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»Resonanz auf Bürgerbefragung enttäuschend«

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Der Umweltausschuss der Stadt Hungen streitet über Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Förderprojekt Wildnisfonds.

Hungen (kag). In der Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Hungen am Montag wurde erneut über die Teilnahme am Förderprojekt Wildnisfonds beraten. Dabei geht es um 176 Hektar, das sind 15 Prozent des Stadtwaldes.

Die Ergebnispräsentation der Bürgerbefragung durch das Beratungsunternehmen eOpinio sollte dafür die Grundlage liefern. Die Mitglieder des Umweltausschusses argumentierten gegensätzlich. Teilweise prallten die unterschiedlichen Meinungen, lautstark und mit Vehemenz vorgetragen, hart aufeinander. Am Ende entschieden fünf Ausschussmitglieder für die Teilnahme am Wildnisfonds und vier dagegen.

Die Grafik von eOpinio, in der die Antworten zur Frage »Wie sollten die ...Flächen des Stadtwaldes zukünftig genutzt werden?« dargestellt waren, bot den Ausschussmitgliedern unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. So sprachen sich 42,6 Prozent für die Übertragung an die NABU-Stiftung (Wildnisfonds) aus, 41,5 Prozent für Bewirtschaftung und Holzgewinnung (es bleibt alles beim Alten) und 11,3 Prozent für Bewirtschaftung und Holzgewinnung. Letzteres wurde unterschiedlich interpretiert und entweder dem Wildnisfonds oder der Eigen-Bewirtschaftung zugeschlagen. Eine weitere Frage stand im Raum, nämlich, wie aussagefähig die Erhebung ist, wenn 822 Bürger aus Hungen teilgenommen haben, und die Rücklaufquote nur 6,19 Prozent betrug. Fabian Kraft, der nach den Kosten der Untersuchung fragte, forderte, dass zukünftige Beschlussvorlagen die Kosten für Beratungen enthalten sollten. Im Laufe der Diskussion zeichnete sich ab, dass CDU und Freie Wähler gegen den Wildnisfonds sind.

Bürgermeister Rainer Wengorsch machte deutlich, dass die Bürgerbefragung auf Beschluss der Stadtverordneten durchgeführt worden sei. Auch das Abstimmungsbild und die Fragen seien abgestimmt worden. Das Interesse der Bürger sei, mit Blick auf den geringen Rücklauf, enttäuschend gewesen. Wenn das unzureichend sei, dann müsse man einen Bürgerentscheid machen, aber dazu brauche es 25 Prozent Zustimmung aus der stimmberechtigten Bevölkerung. Der Antrag brauche im Parlament eine Zweidrittel-Mehrheit.

In der laufenden Diskussion wurde die Bedeutung des Ergebnisses der Befragung infrage gestellt. Das Ergebnis sei nur eingeschränkt brauchbar und Manipulationen seien möglich (Alexander Kargoscha, Grüne). Es sei nicht das erste Mal, dass die Entscheidungen der Ortsbeiräte übergangen worden seien (Manfred Paul, CDU). Entsprechend den Niederschriften der Ortsbeiräte haben die betroffenen Ortsbeiräte Hungen, Langd und Villingen gegen die Teilnahme am Wildnisfonds gestimmt. Gestritten wurde auch um die Frage, ob der betreffende Wald überhaupt bewirtschaftet werden könne. Da es sich hier um ein FFH-Gebiet handele, sei die Bewirtschaftung nicht möglich (Kargoscha).

Dem widersprach der Bürgermeister. Es komme auf die Tierarten an, die dort vorkommen. Paul argumentierte, er und weitere 15 Eigentümer hätten dort Wald und Wiesen, die sie nicht bereit seien, abzugeben. Bei uns werde der Wald gepflegt, anderswo abgeholzt, sagte Isolde Kammer (Freie Wähler). Man könne die Welt nicht retten. Die Wegesicherung im Wald (Wildnisfonds) obliege der Stadt. Mit welchen jährlichen Kosten müsse man rechnen und man solle den Stadtverordneten der Vertrag zur Einsicht vorlegen, so Kammer.

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