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Gelbe Teichrose ist »Yam, Yam«

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Dominik Schmitt vom Nabu erklärt den Kinder, wie die Biber einen Ast mit ihren Zähnen bearbeiten. © Schäfer

Das Biber-Mobil des Nabu hat die Hungener Wald- und Natur-Kita besucht. Es gab viel Spannendes rund um den scheuen Nager zu erfahren.

Hungen (rrs). Der ausgestorben geglaubte Biber ist zurück, jedenfalls an den Ufern der Horloff in Hungen, wo sich zwei Biberpärchen häuslich eingerichtet haben. Zeit, dass die Kinder der Hungener Wald- und Naturkindertagesstätte Am Mühlgraben Bekanntschaft mit dem possierlichen Tier machen. Da der Biber sehr scheu und vor allem nachtaktiv ist, haben die Kinder allerdings kaum eine Chance, einen in der Wildnis lebenden Biber live zu beobachten. Als lohnender Ersatz kam das »Biber-Mobil« des Nabu Wetterau vorbei und Nabu-Fachmann Dominik Schmitt brachte den neugierigen Kids den unbekannten Biber mit all seinen Eigenheiten auf kindlich-spielerische Art nahe. Zwei Jahre gab es kein Biber-Mobil, weil der kleine Kombi kaputt war, aber mit dem neuen bunt bebilderten Auto reist der Biber jetzt wieder durch Hessen.

Blauer Himmel, herrlicher Sonnenschein und 15 gespannt wartende Kids begrüßten Schmitt. Auch Bürgermeister Rainer Wengorsch hatte sich aufgemacht und wurde von einem der kleinen Steppkes mit einem freundschaftlichen »Na, Rainer« begrüßt. Keines der Kinder hatte je einen Biber gesehen. Das änderte sich schlagartig, als Schmitt die Hintertür des Biber-Mobils öffnete und ein ausgestopfter Baby-Biber, der jedoch schon ansehnlich groß war, zum Vorschein kam. »Oh, der ist ja riesig«, staunten die Kids. »Ein ausgewachsener Biber misst vom Kopf bis zur Schwanzspitze etwa 1,35 Meter, wobei alleine der Schwanz rund 35 cm ausmacht, und er wird bis zu 35 kg schwer, erklärte Schmitt und holte zur Anschauung einen Zollstock hervor.

Er ist sogar das zweitgrößte Nagetier der Welt, schob er nach und reichte ein kleines extra Fellstück zum Streicheln herum, wunderbar weich war das.

Mit dreieinhalb Zentimeter langen Schneidezähnen, die nie aufhören zu wachsen, hat der Biber richtige Hauer. »Aber die sind ja orange und nicht weiß wie unsere Zähne«, wunderten sich die Kleinen sofort. »Der Zahnschmelz auf der Zahnvorderseite enthält Eisenoxid und ist deshalb sehr hart. Ideal, um an Bäumen zu nagen oder ganze Bäume zu fällen. Eine 8 cm dicke Weide kann der Biber in 8 Minuten durchnagen«, erzählte Schmitt und zeigte den Kleinen benagte Äste sowie relativ große abgehobelte Holzschnitze. Wie ein Biber beim Holz nagen klingt, brachte Schmitts Handy derweilen hautnah rüber.

Dann war die pelzige gerade schlafende Biberhandpuppe Bibi an der Reihe. Laut riefen die Kids »Aufwachen« und wirklich, es kam Leben in die Puppe. »Was frisst wohl Bibi gerne?« Dazu gab es verschiedene Spielkarten, welche die Knirpse in »schmeckt«- oder »geht gar nicht«-Seil-Kreise zuordnen sollten.

Absoluter Veganer

Schmitt half mit »Yam, Yam« oder »Bäh«. Eiscreme, Burger, Fisch, Würmer, Käse, Milch oder Spinne frisst ein Biber nicht, denn er ist absoluter Veganer. Er hält sich an Gemüse, Obst, Blumen, Gräser, Holz oder seine Leibspeise, die gelbe Teichrose.

»Die Biber bauen Höhlen und Burgen mit einem Unterwasserzugang in etwa 60 Zentimeter Wassertiefe, die sie mit ihren Holzschnitzen weich auspolstern«, fuhr Schmitt ein Höhlen-Bild herum zeigend fort. Hier wohnen die Biber-Eltern, die übrigens ein ganzes Leben zusammenbleiben, mit bis zu sechs Jungen. Da der Nachwuchs erst zweijährig auf eigenen Füßen steht, gibt es immer 2 Generationen zu je 3 Biberkinder in der Höhle. Der Fuchs kann dem Biber gefährlich werden, da dient die Höhle als sicherer Rückzugsort, und wie die Laute eines Fuchses klingen, war auf dem Handy zu hören. Langsam erschöpfte sich die Aufnahmefähigkeit der Kids und es war erst mal Toben beim Biberburgspiel angesagt.

Der Biber liebt das Wasser und ist mit seinen flossenartigen, mit Schwimmhäuten ausgerüsteten Pfoten ein sehr geschickter Schwimmer, der mit 10 km/h sehr schnell ist und bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben kann. Zeit für einen Selbstversuch. »Haltet alle mal die Luft an«, forderte Schmitt auf und stoppte mit seiner Uhr die Zeit. Da wurden 30 Sekunden zur Ewigkeit und hie und da japste schon einer der Knirpse nach Luft. 20 Minuten - unmöglich zu schaffen!

Sein weiches und dichtes Fell macht der Biber mit Fett, Bibergeil genannt, wasserdicht, das eine Drüse an seinem Bauch produziert. Und schon durften die Kids, von denen einige ängstlich den Versuch verweigerten, das mit etwas Vaseline auf dem Handrücken und einer Wasser-Spritzflasche ausprobieren. Ja, das Wasser perlt ab.

Der abgeflachte, beschuppte Schwanz, Biberkelle genannt, ist ein wahres Multifunktionsorgan: Er dient als Ruder beim Schwimmen als Kommunikationsmittel bei Gefahr, indem mit ihm auf die Wasseroberfläche geklatscht wird, als Fettspeicher für den Winter, als Stütze beim Sitzen und ins Wasser gehalten als Abkühlung bei Hitze. Beim folgenden Verhalten-Spiel ging es dann um Putzen, Nagen und Gefahr, ähnlich wie beim Spiel Feuer-Wasser-Blitz.

Und noch eine Besonderheit zum Schluss: Biber haben einen vergrößerten Blinddarm, in dem sie mit Hilfe von Bakterien auch Holz verdauen können. Dieses scheiden sie als gelben, milchigen Brei aus und fressen das gleich wieder. So kann auch Holz als Nahrung genutzt werden.

Anschließend machten sich die Knirpse nach einem lustigen Verdauungs-Spiel zusammen mit Schmitt noch auf zur nahen Horloff-Brücke, um vielleicht doch einen unerwarteten Blick auf einen echten lebendigen Biber zu erhaschen.

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