1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Heuchelheim

Streuobstgürtel wiederbeleben

Erstellt:

Von: Frank-Oliver Docter

gikrei_2101_Heuchelheim__4c
Der Erhalt der Streuobstwiesen ist den Beteiligten von Nabu, Gemeinde und Schunk ein wichtiges Anliegen. Foto: Docter © Docter

Auf einer Streuobstwiese am Rand des Heuchelheimer Ortsteils Kinzenbach wurden mithilfe einer Spende des ortsansässigen Schunk-Konzerns neue Bäumchen gepflanzt.

Heuchelheim . Immer mehr Menschen, darunter Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, wünschen sich die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst. Günstigere Kaufpreise sollen dazu führen, dass sich mehr Leute gesünder und umweltschonender ernähren, so die Idee dahinter. Auf der gemeindeeigenen großen Streuobstwiese am nordwestlichen Rand des Heuchelheimer Ortsteils Kinzenbach, unweit der Waldstraße gelegen, ist das jedoch kein Thema. An den hier wachsenden Obstbäumen darf sich nämlich jeder ohne Bezahlung selbst bedienen, wenngleich nur an den entsprechend markierten Bäumen, wie Heuchelheims Bürgermeister und Schirmherr Lars Burkhard Steinz bei einem Ortstermin auf Nachfrage des Anzeigers erklärt. Anlass ist die Pflanzung von sieben weiteren jungen Gehölzen, darunter Bohnapfel, Birne und Goldparmäne, letzteres ebenfalls eine Apfelsorte. Möglich wurde das Ganze durch eine 3000-Euro-Spende des ortsansässigen Schunk-Konzerns.

Bis 60er Jahre

Freilich müssen die mit Drahtgeflechten vor Schäden geschützten Bäumchen noch etwas in die Höhe und Breite wachsen. Für Gerhard Wiese, den Zweiten Vorsitzenden der Nabu-Gruppe Heuchelheim-Kinzenbach, sind die durch den Bauhof der Gemeinde vorgenommenen Neuanpflanzungen ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, den »bis in die 60er Jahre existierenden Streuobstgürtel von Heuchelheim« wiederzubeleben. Dieser sei damals nach und nach verschwunden, weil kaum noch Anpflanzungen erfolgten und einige der Flächen bebaut wurden, schildert er. Neubauten soll es auf der jetzigen Fläche aber nicht geben. »Wir wollen dieses Bild für die Zukunft erhalten. Das ist parteiübergreifender Konsens«, berichtet Steinz und dankt dem Nabu für dessen Engagement.

Der Dank der Beiden geht genauso an David Sickel (Technischer Standortleiter) und Martin Hedrich (Bauprojektleiter), die bei diesem Termin Schunk vertreten. Wie Sickel ausführt, habe sich der Konzern »das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben«. Gleichzeitig sei das auch »eines unserer Unternehmensziele«. Schunk hat über die Jahre zusammengerechnet bereits eine höhere fünfstellige Summe für Natur- und Artenschutzmaßnahmen in und rund um Heuchelheim zur Verfügung gestellt.

Als Ortsbeauftragter für Vogelschutz weiß Gerhard Wiese auch zu berichten, dass auf den Streuobstflächen Vogelarten wie beispielsweise Gartenrotschwanz oder Steinkauz ihre Reviere haben. Manche von ihnen nisten zudem in den Baumhöhlen.

Tiere Nutznießer

Deshalb wird Obst, das auf den Boden fällt, liegen gelassen. »Die Vögel holen es sich dann«, sagt Gerhard Wiese. Dieses reichliche Futterangebot nutzen genauso andere Tierarten, von Hasen bis hin zu Insekten. Letztlich sollen alle diese Maßnahmen »den Arten- und Klimaschutz unterstützen«.

Die Arbeiten zur Wiederbelebung dieser Streuobstfläche sind allerdings noch längst nicht beendet. »Wir werden einige der alten Bäume ersetzen müssen«, erklärt Andreas Becker, Bauamtsleiter der Gemeinde. Für Verwaltungschef Lars Burkhard Steinz zeige dieses »ländliche Idyll«, dass sich derartige Naturschutzmaßnahmen »auch kleinräumlich umsetzen lassen«. Bei Schunk möchte man in Zukunft weiter seinen Teil dazu beitragen.

Auch interessant