekommen. »In bester Helmut Schmidt-Manier« sei dies dank großen Engagements der Verwaltung und durch »mehr Raumangebote, als wir eigentlich benötigten«, bereits am darauffolgenden Dienstag, also nur zwei Tage nach dem Feuer, gelungen, so Steinz. Ein Dreivierteljahr später beschloss dann die Gemeindevertretung, das leerstehende alte »Dormiente«-Gebäude in der Straße »Am Zimmerplatz« anzumieten und so umzubauen, dass es als eine »Interims-Kita« genutzt werden konnte.

Die hierfür in zwei Jahren inklusive Zinsen zusammengekommenen Gesamtkosten von circa 1,7 Millionen Euro »werden wir nicht erstattet bekommen und bei der Gemeinde bleiben«, zeigte sich der Bürgermeister realistisch. Dafür gab es von der Sparkassenversicherung 2,65 Millionen Euro für den zerstörten Vorgängerbau. Ebenfalls sehr geholfen, so Steinz weiter, hätten die großzügigen Geldspenden der in Heuchelheim ansässigen »Schunk Group« sowie aus einer Spendengala des Gießener Restaurants »Bootshaus«.

Der Neubau wiederum kostete rund 400 000 Euro mehr, als beim Gemeindebeschluss im September 2020 veranschlagt worden war. Für die Erhöhung machte Steinz die seitdem verzeichnete Baukostensteigerung verantwortlich. Dennoch seien die jetzigen 3,4 Millionen Euro »sehr vertretbar«. Zumal die Bauzeit nur etwa ein Jahr betragen habe - »für die Öffentliche Hand ist das sehr gut« -, wofür er wiederum dem Architekturbüro und den Bauleuten dankte. Zudem habe sich unter den beteiligten Handwerkern »ein hoher heimischer Anteil« befunden, ergänzte der Bürgermeister.

Ein ganz besonderes Dankeschön in Form von Blumensträußen und Umschlägen mit nicht genanntem Inhalt überreichte Lars Burkhard Steinz schließlich an Michaele Bellof sowie Marita Kraus und Nicole Kandora, die sich bei der Organisation nach dem Brand und der Unterbringung der Kinder sehr stark engagiert hätten, wie er hervorhob.

Der jetzigen Eröffnungsfeier soll am 4. November eine zweite Veranstaltung folgen, bei der auch die übrige Bevölkerung Gelegenheit haben wird, die neuen Kita-Räume in Augenschein zu nehmen.

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»Schlüssel«-Übergabe (v.l.): Celina Atrott (Architekturbüro), Nicole Kandora (Hochbau-Abteilung), Michaele Bellof (Kita-Gesamtleitung), Lars Burkhard Steinz (Bürgermeister), Melanie Hofmann (Nachfolgerin Kita-Gesamtleitung) und Dr. Manfred Ehlers ( Erster Beigeordneter). Foto: Docter © Docter

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