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Vulnerable Gebiete identifizieren

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Dr. Heike Hübener stellte die Fließpfadkarte für Heuchelheim vor. Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

Heuchelheim (whk). Im Rahmen des Vortrages »Gefahr durch Starkregen und Hochwasser in Heuchelheim« stellte Dr. Heike Hübener im Kinzenbacher Mehrzweckgebäude die »Fließpfadkarte für Heuchelheim« vor. Wichtige Aufgabe der örtlichen Gremien wird nun sein, die Karte auf Fehlinformationen, zum Beispiel fehlende Gebäude, Fließ-Hindernisse und andere Gegebenheiten in der Topographie, die die Fließrichtung und -geschwindigkeit bei Starkregen beeinflussen, zu überprüfen.

Die Fließpfadkarte (FPK) selbst basiert auf Satellitenbildern. Johannes Klameth als Projektleiter des Masterplanes 2040 und Bürgermeister Lars-Burkhard Steinz begrüßten dazu über 80 Interessierte. »Wir alle wissen, dass wir hier in Heuchelheim seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten, immer wieder von Hochwasser betroffen waren und in Zukunft durch den Klimawandel und Starkregen auch sein werden«, konstatierte Johannes Klammeth. Bürgermeister Steinz hieß Dr. Heike Hübener vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zu ihrem Vortrag willkommen.

»Die Fließpfadkarte zeigt eine erste Übersicht der örtlichen Fließpfade bei einem Starkregenereignis. Enthalten sind Infos zur Topographie, Landnutzung, Gebäuden und Fließwegen ohne Durchlässe und Kanalisation«, erläuterte Dr. Hübener. Ein digitales Geländemodell, Gebäudegrundrisse und landwirtschaftliche Nutzflächen sind hier als Datengrundlagen eingeflossen. Die Bieber, die durch den Ort fließt, ist normalerweise ein kleiner Bach, der sich bei Starkregen jedoch zu einem reißenden Gewässer entwickelt. Auch in den Bächen Kropbach und Kinzenbach kommt Wasser dazu. Da die Lahn dann ebenfalls Hochwasser führt, wird der Abfluss des Wassers behindert. In der Starkregen-Hinweiskarte für Hessen wird das Starkregen-Gefahrenpotential für Gießen und Heuchelheim mit der höchsten Stufe angegeben. Die Gemeindevertretung hatte die Erstellung einer Starkregenkarte mit Analyse beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie beantragt.

Bei der FPK handelt es sich laut Dr. Hübener um eine modellhafte Darstellung und um eine rein topographische Geländeanalyse. Dadurch könnten keine realen Überflutungstiefen ermittelt werden. Sie stelle auch keine Strömungen dar. Sturzflutwellen könnten auch über eine Erhöhung fließen. Die Auflösung des digitalen Geländemodells von einem Quadratmeter sei bereits sehr fein. Trotzdem könnten nicht alle Geländestrukturen in der Karte dargestellt werden. Ferner wird die Aktualität der Daten-Grundlage derzeit mit November 2021 angegeben. »Dennoch bringt die Fließpfadkarte Nutzen«, so Dr. Hübener, die von Haus aus Meteorologin ist. Die Karte kann vulnerable Orte in einer Kommune aufzeigen, auch wenn hier noch kein Starkregenereignis aufgetreten ist. Im Außenbereich stellt die FPK das Einzugsgebiet dar, aus dem potenziell Wasser und Schlamm in die Kommune getragen werden kann. Hier kann oftmals bereits mit kleinen Maßnahmen erfolgreich Schadensvorbeugung betrieben werden und sie sensibilisiert betroffene Bürger, Anlieger und Interessensgruppen.

Dr. Hübener stellte Ausschnitte für Kinzenbach und Heuchelheim vor. Am Ende ihres Vortrages zeigte Dr. Hübener Maßnahmen auf, die die Fließgeschwindigkeit verlangsamen können. So beispielsweise Wasser bereits vor der Ortslage zurückzuhalten und versickern zu lassen, die Erhaltung funktionsfähiger Böden, eine Feldbewirtschaftung quer zum Hang sowie eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. Kleinere Maßnahmen können Erosions-Schutzstreifen, die Anpassung der Wegeneigung und die Anpassung von Einlauf-Bauwerken sowie Versickerungsmöglichkeiten sein.

»Kommunen können bereits in der Bauleitplanung die Anpassung an den Klimawandel durch Festsetzungen stärken oder durch Satzungen festlegen. Wasserspeicherung, Versickerung, Begrünung von Dach und Fassade sowie Parkplatzgestaltung«, schloss Dr. Hübener. Eine interessante Informationsveranstaltung, die jetzt der intensiven Nacharbeit auch im Rahmen des »Heuchelheimer Masterplanes 2040« bedarf.

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Dr. Heike Hübener Foto: Waldschmidt © Waldschmidt

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