1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Hungen

Antigone als Comedy-Satire-Musical

Erstellt:

gikrei_280722_antigone_2_4c
V.l.: Die Darsteller Patrick Dörhöfer, Florian Fay, Kristina Weiß und Maximilian Weiß. Foto: Graf © Graf

Im Hungener Schlosshof spielte am Samstag das Theater Traumstern bei vollem Haus die griechische Tragödie Antigone nach Bodo Wartke in einer Inszenierung von Daniel Komma.

Hungen (kag). Das Schlusswort des Originals »Großmächtiges Wort Überheblicher führt zu mächtigem Fall; Das lehrt sie spät im Alter verständige Einsicht« trugen die Akteure am Ende des Stückes vor und verknüpften diese mit dem aktuellen Krieg Putins in der Ukraine. Dafür erhielten sie einen Sonderapplaus.

Im Hungener Schlosshof spielte am Samstag das Theater Traumstern auf Einladung des Freundeskreises bei vollem Haus die griechische Tragödie Antigone nach Bodo Wartke in einer Inszenierung von Daniel Komma. Daniel Komma und Sebastian Hartings leiten seit 2006 das Theater Traumstern, ein freies Kinder- und Jugendtheater.

Die Premiere von Sophokles Antigone fand 442 v. Chr. in Athen statt. Seitdem gab es viele Überarbeitungen des antiken Stoffes, die außergewöhnlichste und aktuellste von dem Klavierkabarettisten Bodo Wartke, der das Stück mit Rap-Einlagen, Pop-Songs und Wortwitz auf die Bühne brachte. So kam die Tragödie dann in einer Art Comedy-Satire-Musical daher und wurde mit Begeisterung aufgenommen und von den Zuschauern mit viel Beifall bedacht.

Im Original spielten neun Personen und der Chor. Wartkes Fassung kam mit zwei Personen aus, das Theater Traumstern schaffte es durch Mehrfachbesetzungen mit vier Personen auszukommen.

20 Rollen mit vier Personen gespielt

Faszinierend, wie Patrick Dörhöfer, Florian Fay, Kristina Weiß und Maximilian Weiß »ohne zu stolpern« durch die Szenen kamen - bei einem Text, der ihnen einiges abverlangte, bei 19 Szenen und 20 Rollen. Alle vier waren auf der Gesamtschule Hungen, spielen seit 16 Jahren Theater und sind inzwischen berufstätig, erläuterte Komma und lobte seinen Techniker Jakob Erll, der alle ins rechte Licht gesetzt und für die Verständigung zwischen Bühne und Zuschauern gesorgt habe.

Antigone spiele man seit 2019. Es habe insgesamt 13 Aufführungen gegeben, von denen die letzten beiden in der prächtigen Atmosphäre des Schlosshofes voll besetzt gewesen seien. Daniel Komma erinnerte an den kürzlich verstorbenen Prof. Adolf Hampel, der mit seinem Engagement diese Aufführungen im Hungener Schlosshof ermöglicht habe.

Die Tragödie beginnt mit Tod des Königs Ödipus und seinen beiden Söhnen Eteokles und Polyneikes, die vereinbaren, sich jährlich in der Staatsführung abzuwechseln. Zunächst regierte Eteokles Theben. Als sein Jahr zu Ende war, wollte er die Macht nicht abgeben und es kam zum Streit, in dessen Verlauf sie sich gegenseitig mit dem Schwert töteten. Neuer König in Theben wurde Kreon, der entschied, dass Eteokles ein ordentliches Begräbnis erhalten sollte, aber Polyneikes nicht. Er sollte nicht begraben werden, sondern den Tieren unbestattet zum Fraß dienen.

Das wollte seine Schwester Antigone verhindern. Sie erwies ihrem toten Bruder die letzte Ehre und hat damit gegen das Gesetz des Königs verstoßen. Als ihre Tat bekannt wurde, verurteilte Kreon Antigone zum Tode, gegen den Willen seines Sohnes Haimon, der Antigone heiraten wollte. In der nun folgenden dramatischen Entwicklung nahm Kreon nicht nur das Todesurteil zurück, sondern es entwickelte sich auch eine Dynamik in deren Folge Antigone, Euridike (Kreons Frau) und Haimon zu Tode kamen.

Der Bote berichtete »Tot sind sie; Schuld am Tode sind die Lebenden.«

Auch interessant