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Quo vadis Wald-Wildnisprojekt?

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Nabu-Landesvorsitzender Gerhard Eppler führte persönlich eine Gruppe Interessierter durch den Wald bei Langd, der für das Wald-Wildnisprojekt vorgesehen ist. © Wißner

Der Nabu Hessen hatte Bürgermeister aus der Region sowie die Nabu-Gruppen vor Ort zu einem informativen Waldspaziergang eingeladen. Nur zwei Stadtoberhäupter kamen.

Hungen (twi). Fritz-Walter-Wetter war beim informativen Waldspaziergang im Stadtteil Langd angesagt, zu dem der Nabu Hessen Bürgermeister aus der Region sowie die Nabu-Gruppen vor Ort eingeladen hatte. Mit den Bürgermeistern Rainer Wengorsch (Hungen) und Dr. Bernd Wieczorek (Lollar) konnte Nabu-Landesvorsitzender Gerhard Eppler als Gastgeber leider nur zwei Stadtoberhäupter begrüßen, während jedoch die Nabu-Vertreter zahlreich erschienen waren, um sich während eines zweistündigen Spaziergangs bei Dauerregen über das Wald-Wildnisprojekt Hungen-Langd-Villingen zur Stabilisierung von Kommunalwäldern im Klimawandel zu informieren.

Hierzu fand bereits eine Bürgerinformationsveranstaltung wie auch eine Online-Befragung statt (wir berichteten). Ein Ergebnis soll laut Wengorsch in der kommenden Woche bekanntgegeben werden

Eppler begrüßte zum Spaziergang auch Stephan Kannwischer (Nabu Horlofftal) und Bodo Fritz (Nabu Langd), der auch die Führung übernahm. »Bei diesem für den Wald idealen Wetter«, so Eppler, blickte er auf drei trockene Jahre zurück, die zu verheerenden Waldschäden in Hessen geführt haben. »Im Klimawandel ist damit zu rechnen, dass die Schäden weiter zunehmen. Den beginnenden Frühling möchte der Nabu Hessen zum Anlass nehmen, dieses herausragende Waldschutzprojekt vorzustellen.« Eppler begrüßte es, dass die Schäferstadt sich mit dem Gedanken trägt, insgesamt 1200 Hektar in zentraler Lage in ein Wildnisprojekt aus kommunalem, Landes- und Privatwald und durch die Bundesrepublik gesponsert, zu überführen. Es sei bemerkenswert, wenn drei Ebenen zusammen die Verantwortung für Wald- und Klimaschutz übernehmen. Der Kommunalwald-Anteil von 176 Hektar an diesem Projekt sei ein Verbindungsstück in bedeutender Weise. Bereits 2019 hat das Land eine 780 Hektar große Fläche aus der Nutzung genommen. Der Nabu Hessen hat die Holzrechte für dieses Areal erworben und ist hier auch für die Verkehrssicherung auf Wanderwegen verantwortlich. Eine 225 Hektar umfassende Privatwaldfläche wurde ebenfalls auf Erbpachtbasis für eine Nutzungsdauer von 100 Jahren erworben. Dies soll auch für die nun in Teilen beschrittene Fläche von 176 Hektar bei Langd erfolgen, wobei hier die Stadt Eigentümer des Waldes bleibt, lediglich die Holz- und Nutzungsrechte für 100 Jahre an den Nabu überträgt und dafür dann aus dem Wildnisfonds der Bundesregierung 4,5 Millionen Euro erhält. Der Wildnisfonds soll dazu beitragen, dass Deutschland sein Zwei-Prozent-Wildnisziel erreicht. Gerade die Waldfläche bei Villingen gilt dabei als wichtigstes Bindeglied, um das Gesamtareal zu schließen, und das über 1.000 Hektar große Wildschutzprojekt zu gewährleisten. Eppler sprach angesichts des auf nährstoffreichem Untergrund stehenden Waldes von einem Projekt, das bundesweite Strahlkraft erlangen kann. Dabei sei die Holznutzungsaufgabe nur eine der Nutzungen, gebe es doch eine multifunktionale Nutzungsvielfalt. Es sei lehrreich mit der Natur zu arbeiten, da könne die Natur mehr Antworten geben. Er hoffe auf die Einsicht der Stadt, dass nicht nur Geld verloren geht, sondern ein großer Beitrag geleistet werden kann. Wengorsch sprach von einer bedeutungsvollen Entscheidung für die Stadt, biete doch der Wildnisfonds die Chance Teil eines Projektes zu werden, was über die Grenzen hinaus ein Besonderes darstelle. »Ich sehe es positiv, aber es ist wichtig auch die Bürger mitzunehmen und Transparent die Chancen darzulegen«, so Wengorsch.

Von Fritz hervorgehoben wurde das junge Alter des Waldes. Dies habe eine geringe Artenvielfalt zur Folge, die sich aber mit zunehmendem Alter erhöhen werde. Liege aktuell die Habitatstruktur im Wirtschaftswald bei 50 Minilebensräumen pro Hektar so werden diese bei einem Naturwald auf 250 bis 300 Minilebensräume ansteigen und eine Vielfalt an Arten bieten. Eine ganz wichtige Funktion komme dem Wald hier auch als Hochwasserschutz zu, halte doch ein Naturwald das Wasser zurück. Und der Hochwasserschutz sei nun mal gerade in Hungen ein wichtiges Thema.

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