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Selbst konstruierte Minuspunkte

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Derzeit gibt der Hungener Stadtwald an manchen Stellen kein gutes Bild ab. © Weissler

Die Hungener Grünen werfen der CDU-Fraktion in Bezug auf das Projekt Wildnisfonds eine Blockadehaltung vor.

Hungen (red). Nach der wiederholten Veröffentlichung einer Pressemeldung der Hungener CDU zum Projekt Wildnisfonds stellen die Hungener Grünen klar, dass sie von verantwortlichen Ideengebern für eine »enkeltaugliche Zukunft« mehr erwartet hätten, als die Auflistung selbst konstruierter Minuspunkte.

So sei derzeit der Wechsel von einer Sachanlage in eine Kapitalanlage angeblich unvorteilhaft. Wenn die Sachanlage (ein Stückchen vom Hungener Wald) seit Jahren allerdings nur Kosten verursache, die aus den Steuern der Bevölkerung zu begleichen sind, sei es nach Meinung der Grünen an der Zeit, hier etwas zu ändern. Da wären 4,5 Millionen Euro aus dem Wildnisfonds der Bundesregierung kein schlechtes Angebot - wobei die Flächen des Waldes sogar im Eigentum der Stadt Hungen verblieben.

Statt ein Szenario zu diskutieren, bei dem diese 4,5 Millionen Euro ohnehin im Schuldentopf der Stadt versickern würden (was niemand anstrebe), könnte die CDU nach Meinung der Grünen mit einem entsprechenden Antrag dafür sorgen, dass die erwirtschafteten Mittel in der Klimakommune Hungen ausschließlich für zukunftsorientierte Maßnahmen eingesetzt werden. Etwa zur Ertüchtigung der verbleibenden rund 1000 Hektar Stadtwald gegen den Klimawandel, für flächenhaften Hochwasserschutz oder etwa Maßnahmen zur Verbesserung der Grundwasserneubildung.

Die in Bezug auf die forstwirtschaftlichen Kosten vonseiten der CDU vorgestellte Berechnung sei aus Sicht der Grünen schon im Ansatz falsch.

Einnahmen fehlen

Es fehlten nämlich schlicht die mit dem Hungener Wald erzielten Einnahmen. Tatsächlich lägen die mit dem Wald erwirtschafteten Schulden seit Jahren bei 60 000 - 70 000 Euro jährlich. Verkleinerte man die traditionell bewirtschaftete Waldfläche, könnten auch die jährlich auflaufenden Schulden sinken, so die Grünen.

Und wie steht es um die wirtschaftliche Nutzung des Waldes unter ökologischen Gesichtspunkten? Tatsache sei, so die Grünen, dass der durchschnittliche Holzvorrat des Stadtwaldes in Hungen in den letzten Jahrzehnten von 320 Festmeter pro Hektar auf unter 270 Festmeter pro Hektar gesunken sei. Der Wert der Sachanlage habe sich also deutlich vermindert. Was den Wert an Ökopunkten betreffe, so geben die Grünen zu bedenken, dass dafür der ökologische Zustand dieser Flächen in Zukunft zwingend im Sinne des definierten Zielzustandes verbessert werden müsste. Ein Wald, der mit dem Klimawandel kämpfe, sei nicht stabil. Welchen Wert (in Ökopunkten) er in den kommenden Jahren haben wird, sei nicht einzuschätzen. Was schließlich die Berücksichtigung von Interessen zukünftiger Generationen angehe, könne man darüber heute nicht viel wissen, meinen die Grünen. Aber auch die Mitglieder der Hungener CDU-Fraktion trügen Verantwortung dafür, einen grundsoliden Wald zu übergeben. In Bezug auf die touristische Nutzung des rund 1200 Hektar großen Waldwildnisgebiets im westlichen Vogelsberg hätten sich die Hungener Grünen vonseiten der CDU-Fraktion durchaus eigene Ideen gewünscht. Anregungen ließen sich ja etwa beim Urwaldrevier im Saarland holen, oder im Umfeld der Nationalparks Westliche Eifel, Harz, Bayerischer Wald oder Kellerwald. Hier ließe sich erfahren, wie eine Waldwildnis sehr viel Geld in die Region lenken könnte.

Am Ende sei die Blockadehaltung der CDU-Fraktion für die Grünen völlig unverständlich. »Wo ist die Verantwortung für unsere Lebensbedingungen hier, das Grundwasser, die Artenvielfalt, die Schöpfung?«, fragt sich Wolfgang Macht. »Gehören wir nicht zu der Generation, die mit der unverantwortlichen Produktion von Treibhausgasen durch frühere Generationen jetzt umgehen muss?« Die Klimakommune Hungen brauche dazu Geld, viel Geld. Deshalb brauche es ein klares Votum im Stadtparlament zugunsten des Projekts Wildnisfonds.

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