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Trauer um »Schlossvater«

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Adolf Hampel Foto: Kächler © Kächler

Hungen (klk). Sie nannten ihn ihren »Schlossvater«, denn durch die Initiative von Professor Adolf Hampel und seiner Frau Renate wurde das dem Verfall preisgegebene Hungener Schloss letztlich gerettet und ist heute nicht nur zu einem Schmuckstück, sondern auch zu einem Ort der kulturellen Begegnung geworden.

Im Alter von 88 Jahren ist Professor Adolf Hampel, emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, vor wenigen Tagen gestorben.

Sein eigentliches Lebenswerk umfasst die Völkerverständigung und die Versöhnung mit dem Osten ebenso, wie seinen unermüdlichen Einsatz gegen den Zwang zur Ehelosigkeit bei Priestern.

Ständig war er unterwegs, um Kontakte zu knüpfen. Sein Motto: »Grau ist alle Theorie - packt die Koffer, wir fahren los.«

Wegen seiner vielen persönlichen Verbindungen und seinem profunden Wissen war Hampel stets auch als Ost-Experte und politischer Ratgeber sehr gefragt. Umso härter traf ihn der russische Angriff auf die Ukraine.

Noch bis kurz vor seinem Tod war er dabei, einen Freundeskreis für den in Haft befindlichen russischen Oppositionspolitiker Alexei Navalny zu gründen.

Der 1933 in Klein-Herrlitz im Sudetenland geborene Wahl-Hungener studierte von 1953 bis 1958 an der theologischen Hochschule für Vertriebene in Königstein im Taunus und wechselte später an das Collegium Russicum im Vatikan. Er empfing von einem ukrainischen Bischof die Diakonsweihe und wurde von einem russischen Bischof zum Priester geweiht, 1962 promovierte er in Rom. 1969 erhielt er den Ruf zum Professor für katholische Kirchengeschichte und Moraltheologie an der Justus-Liebig-Universität.

Seinem Gesuch, ihn vom Zölibat zu entbinden, wurde vom damaligen Papst stattgegeben, sodass Hampel seine spätere Frau Renate heiraten konnte. 1973 zog die Familie in das Pfarrhaus im Torbau des Hungener Schlosses. Gemeinsam gründeten sie den Freundeskreis Schloss Hungen und setzten sich für zahlreiche soziale Projekte ein. 2012 veröffentlichte Hampel unter dem Titel »Mein langer Weg nach Moskau« seine Lebenserinnerungen. Sein Lebenswerk wurde vielfach gewürdigt. 2021 verlieh ihm die Stadt Hungen die Ehrenbürgerwürde.

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