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Grüne für rote Wasserampel

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Im Wasserwerk Inheiden wurde konstruktiv diskutiert. Foto: ZOV © ZOV

Offene Diskussion: Nach Lösungsmöglichkeiten suchten Vertreter der Grünen sowie der hessischen Landtagsfraktion auf Einladung der Ovag bei ihrem Besuch in Inheiden.

Hungen (red). Der Vorstandsvorsitzende der Oberhessischen Versorgungbetriebe AG (Ovag) mit Sitz in Friedberg, Joachim Arnold, hatte zur offenen Diskussion über die regional ausgerichtete Wasserversorgung der Ovag eingeladen. Vertreter der Grünen sowie der hessischen Landtagsfraktion besuchten deshalb kürzlich das Ovag-Wasserwerk in Inheiden, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion der Grünen in der Zweckverbandsversammlung der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (ZOV), an denen der Kreis Gießen zu 16,2 Prozent beteiligt ist. Der Wetteraukreis ist allerdings federführend. Die ZOV lenkt mit die Geschicke der Ovag, die auch in Teilen im Kreis Gießen Nahverkehrsdienste und Energielieferungen anbietet.

Hintergrund war der gemeinsame Wunsch in der aktuellen durch die lange Trockenheit verschärften Debatte über Wasserlieferungen nach Rhein-Main auf Basis von Fakten und Sachlichkeit eine gemeinsame Basis für Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Präventive Reaktion

Ausführlich erläuterte Arnold das System des umwelt- und ressourcenschonenden Grundwassermanagements in den Gewinnungsgebieten der Ovag in der Wetterau und im westlichen unteren Vogelsberg. Er erklärte detailliert das Grundprinzip der »umwelt- und ressourcenschonenden Grundwassergewinnung«.

Auf dessen Basis werde seit 20 Jahren das Grundwassermanagement der Ovag bei gleichzeitiger Gewährleistung der Versorgungssicherheit der Bevölkerung und nachhaltigen Sicherung der Landschaftsökologie und des Grundwasserkörpers ermöglicht. »Bei potenzieller Unterschreitungsgefahr wird mit zeitlichem Vorlauf bereits mit einer Reduzierung der Entnahmemenge präventiv reagiert«, so Arnold.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der ZOV-Fraktion, Dr. Udo Ornik aus Mücke, begrüßt, dass die merklichen Klimaveränderungen mittlerweile ein wichtiger Einflussfaktor in den Planungen der Trinkwasserversorgung geworden seien. Neben der Trinkwassersicherstellung gehe es aber auch um Flächenverbrauch und -versiegelung, Verdichtung der Waldböden und Verschmutzung von Grundwasser durch landwirtschaftlichen und industriellen Eintrag.

Dem stimmt auch Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat vom Rhein-Main-Versorger Hessenwasser zu: »Wir schauen, was braucht es, was steht uns zur Verfügung und wenn es ein Delta gibt, wie decken wir den Bedarf. Wasserthemen sollten in den Kommunen wieder ämterübergreifend gedacht werden. Jede Kommune ist hier anders und braucht zielgerichtete Maßnahmen.«

Die Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt, Rosemarie Heilig (Grüne), betonte: »Frankfurt ist sich seiner Verantwortung als Kommune mit dem höchsten Trinkwasserverbrauch im Rhein-Main-Gebiet und den damit verbundenen hohen Liefermengen aus dem regionalen Umfeld bewusst. Wir haben daher als erste Stadt ein kommunales Wasserkonzept erstellt. Dazu haben wir im Frühjahr in einer Wassersparkampagne aufgerufen.«

Die überregionale Bedeutung des Umgangs mit der Ressource Wasser sei in der hessischen Landesregierung längst ein priorisiertes Thema, meint Martina Feldmayer, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag: »Der Zukunftsplan Wasser, der jüngst von der Landesregierung beschlossen wurde, geht jetzt in die Umsetzung.«

Einig war sich die Gruppe, dass eine Reduktion des Themas auf die einzelne Forderung der Drosselung der Fernwasserlieferungen nach Frankfurt, der Sache nicht diene.

Arnold beschreibt die Situation: »Wir brauchen hier eine ganzheitliche Betrachtung der Lage und der Erfordernisse. Der Metropole einseitig das Wasser abzudrehen, trifft auch alle, die dort arbeiten und alle die an denen dranhängen. Aus diesem Grund haben wir von Seiten der Ovag die Erarbeitung eines teilräumlichen Wasserkonzepts Oberhessen mit allen von ihr versorgten Wetterauer Kommunen initiiert. Wir werden auch in Zukunft nur noch das Trinkwasser liefern, was auch unter den klimabedingten Veränderungen umwelt- und ressourcenschonend gewonnen werden kann.«

Aktuell entnehme die Ovag rund 25 Prozent weniger, als es ihr maximal erlaubt ist.«

Unmittelbar handeln

Die Grünen fordern, dass die Ovag-Wasserampel solange auf Rot gestellt und die Fördermengen solange für alle reduziert werden, bis die Maßnahmen verbindlich umgesetzt worden seien, die eine nachhaltige Verbesserung der Grundwasserstände durch Neubildung trotz der geänderten Bedingungen sicherstellen«, unterstrich der Niddaer ZOV-Abgeordnete Marcus Stadler (Grüne).

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