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Friedvolles und respektvolles Miteinander

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Jean-Pierre Jourdain (Bürgermeister Saint-Bonnet-de-Mure) nebst Gattin, Dieter Hausotter (Vorsitzender Partnerschaftsverein Hungen), Anita Schneider (Landrätin) und Rainer Wengorsch (Bürgermeister) (v.l.). Foto: Schäfer © Schäfer

Hungen (rrs). Die 29. Europawoche mit etlichen Veranstaltungen und dem legendären Marktplatz-Brunnenfest als krönendem Abschluss lockt wie eh und je von Himmelfahrt bis Pfingstsonntag viele Besucher, darunter auch etliche Gäste aus der französischen Partnerstadt Saint-Bonnet-de-Mure nach Hungen. Sie setzt ein sichtbares Zeichen für ein friedvolles und respektvolles Miteinander der Nationen sowie für den kulturellen Austausch der Völker in Europa, wie es Bürgermeister Rainer Wengorsch so trefflich formulierte.

Geschrumpftes Programm

Allerdings ist das Programm in diesem Jahr infolge der verkürzten Planungszeit durch die Pandemie etwas geschrumpft und auf ein Gastland, das seine Kultur vorstellt, wurde verzichtet, was aber die Wiedersehensfreude nicht schmälerte.

Mit der offiziellen Eröffnungsfeier am Freitagabend startete Hungen in der mit Besuchern aus nah und fern voll besetzten Mehrzweckhalle Inheiden in die Europawoche. Die bekannte Wettenberger Sängerin Nora Schmidt sorgte für die musikalische Unterhaltung, hatte inspiriert durch die Städtepartnerschaft mit Saint-Bonnet-de-Mure viele französische Chansons, aber auch einige englischsprachige sowie deutsche Welthits im Gepäck. Mit dem berühmten Liebeslied von Edith Piaf »La vie en rose« und Stefanie Wergers »Die Neunte«, dem Wunsch, einmal im Leben etwas Großes zu erschaffen, stimmte sie auf die kommende, etwas wortlastige Feier ein.

Der Vorsitzende des Hungener Partnerschaftsvereins Dieter Hausotter zeigte sich erleichtert über den glücklichen Ausgang der französischen Wahlen. Gerade jetzt im Hinblick auf den Ukraine-Krieg sei ein gemeinsames Fundament von immenser Bedeutung für die westlichen Demokratien. Selbst im kleinen Hungen sei der Krieg durch die vielen unterzubringenden Flüchtlinge hautnah spürbar. Gleichzeitig freute er sich auf weitere deutsch-französische Treffen beim Nationalfeiertag Frankreichs und dem Hungener Schäferfest.

Kein Synonym für Naivität

Bürgermeister Rainer Wengorsch erinnerte an die Jahrhunderte lange Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich. »Seine eigene Einstellung zu ändern, Ängste vor anderen Kulturen abzubauen und Vertrauen in fremde Menschen und Nationen zu finden ist schwer, aber wir haben es nach dem Zweiten Weltkrieg durch unsere Demokratien mit individuellen Rechten, Gewaltenteilung und freier Kommunikation ohne staatliche Einmischung geschafft, Konflikte zu lösen und Freundschaften aufzubauen. In Autokratien funktioniert das sichtlich nicht so gut, wie der Ukraine-Krieg zeigt.« Noch 2019 wurde Russland als Europawoche-Gastland bestimmt - falsch war das nicht, denn man müsse auf die Menschen zugehen. Trotzdem sei der Wille zur Völkerverständigung kein Synonym für Naivität. Richtlinien und Grenzen seien notwendig, aber keine Staatsmacht der Welt könne das Bedürfnis nach Frieden verhindern. »Unsere Städtepartnerschaften sind zwar nur ein kleiner Baustein, aber die Summe aller Initiativen kann durchaus etwas bewirken.«

Mit John Lennons universellem Friedenslied »Imagine« unterstrich Schmidt diese Ausführungen bevor Landrätin Anita Schneider mit der Liedzeile »I’m a dreamer, but not the only one« (Ich bin ein Träumer, aber nicht der Einzige) die Wichtigkeit hervorhob, Jung und Alt auf ein starkes, einiges und gefestigtes Europa einzustimmen. »Die Ukraine ist Putins persönlicher Krieg, Russland aber müssen wir als Ganzes sehen«, bekräftigte Schneider und zeigte sich sorgenvoll: »Durch Schließung der ›Kornkammer‹ Ukraine/Russland wird eine Hungernot provoziert, was schnelle Lösungen erfordert. Auch die Energiefragen stehen weiterhin im Raum, zwar mit Ideen und Vorschlägen, jedoch die Frage nach der Umsetzbarkeit wurde bisher noch nicht wirklich beantwortet«. Der Europa-Gedanke aber trage Früchte, überall seien die Menschen ohne Politikeinwirkung solidarisch.

»Das Treffen mit unseren deutschen Freunden macht mich glücklich«, strahlte Jean-Pierre Jourdain, Bürgermeister von Saint-Bonnet-de-Mure. »Gerade merken wir, wie zerbrechlich der Friede ist. Europa hat gerade jetzt die Pflicht, vereint zu bleiben sowie die politischen und ökologischen Bedingungen zu schaffen, um das Gleichgewicht zwischen den Völkern zu bewahren. Es lebe Europa!« Auch Florence Sapin, die Vorsitzende des französischen Partnerschaftsvereins plädierte für die europäische Einheit, für Annäherung und Verständnis. »Das Verlangen nach Frieden wird nie sterben.«

Mit Liedern wie »La mer«, einem wunderschönen »Hallelujah«, einem fröhlichen, von vielen begeistert mit gesungenem »La ballade des gens heureux« brachte Schmidt Stimmung in den Saal, bevor sie mit einem mitreißend vorgetragenen »Non, je ne regrette rien« alle in ihren Bann zog.

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