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Geschick und Wissen gefragt

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Bürgermeister Wengorsch mit Bernhard Jäger (v. r.) beim Start der Ausfahrt. Foto:Schäfer © Rose-Rita Schäfer

30 historische Autos und neun Motorräder sind bei der Rallye des MSC Horlofftal unterwegs, Start und Ziel in Hungen.

Hungen (rrs) Ein ungewohnter Anblick auf dem Gelände um das Vereinsheim des MSC-Horlofftal in Hungen - frisch polierter glänzender Lack, blitzender Chrom und tuckernde Motoren. Rund 30 Oldtimer hatten sich hier am Pfingstsonntag in aller Herrgottsfrühe ab 7.30 Uhr versammelt, um einige Stunden später bei der 31. ADAC-Oldtimerfahrt des MSC-Horlofftal an den Start zu gehen. Zunächst aber wurde jedes der liebevoll restaurierten und gepflegten Vehikel erst mal von GTÜ-Prüfingenieur Tobias W. Legat und seinem Team aus Nidda auf einen technisch einwandfreien Zustand hin überprüft. Derweilen bestaunten erste begeisterte Besucher die alten Schätzchen der Baujahre 1929 bis 1992 und damit stolze 63 Jahre Automobilgeschichte in komprimierter Form. Es wurde gefachsimpelt und diskutiert, was die Kostbarkeiten wohl damals schon alles zu bieten hatten. Nach einer Fahrerbesprechung und Empfang des Bordbuches ging es dann Richtung Hungener Backhaus »Am Zwenger«.

Pünktlich um 9.30 Uhr schickte Bürgermeister Rainer Wengorsch zusammen mit dem MSC-Vorsitzenden Bernhard Jäger die 30 Automobile und 9 Motorräder im Minutentakt auf die rund 150 km lange Strecke, angeführt mit Startnummer 1 vom ältesten teilnehmenden Schnauferle, einem Ford Model A Sport Coupé von 1929. Das MSC-Urgestein Rolf Moll erläuterte währenddessen Marke, Typ, PS, Motor, Baujahr und Besonderheiten jedes Oldies, wie das ist ein V8-Motor, alle Sitze sind geteilt und damit einzeln oder der VW-Käfer-Blinker klappt aus und winkt noch richtig. Doch der Wettergott schien verärgert, denn genau zum Startzeitpunkt öffnete er die Himmelsschleusen und sandte einen Landregen, was allerdings die Freude an den Oldie-Leckerbissen nicht schmälerte. In der mit Benzingeruch getränkten Luft fuhren alte VW-Käfer, Opel Rekord (1964), NSU Prinz (1970) oder einer der legendären Mantas (1989), aber auch Kostbarkeiten wie ein Jaguar XK (1954), ein Ford Thunderbird (1956) oder ein Porsche 911 (1984) an den Fans alter Vehikel vorbei - man roch sie, man hörte sie und genoss für einen kurzen Augenblick den Flair längst vergangener Zeiten, angefangen von den Vorkriegs- bis hin zu den Wirtschaftswunderjahren mit viel Chrom gepaart mit runden gefälligen Formen.

Von Hoinge nach Gruninberc

Aufgeteilt in zwei Schleifen führte die Tour von »Hoinge über Villa Lindum und Lunrode nach Gruninberc und von dort zurück nach Hoinge«, mit Mittagspause in Lunrode bei »Amigo Mijo« im Bürgerhaus. Für nicht so geschichtsbewanderte Zeitgenossen: Hoinge heute Hungen, Villa Lindum heute Linden, Lunrode heute Nonnenroth und Gruninberc heute Grünberg. Alle Teilnehmer erhielten zur Orientierung historische, etwa 100 Jahre alte Karten und mussten verschiedene Aufgaben sowie Sonderprüfungen entlang der Strecke erledigen. Gar nicht so einfach, denn wo früher mal Wiesen, Äcker oder Wälder waren, grüßt heute ein Neubaugebiet und auch Straßen verlaufen eventuell anders oder haben gar andere, neue Namen. Anhand der historischen Beschreibungen und richtiger Kartendeutung war der Weg zu den Durchfahrtskontrollen zu finden, sonst drohte nicht nur Punkteabzug, sondern die Fahrer hatten keinerlei Chance, die gut versteckt liegenden Punkte überhaupt ausfindig zu machen und anzufahren. Dort warteten dann auch noch verzwickte Aufgaben.

Wie bei jeder Oldtimer-Rallye gab es natürlich neben der sporttouristischen auch eine Wanderer-Wertung für Fahrer, die erst mal nur rein schnuppern (»Oldtimer wandern«) wollten, mit extra ausgedachten »Wanderer«-Aufgaben.

Um 14 Uhr trudelten die ersten Oldtimer wieder am Startpunkt ein, während der Letzte um 17.15 Uhr durchs Ziel fuhr. Trotz unterschiedlicher Zeiten erhielten alle von den Kart Kits eine Jubiläums-Medaille zum 50-jährigen Bestehen des MSC, denn bei der Tour ging es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Spaß gepaart mit dem Lösen von Rätseln und Aufgaben. Leider blieb das älteste Fahrzeug, der Ford aus dem Jahr 1929, kurz vor dem Zieleinlauf liegen. Zum Abschluss überreichte MSC-Fahrtleiter Daniel Noll den Siegern der einzelnen Klassen ihre Pokale.

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