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»Es ist Zeit, vom toten Pferd abzusteigen«

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Hungen (red). Obwohl derzeit eine politische Mehrheit für eine Vergaberichtlinie der Baugrundstücke im Gewerbegebiet »Hungen-Süd« und dem dahinterstehenden Flächenkonzept fehle und alle auf dem Tisch liegenden Vorschläge - einschließlich dem der Verwaltung - eine Änderung des Bebauungsplanentwurfes bedingen, verkünde die amtliche Mitteilung der Stadt Hungen eine geplante zweite Offenlage bis 17.

Oktober 2022 mit der Möglichkeit, zum »bisherigen« Planungsstand Stellungnahmen einzureichen.

Aufgrund der während der Bürgerinformationsveranstaltung am 28. April geäußerten Kritikpunkte und vielen ungeklärten Fragen seitens der Anlieger und weiterer Bürgerinnen und Bürger und den bereits zum Regionalplan in diesem Bereich eingegangenen mehreren Hundert Stellungnahmen beim RP Gießen sei davon auszugehen, dass auch hier vielfach Stellungnahmen eingereicht würden und in der Hungener Verwaltung unnötig Ressourcen binden, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerliste Pro Hungen.

Der anlässlich verschobener Abstimmungen über das Vergabe- und Flächenkonzept im Juni angekündigte »runde Tisch« unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern habe bis heute noch nicht getagt und sollte eigentlich - ergebnisoffen - die verschiedenen Ideen zu einer mehrheitsfähigen Kompromisslösung reifen lassen. Eine danach zu erfolgende Änderung des Bebauungsplanentwurfes könnte mögliche Konflikte vermeiden und viele Stellungnahmen und rechtlichen Einwände bereits im Vorfeld verhindern, heißt es weiter.

In Anbetracht der aktuellen Situation von Krieg in Europa, einer drohenden Rezession und massiv gestiegenen Bauzinsen sollte es auch bei der Gesamtgröße des Planungsgebietes keine Denkverbote geben. Während bereits zu Friedenszeiten und positiven Wirtschaftszahlen für Hungen als Prognose des zukünftigen Bedarfs an Gewerbeflächen im Rahmen der Regionalplanung maximal acht Hektar ermittelt wurden, erscheint die alleine für Hungen-Süd geplante Größe von 22 Hektar nun erst Recht überdimensioniert.

Bauchschmerzen

Auch viele weitere Probleme wie der Hochwasserschutz, die Verkehrsbelastung und sonstige Umwelteinflüsse - aber auch die Gesamtkosten der Erschließungsmaßnahmen und damit verbunden das wirtschaftliche Risiko für die Stadt Hungen bei erfolgloser Vermarktung - würden unmittelbar mit der Größe der versiegelten Fläche zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund beantragte Pro Hungen bereits eine Reduzierung der neuen Gewerbe- und Industriefläche auf etwa zehn Hektar basierend auf der bisher geplanten kurzen Erschließungsstraße; auch andere Fraktionen hätten alternative Konzepte vorgelegt, erklärten angesichts der bisher geplanten 20 Hektar Bauchschmerzen oder brachten eine abschnittsweise Erschließung ins Gespräch.

Es wirke daher ignorant und widersinnig, dass trotzdem eine Offenlage der seit Beschlussfassung vom Juli 2021 unveränderten Bebauungsplanentwürfe - zumal ohne begleitendes Flächen- und Vergabekonzept - stattfinde. Fabian Kraft, Fraktionsvorsitzender Pro Hungen, dazu: »Wir glauben weder an eine politische Mehrheit dieser Entwurfsfassung noch deren Durchsetzbarkeit gegen den Widerstand der Hungener Bevölkerung, die sich bereits aktiv in mehreren Bürgerinitiativen zusammengeschlossen hat. Es wäre daher Zeit für alle Beteiligten, nicht länger auf diesem toten Pferd zu reiten, sondern abzusteigen und ergebnisoffen zu einem konstruktiven Meinungsaustausch zusammenzukommen und gemeinsam eine tragfähige Alternative zu erarbeiten«.

Die Fraktion Pro Hungen hat für die Stadtverordnetenversammlung am 20. September beantragt, die Beschlussfassung zur Bauleitplanung zum Gewerbepark Hungen-Süd in diesem Punkt aufzuheben und die Offenlage zu widerrufen. Eine zweite Offenlage sollte demnach erst nach Einarbeitung der Änderungen am Bebauungsplan erfolgen, welche mit dem Erschließungs- und Vermarktungskonzept einhergehen und die Ergebnisse des runden Tisches umfassen.

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