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»Randale-Bahnhof« wird zur Bio-Bäckerei

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Voll konzentriert formen Bäckermeister Jonathan Kilb und sein Naju-Helfer Jakob etwa 100 Brotlaibe aus Vollkorn-Roggen-Sauerteig in der Feld-Backstube am Alten Bahnhof Trais-Horloff. Auch die Flammkuchen und Obstkuchen aus dem im Hintergrund lodernden Holzbackofen waren »Geschmackskönige« an diesem Tag. Foto: privat © privat

Mit einem besonderen Fest hat sich der Nabu-Horlofftal bei allen bedankt, die beim Aufbau ihres durch Vandalismus zerstörten Naturschutzzentrums Alter Bahnhof Trais-Horloff geholfen haben.

Hungen (red). Zu einem ganz besonderen Fest lud der Nabu Horlofftal in sein Naturschutzzentrum Alter Bahnhof Trais-Horloff ein.

Bei dieser Gelegenheit sollte allen Mitgliedern, Förderern und Spendern, die dem Verein nach der vandalistischen Zerstörungsattacke im August 2021 auf so vielfältige Art und Weise beigestanden hatten, gedankt werden. Diese hatten bei der Beseitigung der Vandalismus-Folgen selbst mit angepackt und/oder ihr Scherflein zur baulichen Wiederherstellung des Naturschutzzentrums beigetragen.

Die Vorstandssprecher Ana Farago-Macht und Stephan Kannwischer ließen ein aufopferungsvolles Jahr Revue passieren, in dem der Alte Bahnhof Trais-Horloff so einigermaßen wiederhergestellt werden konnte. Hieran hatte der Nabu-Aktive Thomas Baur als Bauleiter besonderen Anteil, wofür ihm unter großem Applaus der Gäste ein tief emp-fundener Dank seitens des Vorstandes ausgesprochen wurde.

Ein besonderes Highlight bot der Düdelsheimer Bäckermeister Jonathan Kilb (Bio-Bäckerei Mulinbeck), der mit seinem großen Können allerlei knus-prige Köstlichkeiten in deftig-rustikaler und süß-verführerischer Note im mobilen Holzbackofen zauberte. Da das Fest ein großer Besuchermagnet war und sich die Gäste quasi die Klinke in die Hand gaben, war er neben dem Zubereiten und Backen auch ständig mit Erklärungen über seine Back-Philosophie (gutes Brot braucht genügend Teigreife...) und die Qualität des Lebensmittels Brot sowie die bewusst von ihm eingesetzten Backzutaten aus kontrolliert ökologischem Anbau beschäftigt. Das Publikum war vom Geschmack mehr als überzeugt

Zudem wurden stündlich Exkursionen zu verschiedenen Themen in die unmittelbare Umgebung der Horloffaue angeboten, die ebenfalls regen Zuspruch fanden.

So erläuterte der Biologe Frank Bernshausen die ökologischen Zusammenhänge in einer Auenlandschaft und die Wechselwirkungen von Boden, Wasser und Klima, was zu einer hohen Artenvielfalt in der teilweise naturnahen Horloffaue geführt hat. Pflanzenkennerin und »Kräuterfrau« Renate Hecht ging auf die Pflanzenvielfalt in feuchten und nassen Auenbereichen ein und gab noch Hinweise zu deren kulinarischer Genussfähigkeit sowie Heilwirkungen. Stephan Kannwischer brachte den Exkursionsteilnehmern die Bedeutung des Landschafts-Wasserhaushaltes und der -Geologie näher und welche Rolle naturnahe Auen bei der Bewältigung und Abmilderung von (Spitzen-)Hochwasser-Ereignissen leisten können. Die Aue als Bett eines Flusses/Baches in akuten Überschwemmungszeiten war das Stichwort hierzu. Er verwies darauf, dass gerade in Zeiten klimatisch bedingter Veränderungen von Niederschlagshäufigkeit und Niederschlagsmenge naturnahe Gewässer besondere Retentionsleistungen erbringen können. Deshalb dürfen Retentionsräume zur Aufnahme der zukünftig schwer kalkulierbaren Hochwasserfluten nicht weiter eingeengt, aufgefüllt und bebaut werden, konstatierte Kannwischer abschließend. Nabu-Aktive Marion Bergmann bot für kleine und große Besucher einige umweltpädagogische Spiele und Wettbewerbe an und versuchte, auf spielerische Weise das Naturverständnis zu fördern. So konnte von einem rundum gelungenen Dankesfest gesprochen werden, was bei manchen auch noch kulinarische Nachwirkungen auf dem Frühstückstisch am Folgetag hatte...

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