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Fanmeile für Trekker-Freunde

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Historische Trekker - vor allem mit charmanter Besatzung - sind immer ein Hingucker. Foto: MSC Horlofftal © MSC Horlofftal

Hungen (rrs). »Totgesagte leben länger« - und können sogar eine rosige Zukunft haben, wie sich dieser Tage beim großen ADAC Traktortreffens des MSC Horlofftal in Villingen am Sonntag, den 19. Juni eindrucksvoll zeigen wird. Mit einem letzten Aufbäumen wurde das traditionelle Treffen 2018 zu Grabe getragen, 800 Arbeitsstunden für das Orgateam und 80 Helfer am Festtag im Einsatz waren nicht mehr zu stemmen.

Zehn erfolgreiche Jahre mit großen, kleinen, jungen und alten Traktoren, mit Ackergiganten bis zu 450 PS aber auch altgedienten Bulldogs mit 20 PS lockten einmal im Jahr viele tausend Zuschauer ins kleine Villingen. Doch nach 2018 war es damit endgültig vorbei, dachte jeder. Jedoch, es sollte anders kommen.

Genau an Fasching, am 11. November 1971, in der Gaststätte »Zum kühlen Grund« in Villingen gegründet, freute sich der MSC letztes Jahr am Elften Elften über sein 50-jähriges Jubiläum, allerdings wegen hoher Corona-Inzidenzen und Lockdown ohne große Feier und Tamtam. Was nicht war, wird am 19. Juni mit einer bombastischen Sause nachgeholt. Auferstanden von den Toten, wird das traditionelle Traktorentreffen zur gigantischen 50-Jahre Party mutieren und ein Revival mit den vormaligen, lieb gewonnen Ritualen erleben. Seltene alte Traktoren-Schätzchen werden mit den modernsten High-Tech-Maschinen konkurrieren, während Musik und Tanz auf der Festtagsbühne am Lindenplatz für Spaß und Unterhaltung sorgen.

Los geht es am 19. Juni um 10 Uhr an der »Villinger Fanmeile« rund um Bahnhofstraße, Hungener Straße und Lindenplatz. Die Traktoren werden dagegen schon in aller Früh von dem Niddaer GTÜ-Prüfingenieur Tobias W. Legat und seinem Team auf einen technisch einwandfreien Zustand hin überprüft, erst danach dürfen sie den vom MSC zugewiesene Fanmeilen-Platz anfahren. Pünktlich macht sich dann der Tross von höchstens 50 Treckern, die Überzähligen können derweilen an der Fanmeile stehend in aller Ruhe bewundert werden, auf die rund 12 Kilometer langen Traktorenrundfahrt nach Ruppertsburg und zurück. Der Start aber wird nicht einfach, denn bei dem geforderten »Le Mans«-Start müssen die Fahrer zuvor einen Sack Kartoffeln auf eine Schubkarre laden und 20 Meter bis zu ihrer Zugmaschine schieben, erst anschließend heißt es: aufsteigen und los geht’s. Vorne weg als Führer der Einspänner des Villinger Nebenerwerbslandwirts Friedhelm Seemann mit seinem treuen Haflingerwallach Max und Bürgermeister Rainer Wengorsch zusammen mit MSC-Vorsitzendem Bernhard Jäger an Bord. Über die »Flurscheide«, einem ausgebauten, asphaltierten Feldweg, geht es quer durch Äcker und Wiesen, durch den Wald, vorbei am alten Steinbruch und über den »Plattenberg« nach Ruppertsburg. Dort wartet am Schützenhaus die nächste Aufgabe, eine Schüssel mit einem Liter Wasser muss in einer Schubkarre über 20 Meter ohne große Verluste auf Zeit zum Traktor kutschiert werden, weiter geht es zum Schießstand, wo mit Kleinkaliber fünf Schüsse auf das Ziel zu treffen sind,

Zurück in Villingen ist ein Autogramm der »Amigos«-Brüder Karl-Heinz und Bernd Ulrich zu besorgen. Übrigens: Der MSC und die Amigos wurden beide im gleichen Jahr 1971 vom gleichen Mann, dem Zahnarzt Lothar Illmann und späteren MSC-Vorsitzenden, ins Leben gerufen - sie sind also quasi Blutsverwandte. Am Ziel angekommen, sind hausfrauliche Qualitäten gefragt, die große Wäsche muss ordentlich und vorschriftsmäßig unter den kritischen Augen der Kreislandfrauen auf eine Leine gehängt werden. Wehe dem, der da patzt, Punkteabzug ist ihm gewiss. Zeit, zum Abschluss die Zugmaschinen wieder auf der Fanmeile abzustellen.

Der vollständige »stehende Festzug« kann nun umrundet, bewundert oder beim Fachsimpeln analysiert und begutachtet werden. Während der Traktorenfahrt haben der Carneval Verein 1958 Hungen und die Kunstradgruppe des Germania 1912, die Vor-Ort-Gebliebenen mit ihren Auftritten unterhalten und werden dann ab 13 Uhr von den König Ludwig Musikanten aus Biebertal abgelöst.

Für den Sieg aber langt ein guter Punktedurchschnitt alleine nicht, zusätzliche Kategorien sind Alter, technische Innovationen und Attraktivität der Traktoren. Bei attraktiv beurteilen die Landfrauen nicht etwa den Traktor, sondern Aussehen, Kleidung und Charme der Fahrer, wobei mit Kleidung bäuerliche Arbeitskleidung und nicht etwa Faschingskostüme oder Ähnliches gemeint sind. Die Siegerpokale werden von Landrätin Anita Schneider als Schirmherrin im Beisein von Manfred Paul, Ortsvorsteher und Bauernverbandsvorsitzender, Christel Gontrum, Bezirksvorsitzende der Landfrauen, Bürgermeister Rainer Wengrosch und MSC-Vorsitzenden Bernhard Jäger überreichen.

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