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Spannende Gegensätze

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Jutta Spieß mit Albert Wagner bei der Vernissage in Hungen. Foto; Czernek © Barbara Czernek

Spannende Gegensätze gab es bei der Eröffnung der Ausstellung »Geometrische Abstraktion« im Hunger Schloss zu entdecken. Ausgestellt wurden Werke von Albert Wagner und Jutta Spieß.

Hungen (bcz). Die Eröffnung der Ausstellung »Geometrische Abstraktion - Malerei und Keramik im Dialog« im Schloss Hungen bot ein breites Spannungsportfolio, das nur auf den ersten Blick nicht zusammenpasst: Da sind zum einen die ebenmäßig und perfekt geformten Kugel der Hungener Künstlerin Jutta Spieß und direkt darüber hängen die großflächigen Bilder des Malers Albert Wagner.

Uralte Technik

Für die Künstlerin Jutta Spieß ist die Kugel die optimale geometrische Form. Veredelt werden sie durch Rauchbrand. »Das ist eine uralte Technik, in der man verschieden Lagen Holz und Späne in eine Tonne gibt. Durch den Rauch erhält die Kugel ihre endgültige Farbgebung«, erläuterte sie bei der Eröffnung am Sonntagnachmittag.

Keine Kugel gleicht der anderen: Bunte Farbverläufe bestimmen die jeweiligen Oberflächen. Selbst wenn sie die gleiche Mixtur an chemischen oder organischen Stoffen vorher aufgetragenen hat: Feuer hat seine eigene Kraft und Dynamik, die sie nicht beeinflussen kann.

Vor dem Brennen steht das exakte Arbeiten und Ausbilden der Kugeln, für das Spieß rund fünf Stunden benötigt, bis die Form perfekt ist.

Hohe Präzision

Ihre Exponate stehen in einem schöpferischen Dialog zu den Bildern von Albert Wagner, dessen Form- und Farbgebung sich an geometrischen Mustern orientieren. Er möchte jedoch mehr: Er versucht die Dreidimensionalität seiner Kreationen in der Zweidimensionalität eines Bildes darzustellen, das ihm durch hohen Maß an Präzision auch fast immer gelingt.

Seine Bilder, alle in Acryl gemalt, bestechen darüber hinaus durch ihren brillanten Farbglanz. Dies gelinge ihm dadurch, dass er eine Farbschicht auf die nächste auftrage und die einzelnen Schichten zwischendrin trocknen lasse, dadurch bekämen die Farben ihre eigene Dynamik, erläuterte er. So hat er bei einem Bild bis zu 35 Farbschichten aufgetragen.

»Anfangs habe ich die Farben gemischt, um einen bestimmten Farbton zu erhalten. Doch dann wird die Farbe stumpf, verliert ihren Glanz.« Hier folgt er der Zen-Philosophie, die besagt, dass es keine Leere gibt, sondern diese immer im Spannungsfeld mit den anderen Flächen zu betrachten ist und den Betrachter in diesen Dialog mit einbezieht.

So ist es durchaus gewollt, dass relativ große »leere« Flächen ein Teil der Komposition sind. Seinen Weg zur Malerei hat der gebürtige Koblenzer vor allem durch die schwarz-weiß-Fotografie gefunden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. März im Pferdestall des Schlosses zu besichtigen.

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